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Steirereck am Pogusch

Das Wirtshaus Steirereck am Pogusch ist anders. Das beginnt auf der Streuobstwiese und endet bei der Energiepolitik.
Steirereck am Pogusch Außenansicht
© Steirereck

Selbst­versorgen am Berg

von Achim Schneyder

Nein, das Wirtshaus Steirereck am steirischen Pogusch ist kein gewöhnliches Wirtshaus. Wie auch, schließlich betreibt die gastgebende Familie Birgit und Heinz Reitbauer auch das Restaurant Steirereck im Stadtpark in Wien, und das gilt seit gefühlten Ewigkeiten als das beste des Landes. Und als eines der 50 besten der Welt. Soll heißen: Der Anspruch, den Heinz Reitbauer, Österreichs amtierender Koch des Jahrzehnts, an seine Außenstelle – und als Küchenletztverantwortlicher somit auch an sich selbst – stellt, könnte höher nicht sein. Und das bezieht sich nicht allein auf die Gerichte auf dem Teller.

© Steirereck
Offene Küche im Steirereck am Pogusch
In der Schankkuchl wird mit offenem Feuer gearbeitet.
@ Steirereck
Steirereck am Pogusch Küchenteam
V.l.n.r.: Manuel Weissenböck, Heinz Reitbauer und Jürgen Schneider
© Steirereck
Wilder Lattich mit Judas und Schweinsohren, Steirereck am Pogusch
Wilder Lattich mit Judas und Schweinsohren
© Steirereck
Topinambur und Knochenmark, Steirereck am Pogusch
Topinambur und Knochenmark
© Steirereck
Zucchiniblüte mit Paradeiserfisolen und Brokkoli, Steirereck am Pogusch
Zucchiniblüte mit Paradeiser-Fisolen und Brokkoli

Essen mitten in der Küche

„Es gibt einerseits unsere klassische Wirtshausküche, die die Gäste in den Wirtsräumen genießen, wobei es am Donnerstag zusätzlich Innereien frisch aus der eigenen Schlachtung und am Freitag Fisch aus den Seen des Hochschwab gibt. Und neben der klassischen gibt’s inzwischen auch die große Schankkuchl, quasi eine Schauküche, in der man an einem langen Hochtisch sitzt und die Köchinnen und Köche bei der Arbeit beobachten kann“, sagt der Hausherr. „Ob am offenen Feuer oder über Dampf, in der Schankkuchl wird die Vielfalt unserer Landwirtschaft in zeitgemäßen Gerichten modern und leicht interpretiert.“

Raritäten und Freiluftschweine

Das ist auch schon das Stichwort: die Landwirtschaft in über 1.050 Metern. Eine, auf die die Reitbauers aus gutem Grund stolz sind. „Unsere Streuobstanlage mit 150 Bäumen, darunter 100 Raritäten, ist die höchstgelegene der Steiermark, in der wir neben Birnen oder Zwetschken allein 65 verschiedene Apfelsorten ernten.

„Wir versorgen uns quasi selbst.“
Birgit Reitbauer

Dazu kommen noch weit mehr als 100 verschiedene Beerenpflanzen und -Sträucher, ein eigener Erdapfelacker und natürlich die Tiere“, sagt Heinz und verweist auf die Schweine, Lämmer und Hühner, wobei sich die Schweine, eine Kreuzung aus Duroc und Schwäbisch-Hällisch, 365 Tage im Jahr auf einem 2,5 Hektar großen Areal nach Lust und Laune im Freien aufhalten können. „Und die Hühner schenken uns genügend Eier, dass Hausbesucher:innen, so sie möchten, zum Frühstück in den Genuss dieser Eier kommen“, ergänzt Gastgeberin Birgit.

Schlafen im Glashaus

Besuchende nächtigen entweder im ehemaligen und entsprechend umgebauten Stall, in den weitläufig ums Haupthaus im Wald verstreuten und wahrlich eindrucksvollen Vogel- oder Baumhäusern oder neuerdings auch in sogenannten Kabanen. Zehn dieser überaus erschwinglichen Zwei-Personen-Schlafkojen gibt’s. sie alle befinden sich im neuen, auf drei Etagen angelegten und 600 Quadratmeter großen Glashaus, das quasi an das kleine (100 Quadratmeter) grenzt. „Das ist eine Art gelebter Traum von uns“, sagt Heinz.

„Das ist eine Art gelebter Traum von uns.“
Heinz Reitbauer

Ein großes Glashaus, ein sogenanntes Kaltglashaus, in dem sich die Temperatur mit der jeweiligen Saison ändert und in dem man zwischen teils riesigen Pflanzen, darunter sehr vielen Zitrusgewächsen, schläft, sauniert, im Kaminzimmer sitzt oder einfach flaniert. „Mit den eigenen Kräutern und Zitrusfrüchten aus den Glashäusern und dem Ertrag aus Äckern und Streuobstwiesen kultivieren wir inzwischen übrigens über 500 Arten“, sagt Birgit. „Wir versorgen uns quasi selbst.“

@ Steirereck
Glashaus vom Steirereck am Pogusch
Das Glashaus ist nicht nur Heimat für Zitrusgewächse, sondern auch für Gäste.
@ Steirereck
Kabane vom Steirereck am Pogusch
Schlafen in den Kabanen.
@ Steirereck
Kaminzimmer vom Steirereck am Pogusch
Begegnungszonen im Glashaus.
@ Steirereck
Steirereck am Pogusch Innenansicht
Modern, top ausgestattet und gemeinschaftlich genutzt.

Energiewende am Berg

Nicht minder eindrucksvoll als die letztgenannte Zahl ist auch der Umstand, dass das auf Kreislaufwirtschaft an- und ausgelegte Wirtshaus auf bestem Weg ist, eines nahen Tages nahezu völlig energieautark zu sein. Ein weiterer Traum, der – nicht zuletzt im Sinne künftiger Generationen – von den Reitbauers schon bald gelebt werden wird. „Und zum Teil ohnehin schon wird.“ Sagt Heinz.

Heinz Reitbauer

Heinz Reitbauer

Wie schaltest du ab?
Wenn ich draußen bin, vor allem beim Schwammerlsuchen.
So einfach und so gut – welches Gericht ist das für dich?
Paradeiser Vielfalt, Leinöl, Basilikum – wenn möglich aus dem eigenen Garten.
Wo trifft man dich an, wenn du nicht bei der Arbeit bist?
In der Natur oder an gastfreundlichen Orten.
Eine kulinarische Sünde, die manchmal sein muss?
Eine ordentliche Portion Käse nach dem Abendservice, meist gegen Mitternacht.
Was kocht deine Frau besser als du?
Erdäpfelgulasch

Wirtshaus Steirereck ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie und Landwirtschaft, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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