Die sportlichen „Rita bringt‘s“-Lieferant:innen auf grünen Lastenrädern gehören von Margareten bis Neubau zum Wiener Stadtbild. Jede:r kennt sie. Das reicht Gründer Gerald Költringer aber noch nicht. Er möchte, dass der Bio-Lieferservice nicht nur für seine engagierten Radler:innen bekannt ist, sondern vor allem für richtig gutes Essen. „Wir wollen nicht nur gesund und schmackhaft anbieten, sondern das nächste Level erreichen“, sagt Gerald. Dazu sollte gesagt sein: Das Level ist schon heute sehr hoch.

Vom Feld ins Büro
„Rita bringt’s“ liefert seit zwölf Jahren frisch gekochte vegetarische und vegane Mittagsgerichte sowie Fingerfood und Caterings aus 100 Prozent Bio-Zutaten, CO₂-neutral an Büros und Haushalte in Wien. Das Team produziert nur, was bis 16 Uhr des Vortages bestellt wurde. Die Speisen wechseln saisonal und der Großteil der Lebensmittel stammt direkt von Produzentinnen und Produzenten aus der Region. Die meisten Partner:innenschaften, vom Biohof Achleitner bis zur Bio-Bäckerei Öfferl, hat Mitgründerin Rita Huber aufgebaut. Sie zog sich 2026 aus dem Business zurück, bleibt der Sache aber – nicht nur durch den Namen – verbunden. „Prozesse kann man ändern, Werte bleiben“, sind sich Gerald und Rita einig. Als neuer kulinarischer Leiter ist Michael Mayer an Bord. Er hat im Tian Bistro unter Paul Ivić zwei Hauben erkocht; mit vegetarischer Küche kennt er sich also aus und auch die direkte Zusammenarbeit mit den produzierenden Betrieben ist ihm ein Anliegen.
„Ich möchte zeigen, dass Bio und vegetarische Küche weder langweilig noch altmodisch sein müssen. Im Gegenteil: Sie können spannend, vielfältig und überraschend sein. Mein Anspruch ist es, Gerichte zu kreieren, die schmecken und in Erinnerung bleiben“, meint Michael.

„Wüssten die Leute, wo ihr Schnitzel herkommt, hätten sie ein Problem damit.“
„Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie viel Herzblut die Bäuerinnen und Bauern in ihre Arbeit stecken. Unser Privileg ist, die Produkte zu Gerichten zu verfeinern und Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen“, fasst Gerald die Philosophie zusammen. Dazu gehört auch, den landwirtschaftlichen Betrieben regelmäßig „B-Ware“ abzukaufen. Gemeint sind Produkte, die der Handel nicht abnimmt, weil Größe oder Form nicht passen, die sich aber ideal zur Weiterverarbeitung eignen. Diese Praxis hat für die Gastronomie nur Vorteile und sollte sich, laut Gerald, in der Branche mehr etablieren. Genauso wie die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln: „Wüssten die Leute, wo ihr Schnitzel herkommt, hätten sie ein Problem damit“, ist Gerald sicher.
„Gerade beim Mittagessen wird oft improvisiert oder man geht in Kantinen, die nicht ideal sind.“
Alles begann mit einer Mittagspause
Gerald aß lange Zeit täglich am Naschmarkt zu Mittag. Einmal fragte er den Kellner, wo das Hühnerfleisch her sei. Die Antwort: vom Großhandel. Herkunftstransparenz war in der Gastronomie kein Thema. Bio schon gar nicht. Gerald las sich ein, fragte seine Schwägerin Rita, ob sie mit ihm einen Lieferservice gründen möchte, und zwei Monate später wurden bereits die ersten Essen ausgeliefert. Die Bio-Zertifizierung war für beide eine Selbstverständlichkeit: „Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass Bio die nachhaltigste Form ist, um Lebensmittel zu produzieren. Es geht uns um die Gesundheit, die Umwelt und alles, was Bio verbindet“, so Gerald. „Gerade beim Mittagessen wird oft improvisiert oder man geht in Kantinen, die nicht ideal sind“, erklärt er. Diese Lücke wollte er schließen.

Einfach bestellt, fair geliefert
Der nachhaltige Anspruch ging bei „Rita bringt’s“ von Anfang an über die Lebensmittelproduktion hinaus. Auch ein fairer Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist für Gerald Grundvoraussetzung. Die Fahrer:innen sind offiziell angestellt, bekommen alle E-Bikes, können aber auch auf klassische Lastenräder zurück greifen wenn sie sich sportlich fordern wollen und täglich ein kostenloses Mittagessen. „Wir werden ungern mit den prekären Verhältnissen bei den Konzern Lieferdiensten verglichen“, betont Gerald.

Man kann sich also sicher sein: Hier wird nicht nur gutes Essen gebracht, sondern auch Verantwortung übernommen. Und falls euch demnächst eine besonders sportliche Lieferantin mit klassischem Lastenrad begegnet, verzichtet sie nicht aus Spargründen auf elektrische Unterstützung, sondern weil sie gerade „im Training“ ist.



















