„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, sang Reinhard Mey 1974. 50 Jahre später fanden Susanne Kern und ihr Partner Klaus Dieterstorfer ihre grenzenlose Freiheit etwas unterhalb der Wolken: in der Pühringerhütte auf über 1.600 Metern Höhe im Toten Gebirge, an der steirisch-oberösterreichischen Grenze.

Seit dem Sommer 2024 bewirtschaften die beiden die Alpenvereinshütte mit einem kleinen Team und erfüllten sich damit einen Lebenstraum. Die frühere Ergotherapeutin Susanne und der technisch versierte Klaus, der im Bezirk Kirchdorf ein Ingenieursbüro betreibt, wollten nämlich schon immer hoch hinaus – in die Berge. Susanne nahm Hüttenjobs an, Klaus reiste 23-mal nach Nepal, wo er unter anderem am Aufbau von Kranken- und Frauenhäusern mitwirkte.
Ihr erstes Treffen fand wenig überraschend in den Bergen statt, auf der Adolf-Noßberger-Hütte am Gradensee im Herzen der Schobergruppe. Susanne schnupperte hier erstmals ins Hütten-Arbeitsleben hinein, und Klaus wartete zur selben Zeit die Photovoltaikanlage. Es folgten viele Gespräche, die beiden merkten, dass ihre Vorstellungen von einem Leben in den Bergen übereinstimmten, und irgendwann funkte es auch in Liebesdingen. Eine erste Bewerbung für eine Hütte scheiterte noch, doch als die Pühringerhütte ausgeschrieben war, klappte es – und das Abenteuer begann.
„Schon als ich noch als Ergotherapeutin gearbeitet habe, spürte ich etwas in mir, das mich in die Berge zog. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieser Stimme gefolgt bin.“
Hubschrauber oder zu Fuß
Ein Abenteuer wurde es deshalb, weil Susanne und Klaus nicht einfach einem naiv-romantischen Impuls von einem Leben in der Abgeschiedenheit gefolgt waren. Sie wollten und wollen bis heute die etwas oberhalb des Elmsees gelegene Alpenvereinshütte zu einer Oase der Nachhaltigkeit umgestalten. Was an einem Ort, der nur mittels Hubschrauber mit dem Nötigsten versorgt werden kann, nicht die leichteste Aufgabe ist. „Da gibt es logistisch schon einiges zu bewältigen“, erzählt Susanne: „Wer uns beliefert, muss flexibel sein, weil der Hubschrauber nur bei schönem Wetter fliegt. Es kann schon vorkommen, dass der Flug für Mittwoch geplant ist, aber erst am Montag drauf stattfindet.“

Die einzige Alternative erfordert gute Kondition und einen gut vierstündigen Aufstieg: „Was wir hier schon alles in Rucksäcken heraufgetragen haben, ist keine Kleinigkeit“, sagt die Hüttenwirtin. Wer auch immer aus dem bis zu achtköpfigen Team gerade ins Tal hinuntergeht, für die oder den gilt: „leer“ zurückgehen ist keine Option. Salat, Gemüse oder Beeren müssen mit hinauf auf den Berg. Die schwerste Last, die auf diesem Weg in der Pühringerhütte gelandet ist, waren CO2-Flaschen.

„Hier heroben, auf über 1.600 Metern, einen nachhaltigen Ort zu schaffen, ist schwieriger als unten im Tal. Aber wir versuchen in jeder Saison einen weiteren Schritt in diese Richtung.“
Momos und Wildkaskrainer
Mit viel Recherchearbeit und zahlreichen Besuchen bei Produzentinnen und Produzenten haben Susanne und Klaus mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut, das ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit auch in luftiger Höhe gerecht wird. Deshalb hat die kleine, aber feine Speisekarte in der Pühringerhütte so manche Überraschung zu bieten, mit der Wanderer nicht zwingend rechnen.
Momos etwa – nepalesische Teigtaschen, die hier mit Bio-Rindfleisch oder Gamsfleisch gefüllt werden: „Wir haben mit Penpa und Hom auch zwei Nepalesen in unserem Team, und es ist mir wichtig, dass auch ihre Küche bei uns einfließt“, erklärt Susanne. Ihr Schwager, ein Jäger, beliefert sie mit einem weiteren Hüttenschmankerl, der Wildkaskrainer.


Grundsätzlich hält Susanne das Angebot aber fleischarm. Sie bietet deshalb im Schwerpunkt vegetarische und vegane Gerichte an: „Ich durfte im Winter im Biochi in Schladming aushelfen und habe da sehr viel über diese Küche gelernt“, sagt sie. Ihre beste Schule war aber ein Notfalleinsatz im Defregger Haus am Großvenediger in Tirol. Da musste sie für eine Köchin einspringen, die im letzten Moment abgesagt hatte: „Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und musste ohne Waage, Kochbuch und Internet plötzlich für 140 Leute kochen. Da lernt man sehr viel in sehr kurzer Zeit.“


Der Nachhaltigkeitsanspruch erschöpft sich aber nicht im kulinarischen Angebot. Susanne und Klaus arbeiten daran, das Dieselaggregat, das bisher die PV-Anlage ergänzt, mittelfristig zu ersetzen. Aber, wie schon gesagt: Auf 1.600 Metern lernt man, dass Vorankommen auch mit kleinen Schritten möglich ist. Diese Lektion hat das Hüttenpärchen mit den Gästen gemeinsam, die zur Pühringerhütte aufsteigen. Und deshalb ist diese Oase der Nachhaltigkeit wohl auch so ein ganz besonderer Wohlfühlort.


















