Die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt: Auf die globalen Lieferketten ist kein Verlass. Regionale Wertschöpfung, kurze Lieferwege und engere Netzwerke gelten heute als Königswege für Versorgungssicherheit. Die Sache ist nur die: Immer und überall lässt sich das nicht umsetzen. Paradebeispiel: der Kaffeehandel.

In Österreich lässt sich dieses Phänomen besonders greifbar am Beispiel von Julius Meinl beobachten. Die Kultmarke, die seit 1862 zur österreichischen Kaffeekultur gehört wie der „Kleine Braune“ oder der „Einspänner“, zeigt: Es ist möglich, ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel aus Honduras, Vietnam oder Brasilien nachhaltig nach Österreich zu bringen – vorausgesetzt, man übernimmt Verantwortung.
Global denken, lokal rösten
„Vielen Menschen ist heute noch nicht bewusst, wie viel Nachhaltigkeit mit Qualität zu tun hat“, sagt Carina Needham, Global Sustainability Director bei Julius Meinl. „Ohne gesunde Böden in den Ländern, in denen unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern arbeiten, könnten wir nie die Qualität liefern, die unseren Ansprüchen entspricht.“
2025 hat das Unternehmen an seinen beiden Produktionsstandorten Wien und dem italienischen Vicenza sage und schreibe 14.406 Tonnen Kaffee geröstet. Der Grünkaffee – also die unverarbeiteten, noch rohen Bohnen – stammt aus 16 Herkunftsländern, mit Brasilien, Vietnam, Indien, Nicaragua und Honduras als den Top5-Anbauländern.

„Wir wollen als Unternehmen lernen, wie wir den größtmöglichen positiven Impact auf unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern vor Ort haben können.“
Wie, fragt man sich da, soll das nachhaltig funktionieren? Die abstrakte Antwort lautet: Indem man alles ein bisschen größer denkt. Die konkrete Antwort ist etwas komplexer – und vor allem spannender.
Aus Konkurrent:innen werden Partner:innen
„Wir wollen als Unternehmen lernen, wie wir den größtmöglichen positiven Impact auf unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern vor Ort haben können“, sagt Needham. Konkret bedeutet das: Gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern wird im Rahmen verschiedener Programme versucht, Maßnahmen für mehr Biodiversität, gesündere Böden und klimafitte Landwirtschaft umzusetzen. Da wäre etwa das „Generations Programme“ in Honduras.


„Es läuft von 2025 bis 2029 und unterstützt Kleinbäuerinnen und -bauern beim klimafreundlichen Kaffeeanbau“, erklärt Needham. Besonders aufhorchen lässt dabei ihre Aussage, dieses Programm „gemeinsam mit Partnern wie Tchibo, The J.M. Smucker Co. und der Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS)“ umzusetzen. Tchibo – ist das nicht eigentlich die beinharte Konkurrenz? Needham sagt: „Ja. Aber man muss sich zusammentun, weil man allein nicht eine ganze Region in Sachen Nachhaltigkeit unterstützen kann.“
Biodiversität als Zukunftsinvestment
Das Ziel ist der Aufbau einer „Climate-Smart Coffee Region“, die Böden, Wasser und Biodiversität schützt. Dafür müssen Kräfte gebündelt werden. Und es lohnt sich: Gemeinsam beziehen die Partner rund 4.000 Familien und 20 Bäuer:innen-Organisationen ein, um auf 6.000 Hektar Kaffee ökologisch nachhaltiger zu wirtschaften.
„Wir denken langfristig. Und wenn langfristig nachhaltig bedeutet, dann umso besser.“

Die Bäuerinnen und Bauern erhalten Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft und Klimaanpassung. So lässt sich die Lebensgrundlage der Familien sichern – und gleichzeitig die Region widerstandsfähiger gegen Umweltprobleme machen.
Julius Meinl setzt vergleichbare Projekte auch in Kolumbien, Indien und Uganda um. Natürlich: Hinter alledem steckt mehr als altruistische Freude am Guten. Es ist, wenn man so will, ein präventives Investment – damit der Klimawandel dem Unternehmen nicht irgendwann die Geschäftsgrundlage entzieht. „Wir denken langfristig“, sagt Needham. „Und wenn langfristig nachhaltig bedeutet, dann umso besser.“

Carina Needham
einer guten Mischung aus Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft Menschen für Ideen
begeistert.
















