Julius Meinl

Das Wiener Traditionsrösterei Julius Meinl zeigt: Kaffee kann sehr wohl nachhaltig sein – vorausgesetzt, man denkt weiter als bis zur nächsten Tasse.
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Wo Nachhaltigkeit mehr als die Bohne juckt

von Lucas Palm

Die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt: Auf die globalen Lieferketten ist kein Verlass. Regionale Wertschöpfung, kurze Lieferwege und engere Netzwerke gelten heute als Königswege für Versorgungssicherheit. Die Sache ist nur die: Immer und überall lässt sich das nicht umsetzen. Paradebeispiel: der Kaffeehandel. 

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Carina Needham, Julius Meinl

In Österreich lässt sich dieses Phänomen besonders greifbar am Beispiel von Julius Meinl beobachten. Die Kultmarke, die seit 1862 zur österreichischen Kaffeekultur gehört wie der „Kleine Braune“ oder der „Einspänner“, zeigt: Es ist möglich, ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel aus Honduras, Vietnam oder Brasilien nachhaltig nach Österreich zu bringen – vorausgesetzt, man übernimmt Verantwortung.

Global denken, lokal rösten

„Vielen Menschen ist heute noch nicht bewusst, wie viel Nachhaltigkeit mit Qualität zu tun hat“, sagt Carina Needham, Global Sustainability Director bei Julius Meinl. „Ohne gesunde Böden in den Ländern, in denen unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern arbeiten, könnten wir nie die Qualität liefern, die unseren Ansprüchen entspricht.“

2025 hat das Unternehmen an seinen beiden Produktionsstandorten Wien und dem italienischen Vicenza sage und schreibe 14.406 Tonnen Kaffee geröstet. Der Grünkaffee – also die unverarbeiteten, noch rohen Bohnen – stammt aus 16 Herkunftsländern, mit Brasilien, Vietnam, Indien, Nicaragua und Honduras als den Top5-Anbauländern.

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Die Kaffeekirsche ist der Ursprung jeder Bohne – ihre Qualität hängt direkt von Biodiversität, Bodenpflege und nachhaltiger Landwirtschaft ab.
„Wir wollen als Unternehmen lernen, wie wir den größtmöglichen positiven Impact auf unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern vor Ort haben können.“
Carina Needham, Global Sustainability Director bei Julius Meinl

Wie, fragt man sich da, soll das nachhaltig funktionieren? Die abstrakte Antwort lautet: Indem man alles ein bisschen größer denkt. Die konkrete Antwort ist etwas komplexer – und vor allem spannender.

Aus Konkurrent:innen werden Partner:innen

„Wir wollen als Unternehmen lernen, wie wir den größtmöglichen positiven Impact auf unsere Kaffeebäuerinnen und -bauern vor Ort haben können“, sagt Needham. Konkret bedeutet das: Gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern wird im Rahmen verschiedener Programme versucht, Maßnahmen für mehr Biodiversität, gesündere Böden und klimafitte Landwirtschaft umzusetzen. Da wäre etwa das „Generations Programme“ in Honduras.

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Von der reifen Kirsche zur aromatischen Tasse: Sorgfältiger Anbau und verantwortungsvolle Verarbeitung sichern langfristig Qualität und Existenzgrundlagen.
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Von der reifen Kirsche zur aromatischen Tasse: Sorgfältiger Anbau und verantwortungsvolle Verarbeitung sichern langfristig Qualität und Existenzgrundlagen.

„Es läuft von 2025 bis 2029 und unterstützt Kleinbäuerinnen und -bauern beim klimafreundlichen Kaffeeanbau“, erklärt Needham. Besonders aufhorchen lässt dabei ihre Aussage, dieses Programm „gemeinsam mit Partnern wie Tchibo, The J.M. Smucker Co. und der Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS)“ umzusetzen. Tchibo – ist das nicht eigentlich die beinharte Konkurrenz? Needham sagt: „Ja. Aber man muss sich zusammentun, weil man allein nicht eine ganze Region in Sachen Nachhaltigkeit unterstützen kann.“

Biodiversität als Zukunftsinvestment

Das Ziel ist der Aufbau einer „Climate-Smart Coffee Region“, die Böden, Wasser und Biodiversität schützt. Dafür müssen Kräfte gebündelt werden. Und es lohnt sich: Gemeinsam beziehen die Partner rund 4.000 Familien und 20 Bäuer:innen-Organisationen ein, um auf 6.000 Hektar Kaffee ökologisch nachhaltiger zu wirtschaften.

„Wir denken langfristig. Und wenn langfristig nachhaltig bedeutet, dann umso besser.“
Carina Needham, Global Sustainability Director bei Julius Meinl
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Nachhaltiger Kaffeeanbau beginnt vor Ort: In Honduras arbeiten Kleinbäuer:innen im Rahmen internationaler Programme an klimafitten Anbaumethoden und gesunden Böden.

Die Bäuerinnen und Bauern erhalten Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft und Klimaanpassung. So lässt sich die Lebensgrundlage der Familien sichern – und gleichzeitig die Region widerstandsfähiger gegen Umweltprobleme machen. 

Julius Meinl setzt vergleichbare Projekte auch in Kolumbien, Indien und Uganda um. Natürlich: Hinter alledem steckt mehr als altruistische Freude am Guten. Es ist, wenn man so will, ein präventives Investment – damit der Klimawandel dem Unternehmen nicht irgendwann die Geschäftsgrundlage entzieht. „Wir denken langfristig“, sagt Needham. „Und wenn langfristig nachhaltig bedeutet, dann umso besser.“ 

Carina Needham, Julius Meinl

Carina Needham

Wie trinkst Du deinen Kaffee am liebsten?
Als Cappuccino oder Caffè Latte.
Die spannendste Kaffeeregion?
Zentralamerika – geprägt von vielen privaten Reisen. Unglaublich vielfältig, farbenfroh und mit atemberaubenden Vulkanlandschaften.
Ein Gerücht, mit dem Du aufräumen möchtest?
Dass Einzelne nichts bewirken können. Doch – jeder Schritt zählt und summiert sich.
Was kann man von Dir lernen?
Strukturiertes, strategisches Denken, und wie man mit
einer guten Mischung aus Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft Menschen für Ideen
begeistert.
Der beste Kaffe, den Du jemals getrunken hast?
Ein Cappuccino von unseren Coffee Experts im Büro. Perfekt zubereitet – und ein echter Aha-Moment: Seitdem weiß ich, dass guter Kaffee keinen Zucker braucht. Gar keinen.
Julius Meinl Austria GmbH

Julius Meinl Austria GmbH ist Mitglied von Gaumen Hoch*

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