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Bodengesundheit: Warum wir gesunde Böden mehr denn je brauchen

So wenig wie heute gab es davon noch nie. Dabei sind gesunde Böden wichtige Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel.
von Lucas Palm
Würmer
© Antony Trivet | pexels

Zugegeben, die Ausgangslage könnte besser sein. Zumindest, wenn es um unsere Böden geht. Wir brauchen sie dringender, denn je – nur gab es leider nie so wenig davon wie heute. Der Grund: Die Bodenversiegelung. Allein im Jahr 2022 wurden im baufreudigen Österreich rund zwölf Hektar Boden pro Tag verbaut. Ganz schön viel fruchtbarer Ackerboden, der da draufgeht.

Warum wir gesunde Böden mehr denn je brauchen, ist schnell erklärt: Sie sind wichtige Verbündete von uns Menschen im Kampf gegen den Klimawandel. Zum Beispiel, indem sie große Mengen Regenwasser aufnehmen und erstaunlich viel CO2 binden können. Vor allem aber versorgen sie uns mit hochwertigen Lebensmitteln, voll mit wertvollen Nährstoffen.

© Greta Hoffmann | pexels
Handarbeit am Feld

Die wichtigsten Makro- und Mikronährstoffe für Bodengesundheit

Ein gesunder Boden ist ein Boden, der lebt. Millionen von Bakterien, Regenwürmern, Pilzen und Asseln machen aus einer scheinbar so starren Fläche ein echtes Wunderding, das Pflanzen erst das Leben ermöglicht. Ganz zu schweigen vom wertvollen Humus, also abgestorbener organischer Substanz, der den Boden ständig auf- und umbaut.

Was Pflanzen vom Boden benötigen, sind Makro- und Mikronährstoffe. Unter Makronährstoffen verstehen wir in diesem Fall Stoffe, von denen Pflanzen besonders viel brauchen, um zu wachsen und all ihre Nährstoffe zu entwickeln.

Von diesen wiederum gibt es drei, ohne die bei den meisten Pflanzen gar nichts geht – weswegen man diese auch als „Kernnährstoffe“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um Stickstoff, Phosphor und Kalium.

Kernnährstoffe von Pflanzen

Stickstoff

Stickstoff ist der wichtigste Wachstumsnährstoff. Er versorgt die Pflanze mit den nötigen Grundbausteinen, um sich von Beginn an entwickeln zu können.

Phosphor

Dank des Phosphors kann die Pflanze ihre Blüten und Fruchtansätze bilden – auch das ist ein elementarer Baustein für den organischen Kreislauf.

Kalium

Und Kalium schließlich sorgt nicht nur für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, sondern auch für robuste Zellen. Damit fördert es die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen.

Und dann gibt es eben noch die Mikronährstoffe. Von diesen brauchen Pflanzen – je nach Art – verhältnismäßig wenig. Deswegen werden sie auch Spurennährstoffe genannt. Darunter fallen etwa Bor, Chlor, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän oder Zink. Doch wie kommt die Pflanze zu ihrem Futter?

Pflanzen brauchen folgende Bodennährstoffe, um optimal zu wachsen:

Makronährstoffe:
Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Kalzium, Schwefel, Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff

Mikronährstoffe:
Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor, Molybdän, Chlor

Warum ohne Wurzelhärchen nichts geht

Den Großteil der Nährstoffe nehmen Pflanzen über ihre Wurzeln auf. Genauer gesagt: über ihre Wurzelhaare. Diese winzigen Härchen nehmen Feuchtigkeit auf, genauer gesagt Bodenwasser, in dem Nährstoffe in Form von sogenannten Ionen gelöst worden sind. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Ionen um kleinste Atome und Moleküle, die als einzige Nährstoffform von Wurzelhaaren aufgenommen werden können.

Diese Nährstoffaufnahme bildet die Grundlage für die gesamte Entwicklung der Pflanze – denn auch wenn sie bestimmte Nährstoffe aus der Luft oder der Erdoberfläche aufnehmen kann: Ohne ihre Wurzelhaare würde sie verhungern.

