„Selbstverständlich darf es auch einen Veggie-Burger und ein Seitan-Schnitzel geben. Wenn ‚Leberkäse‘ kein Käse sein muss, aber ‚Veggie-Wurst‘ verboten wird, wirkt das absurd. Die Behauptung, es sei verwirrend, ist ein Armutszeugnis für Lobbyisten.“
Wichtig vorweg: Ein EU-weites Verbot für Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“, „Tofu-Schnitzel“ oder „Veggie-Wurst“ gibt es nicht. Entsprechende Vorstöße wurden auf EU-Ebene mehrfach diskutiert und abgelehnt. Pflanzliche Produkte dürfen solche Begriffe verwenden, solange sie klar gekennzeichnet und nicht irreführend sind.
In der Vergangenheit gab es politische Initiativen, Begriffe wie „Burger“, „Schnitzel“ oder „Wurst“ ausschließlich für Produkte tierischen Ursprungs zu reservieren. Ziel dieser Vorstöße war laut Befürworter:innen der Schutz von Verbraucher:innen vor Verwechslung sowie der Schutz traditioneller landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Kritiker:innen – darunter Verbraucher:innenschützer und Produzent:innen pflanzlicher Lebensmittel – bestreiten jedoch eine reale Verwechslungsgefahr. Niemand kaufe versehentlich ein „Tofuwürstel“, weil er es für echte Wurst halte.
Einzelne nationale Alleingänge, etwa in Frankreich, wurden gerichtlich ausgesetzt. Die Debatte ist damit nicht beendet, aber rechtlich klar eingeordnet: Ein generelles Verbot existiert nicht.
Stimmen aus der Gaumen Hoch-Community
„Diese Begriffe haben sich längst etabliert. Niemand glaubt, dass im Gemüse-Schnitzel Fleisch ist. Wir haben wichtigere Themen, wie die Kostenwahrheit in der Lebensmittelproduktion.“
„Weder Fisch noch Fleisch … also was dann? Es soll doch jeder so nennen, wie er will. Viel schlimmer ist die Absicht dahinter!“
„Lächerlich und ein verzweifelter Versuch der Billig-Fleisch-Lobby, einen Vorsprung gegenüber der pflanzlichen Zukunft zu sichern. Massentierhaltung gehört hoffentlich nicht in die Gesellschaft von morgen.“
„Bezeichnungen wie ‚Veggie-Burger‘ oder ‚Soja-Schnitzel‘ helfen Konsument:innen sofort, was sie erwartet – nämlich eine pflanzliche Alternative. Ein Verbot ist kein Verbraucherschutz, sondern ein Rückschritt für Innovation und Transparenz. Stattdessen beschäftigen sich Parlamentarier mit Nebensächlichkeiten, die die Wirtschaftskraft Europas schwächen.“
Die Debatte verdeutlicht den Spagat zwischen traditionellen Fleischproduzenten und der wachsenden pflanzenbasierten Ernährung. Nicht die Begriffe selbst sind das Problem, sondern die Frage, wie viel Orientierung Sprache geben darf – und wessen Interessen sie schützt.
Weiterführende Einordnung:
EU-Abstimmung gegen ein Verbot pflanzlicher Bezeichnungen (2020)
Französisches Verbot nationaler Bezeichnungen ausgesetzt
Wer sich für pflanzliche Produkte und Betriebe interessiert, die nicht auf Etiketten, sondern auf Herkunft und Verarbeitung setzen, findet Orientierung in unserem Guide Shops & Verarbeitung.




















