In seiner Marktgärtnerei in Wien-Rothneusiedl baut Andreas Gugumuck auf 4.000 m² Gemüsevielfalt nach den Prinzipien des Market Gardening an – ohne Traktoren, ohne Kunstdünger, mit über 80 Sorten. Mit seiner Kreislaufwirtschaft zählt er zu den „Top 50 Farmers“ Europas. Sein Bio-Gemüse ist auch als wöchentliches Kisterl-Abo erhältlich.
Market Gardening ist eine der ressourcenschonendsten Formen des Gemüseanbaus. Konzipiert vom Kanadier Jean Martin Fortier setzt diese Form der Landwirtschaft auf kleine Flächen, einfache mechanische Hilfsmittel und kommt ohne Traktoren aus. Bodengesundheit, Humusaufbau, Fruchtwechsel, samenfeste Sorten und Direktvermarktung – auf Wochenmärkten oder an die Gastronomie – sind die Eckpunkte.

„So sieht für mich eine zukunftsorientierte regenerative Landwirtschaft aus, die einen wertvollen Beitrag zum Ernährungssystem leistet. Nicht nur, aber auch in der Stadt“, sagt Andreas Gugumuck. Marktgärtnereien sieht er als wichtige Versorgungsquelle der lokalen Bevölkerung – und als Gegenbewegung zur zunehmenden Entfremdung von Saisonalität.
Bio, saisonal, divers
Die Beete werden nach den Grundsätzen des Bio-Landbaus bewirtschaftet und spielen alle Register der Biodiversität. Über 80 Sorten sind in Anbau: Neben Mangold, Kohlrabi, Tomaten, Gurke, zahlreiche Kräuter und vereinzelt Obstkulturen. Das Feld bietet auch Raum für Experimente – von Pistazien über Granatäpfel bis zu Edamame. Der Klimawandel macht es möglich und eröffnet findigen Landwirt:innen neue Perspektiven.
Pestizide oder Kunstdünger haben in der Marktgärtnerei Hausverbot. Gedüngt wird mit Bio-Kompost und Schafwolle. Ein Modell, das zeigt: Intensive Nutzung und Bodengesundheit schließen sich nicht aus. „Unsere Familie baut seit 1720 in Rothneusiedl Gemüse an und diese Tradition setze ich nun auf meine Weise zeitgemäß um“, sagt Andreas Gugumuck, der damit in elfter Generation seiner Familientradition treu bleibt.

Das Gemüsekisterl – Bio direkt vom Feld
Hauptabnehmer der Lebensmittel aus dem Market Garden sind die Gartenbar und das Bistro. Nicht zu unterschätzen ist auch der Appetit der bis zu 300.000 Schnecken auf Mangold, Blattsalate und andere Gemüse. Im Vergleich dazu sind die 25 Gemüsekisten für private Gemüsefans, mit denen Andreas Gugumuck 2025 gestartet ist, eine überschaubare Menge. „Wir schauen darauf, dass sich die Abläufe beginnend mit der Anbauplanung über Ernte und Abholung gut etablieren“, sagt Gugumuck.
Seit 2025 bietet Andreas Gugumuck ein wöchentliches Gemüsekisterl im Abo an – erntefrisch, unverpackt, mit über 80 möglichen Sorten je nach Saison. Die Kiste umfasst Blattgemüse, Wurzeln, Fruchtgemüse, Kräuter und essbare Blüten. Was gerade reif ist, kommt ins Kisterl.
Das Abo läuft von Juni bis November (26 Wochen), kostet € 22 pro Woche und kann monatlich oder im Voraus bezahlt werden. Abgeholt wird jeden Freitag in der Gartenbar. Die Plätze sind limitiert – weil wahre Bio-Qualität klein strukturiert bleibt. Abonnent:innen erhalten wöchentlich per E-Mail eine Vorschau auf den Inhalt sowie Rezeptideen und Hintergrundwissen zum Gemüsebau.

Fischzucht auf der Schneckenfarm
Am Gugumuck-Hof entsteht eine Aquaponikanlage: Barsche und Welse werden in einem geschlossenen Kreislauf gemeinsam mit Gemüse in einem Glashaus kultiviert. Die Eingeweide der Schnecken – bislang der einzige Abfall der Zucht – dienen künftig als Fischfutter. Die Exkremente der Fische wiederum fließen als organischer Dünger zurück in die Gemüsebeete. Die Kreislaufwirtschaft am Gugumuck-Hof wird damit noch runder.

Top 50 Farmers – international anerkannt
Die europaweite Initiative „Top 50 Farmers“ zeichnet Betriebe aus, die regenerative Landwirtschaft vorbildlich umsetzen. Das Ranking orientiert sich an Formaten wie den „50 Best Restaurants of the World“ – mit dem Ziel, nachhaltige Landwirtschaft medial sichtbar zu machen. Andreas Gugumuck zählt zu dieser illustren Reihe – als einer von drei österreichischen Betrieben, neben dem Vetterhof in Lustenau und der Grand Farm in Absdorf.

Wissen, das zirkuliert
Der Gugumuck-Hof ist auch Lernort. Schulklassen, Studierende und Praktikant:innen aus Wiener Gastrofachschulen besuchen den Betrieb regelmäßig. „Bei uns lernen die jungen Leute das, was sie in der Schule meist nicht lernen: wann welche Produkte Saison haben, wie man Gemüse erntet und vorbereitet, wie man einlegt und fermentiert“, sagt Andreas Gugumuck. Neben der stofflichen Kreislaufwirtschaft gibt es am Hof eine konsequente Weitergabe von Wissen – dieser Spirit ist zur Nachahmung empfohlen.





