Und auch der Boden wäre ohne ihre Wurzeln weniger lebendig. Denn gerade die sogenannte Durchwurzelung sorgt dafür, dass die Luft- und Wasserdurchlässigkeit unserer Böden verbessert wird. Außerdem hält eine tiefe Durchwurzelung auch die Bodenstruktur zusammen und sorgt für zusätzliche organische Substanz im Boden.

Von großer Bedeutung in diesem Zusammenhang sind die Wurzeln der Hülsenfrüchtler, auch Legominosen genannt. Dabei handelt es sich um Pflanzen wie Erbsen oder Bohnen, die einen entscheidenden Vorteil haben: Ihre Wurzeln ziehen die im Boden vorkommenden Knöllchenbakterien wie magisch an – wodurch viel Stickstoff im Boden freigesetzt wird. Gerade nach der Ernte von Pflanzen, die dem Boden viel Stickstoff entnommen haben, können also Legominosen den Boden auf ganz natürlichem Wege revitalisieren – und so wieder mit ausreichend Nährstoffen für die nächsten Gemüsepflanzen versorgen.

Drei Fakten zu gesunden Böden

  1. In einem großen Esslöffel gesunder Erde leben über sieben Milliarden (!) Organismen.
  2. Gesunde Böden bilden die Grundlage für über 90 Prozent aller weltweit produzierten Lebensmittel.
  3. Sie sind echte Helden der Klimaregulierung: Nach den Ozeanen sind Böden der größte Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Damit speichern sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder – und zwar weltweit.

Bodennährstoffe: Von der Wurzel in den Körper

Wie lange Nährstoffe in Pflanzen bleiben, darauf gibt es zwar keine allgemeingültige Antwort. Aber: Es muss schon viel passieren, dass einer Pflanze nach der Ernte ihre wichtigsten Nährstoffe abhandenkommen. Wird eine Gemüse-, Obst- oder Kräuterart nach der Ernte kühl und dunkel gelagert, ist sie in der Regel mindestens eine Woche gut haltbar, ohne nennenswerten Nährwertverlust.

Fermentierte Pflanzenprodukte geben darüber hinaus ein faszinierendes Beispiel dafür ab, über was für einen langen Zeitraum die Nährstoffweitergabe von Pflanzen an uns Menschen anhalten kann. So liefert beispielsweise Sauerkraut frisch aus dem Glas auch nach mehreren Wochen all seine Vitamine und andere Nährstoffe.

© Anshu A | unsplash
fermentiertes Gemüse
In fermentiertem Gemüse werden die wichtigen Nährstoffe des Bodens erhalten.

Natürlich: Wie prächtig eine Pflanze gedeiht, das hängt nicht nur von der Bodengesundheit ab. Es geht auch um die klimatischen Bedingungen. Und darum, wie sie in den relevanten Phasen ihres Wachstums gehegt und gepflegt wird. Doch gerade die Bodenbeschaffenheit rückt in Zeiten, in denen uns immer weniger Fläche zur Verfügung steht, verstärkt in den Fokus.

Vor allem in Sachen Gemüseanbau werden die kommenden Jahrzehnte hoffentlich wichtige Antworten liefern, was den Einfluss von Makro- und Mikronährstoffen auf den Geschmack betrifft. Denn dazu gibt es bis heute erstaunlich wenige Forschungsergebnisse. Hebt ein besonders eisenhaltiger Boden bestimmte Aromen in einer Karotte oder im Sellerie besonders stark hervor? Wie wirkt sich der Kalziumgehalt im Boden auf das Geschmacksbild von Kartoffeln oder Roter Bete aus?

Fest steht: Der Boden steckt bis heute noch voller Geheimnisse. Je gesünder wir unsere Böden halten, desto eher werden wir in Zukunft das eine oder andere Geheimnis rund um unsere Böden lüften können.

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