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FreuRaum

Auf gesundes und leistbares Essen setzt der FreuRaum in Eisenstadt, ein Lokal mit gesellschaftlichem Auftrag. Und schnell vergriffenen Zimtschnecken.
FreuRaum in Eisenstadt
© FreuRaum

Sozial, modular und amikal

von Martha Miklin

„Die Zimtschnecken gehen morgens weg wie die warmen Zimtschnecken“, sagt Johannes Schwarcz-Enzinger, Geschäftsführer des FreuRaums in Eisenstadt. Aber nicht nur der süßen Backwaren wegen ist das Lokal in der Eisenstädter Fußgängerzone bekannt, auch für das hausgemachte Fladenbrot mit Hummus und Grillgemüse kehrt man hier gerne ein: „Das kommt bei allen gut an, ob vegan oder nicht.“

© FreuRaum

60 – 30 – 10

Was 2019 als Gastronomie mit rein vegetarischem und veganem Angebot begann, sieht nach Corona sowie einem Beinahe-Konkurs anders aus. „In Wien hätte ich gesagt, wir machen weiter so, aber im Nordburgenland ist das was anderes.“ Man entschied sich – trotz heftigem Gegenwind von strikt vegan lebenden Menschen – für eine vorsichtige Öffnung in Richtung tierischer Alternativen. Wenn Fleisch oder Fisch angeboten wird, dann in Bio-Qualität von „Zum Riegler by Windisch“, einer ausgewählten Fleischerei. „Die Speisekarte bietet zu 60 Prozent Vegetarisches, 30 Prozent Veganes und 10 Prozent Alternativen“, sagt Johannes.

„In Wien hätte ich gesagt, wir machen weiter so, aber im Nordburgenland ist das was anderes.“
Geschäftsführer Johannes Schwarcz-Enzinger

Mittlerweile ist der FreuRaum biozertifiziert, Träger des AMA-Regionalitäts-Siegels sowie des Nachhaltigkeitspreises TRIGOS.

Temporäre Schützlinge

Beim FreuRaum handelt es sich um einen sozialökonomischen Betrieb. Hier arbeiten Menschen, die lange Zeit nicht gearbeitet haben. Sie pflegten jahrelang Angehörige, haben Behinderungen oder kämpf(t)en mit schweren Erkrankungen. Johannes Schwarcz-Enzinger, Küchenchef Florian Peterl und Caterina Hoffmann, die Serviceleitende des FreuRaum, nehmen ihre Schützlinge ein Jahr lang an die Hand und bereiten sie auf den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt vor.

Was ist ein sozialökonomischer Betrieb?

Ein sozialökonomischer Betrieb (SÖB) ist ein Unternehmen, das sich der Integration von arbeitsmarktfernen Personen widmet. Durch die Bereitstellung von zeitlich begrenzten Arbeitsstellen zielt der Betrieb darauf ab, langzeitarbeitslosen Menschen den Weg zurück in eine reguläre Anstellung zu ebnen.

„Wenn man miterlebt, wie diese Leute – viele von ihnen hatten nie was mit der Gastro zu tun – in ihren Job hineinwachsen, aufblühen und ins Leben zurückfinden, dann ist das ein großes Erfolgserlebnis“, sagt Johannes.

© FreuRaum
Johannes Schwarcz-Enzinger, Küchenchef Florian Peterl und Serviceleiterin Caterina Hoffmann
Geschäftsführer Johannes Schwarcz-Enzinger, Küchenchef Florian Peterl und Serviceleiterin Caterina Hoffmann

Der soziale Gedanke steht im Zentrum des Konzepts, es gibt neben dem Lokal auch Seminare, Vorträge, Workshops und den „ReparaturRaum“, wo technische Geräte und Textilien repariert werden. „Für die Zukunft planen wir auch eine FreuGallerie und ein FreuCatering“, sagt Johannes Schwarcz-Enzinger. „Natürlich ist die Atmosphäre amikal, aber wir haben uns nicht nur die ganze Zeit lieb und alles ist toll. Die Leute müssen schon reinfinden.“ Sprich: Es muss sich schon auch wirtschaftlich rentieren.

„Wenn man miterlebt, wie diese Leute in ihren Job hineinwachsen, aufblühen und ins Leben zurückfinden, dann ist das ein großes Erfolgserlebnis“
Geschäftsführer Johannes Schwarcz-Enzinger

Menü modular, Menü sozial

Seit Jänner 2024 gibt es eine neue, erweiterte Speisekarte mit einem Frühstück „zum Selbstbauen“. Dabei kombiniert man nach Belieben mit „All Day Food“, zum Beispiel Erdäpfelgulasch oder Burger mit und ohne Fleisch.

Die Lebensmittel liefern die Biogast und andere biozertifizierte Betriebe, aber auch solche aus der Region, die sich eine Zertifizierung nicht leisten wollen oder können. „Dabei handelt es sich um kleine Landwirtschaftsbetriebe oder Privatpersonen, deren Arbeitsweise wir kennen und mit denen wir guten Gewissens zusammenarbeiten. Eine Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben wie diesen ist mir lieber, als Bio-Zitronen aus Spanien einfliegen zu lassen.“ Die Bio-Quote im FreuRaum beträgt satte 70 Prozent.

Derzeit arbeitet man auch an der Implementierung eines Sozialmenüs für Menschen, die sich kein vernünftiges Essen leisten können. „Wir wollen diese Leute dabei unterstützen, gesund zu leben. Mit Burgern, Pommes und Cola ist das nicht möglich.“

„Wir wollen diese Leute dabei unterstützen, gesund zu leben. Mit Burgern, Pommes und Cola ist das nicht möglich.“
Geschäftsführer Johannes Schwarcz-Enzinger

Warum Johannes Schwarcz-Enzinger für die Rolle als neuer Geschäftsführer so gut geeignet ist? „Ich war über 20 Jahre lang Flugbegleiter und habe nebenbei immer in der Gastro gearbeitet. Beim Fliegen habe ich gelernt, vorsichtig mit Passagieren umzugehen, vor allem mit solchen, die Flugangst haben. Jetzt sind es eben keine Passagiere, sondern Menschen, die jahrelang nicht gearbeitet haben. Und bei denen man genauso einfühlsam sein muss.“

Johannes Schwarcz-Enzinger

Drei Dinge, die du immer in deinem Kühlschrank hast?
Käse, Hafermilch und Butter
Der erste Job deines Lebens?
Ferialpraxis in der Gastro
So einfach und so gut – welches Gericht ist das für dich?
Grenadiermarsch
Dein Lieblingsgetränk?
Fruchtsäfte aller Art und Kaffee
Was möchtest du noch lernen?
Vieles! Aber vorrangig, militante Veganer davon zu überzeugen, dass auch Fleischesser eine Berechtigung in einem vegetarisch-veganen Lokal haben.

FreuRaum

FreuRaum ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie und Landwirtschaft, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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