Man kennt es vom Wein. Dort, wo sich die Rebstöcke mit dem Untergrund besonders plagen müssen, entspringen oft die feinsten Tröpfchen. Sebastian Preineder, Juniorchef der Bio-Landwirtschaft Lilienhof in Lanzenkirchen im Bezirk Wiener Neustadt, steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Die schotterreichen, sandigen und kargen Böden des Steinfelds erfordern besondere Aufmerksamkeit und viel Arbeit, um die Früchte derselben ernten zu können.

Die drei Kartoffel- und vier Kürbissorten, die auf den insgesamt 60 Hektar Ackerfläche ebenso gedeihen wie Kleegras, Roggen, Weizen und Bio-Mais, beweisen, dass sich diese Arbeit lohnt – auch weil sie seit 30 Jahren im Einklang mit der Natur biologisch geleistet wird.
„Unsere an sich kargen und nährstoffarmen Böden sind deshalb sehr gut und absolut fit, weil wir natürlich und in einem guten Kreislauf düngen – unter anderem kompostieren wir auch selbst“, erzählt Sebastian Preineder, der die Bio-Landwirtschaft 2024 von seinem Vater Martin übernommen hat. Der hatte schon 1996, drei Jahre vor der Geburt des heutigen Chefs, auf biologischen Landbau umgestellt, und Sebastian sagt: „Auch deshalb war biologische Landwirtschaft bei mir von Anfang an tief verwurzelt, weil ich es nie anders erlebt habe, als natürliche Kreisläufe zu schaffen und möglichst nachhaltig zu arbeiten.“
„Für mich ist Bio eine Grundsatzentscheidung, weil man mit der Natur und ihren Kreisläufen arbeiten soll.“
Direktvermarktung und Hofladen
20 bis 25 Tonnen Erdäpfel der Sorten Agria, Valdivia und Ditta werden in der Bio-Landwirtschaft Lilienhof jährlich aus dem Boden geholt und gelangen via Direktvermarktung an die Kunden: „Das ist kein riesiger Ertrag, aber unser Augenmerk liegt auf der Qualität“, sagt Sebastian, der seit kurzem das Kürbissortiment des Lilienhofs deutlich erweitert hat. Zum Hokkaido kamen die Speisekürbissorten Butternuss, Spaghetti und Moschus dazu.

Großkund:innen werden im Umkreis von etwa 50 Kilometern wöchentlich bis 14-tägig beliefert, alle anderen können sich im Erdäpfel- und Kürbisparadies südlich von Wien ab Hof bedienen. Auch im Selbstbedienungs-Hofladen, der sein Angebot vor vier Jahren erweitert hat. Dort gibt es seither auch Bio-Zwiebeln, Bio-Knoblauch, Bio-Eier, Honig und verschiedene Säfte. „Das stammt von Produzentinnen und Produzenten aus der Region, um unser Sortiment zu erweitern“, erklärt Sebastian und fügt einen wichtigen Punkt hinzu: „Wir kaufen nur unter dem Aspekt zu, dass diese Produkte ebenfalls aus biologischem Landbau stammen und nachhaltig produziert werden.“ Denn diese Grundsatzentscheidung prägt seit 30 Jahren die Arbeit am Lilienhof und gilt auch für alle, die im Hofladen vertreten sein wollen.
„Das Schönste an meiner Arbeit ist die Vielfalt. Ich habe hier keinen einzigen Tag, der gleich ist wie der andere.“
Ein Hof mit spannender Geschichte
Die Felder rund um den historischen Vierkanthof werden seit 1735 als Familienbetrieb bewirtschaftet. Den Hof selbst erwarb Martin Preineder erst 1996 – in dem Jahr, in dem er auf biologische Landwirtschaft umstellte. Der Vierkanter war früher eines der Nebengebäude von Schloss Frohsdorf und gehörte damit ab 1817 Napoleons Schwester Caroline Murat, später wurde der gesamte Komplex an Henri d’Artois vererbt, der als französischer Exilkönig Heinrich V. bekannt ist. Das letzte Oberhaupt der Bourbonen lebte von 1851 bis zu seinem Tod im Jahr 1883 im Schloss Frohsdorf, und in einem Punkt spannten die Preineders nach der Hofübernahme den historischen Bogen bis in die Gegenwart.

Dort, wo einst die Fahr- und Reitpferde des Exilkönigs eingestellt waren, sind heute wieder 24 Pferde untergebracht: „Das passt einfach gut zur Geschichte des Hauses“, erklärt Sebastian. Schritt für Schritt belebte die Familie Preineder den traditionsreichen Hof wieder, und heute steht er als eine Art Gesamtkunstwerk da. Neben den Pferden fand hier ein Feuerwehrmuseum ebenso eine Heimat wie eine Gemeinschaftspraxis, wo unter anderem Physiotherapie, Ergotherapie und Yoga angeboten werden. Es ist viel neues Leben in die alten Mauern eingezogen, und deshalb wird es auch nie langweilig am Lilienhof. Aber der Schwerpunkt ist und bleibt auf den Feldern rund um den Vierkanthof, wo Sebastian mit großer Leidenschaft als Bio-Landwirt die bald 300-jährige Familiengeschichte fortführt.



















