Rita bringt’s

Vegetarische Bio-Gerichte, regionale Zutaten und faire Zustellung: Der Wiener Lieferservice denkt die Mittagspause neu.
© Fabian Orner

Transparenz auf Rädern

von Anna Gugerell

Die sportlichen „Rita bringt‘s“-Lieferant:innen auf grünen Lastenrädern gehören von Margareten bis Neubau zum Wiener Stadtbild. Jede:r kennt sie. Das reicht Gründer Gerald Költringer aber noch nicht. Er möchte, dass der Bio-Lieferservice nicht nur für seine engagierten Radler:innen bekannt ist, sondern vor allem für richtig gutes Essen. „Wir wollen nicht nur gesund und schmackhaft anbieten, sondern das nächste Level erreichen“, sagt Gerald. Dazu sollte gesagt sein: Das Level ist schon heute sehr hoch.

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Küchenchef Michael Mayer, Gründerin und Namensgeberin Rita Huber und Gründer und Geschäftsführer Gerald Költringer sind das Kernteam von „Rita bringt’s“.

Vom Feld ins Büro

„Rita bringt’s“ liefert seit zwölf Jahren frisch gekochte vegetarische und vegane Mittagsgerichte sowie Fingerfood und Caterings aus 100 Prozent Bio-Zutaten, CO₂-neutral an Büros und Haushalte in Wien. Das Team produziert nur, was bis 16 Uhr des Vortages bestellt wurde. Die Speisen wechseln saisonal und der Großteil der Lebensmittel stammt direkt von Produzentinnen und Produzenten aus der Region. Die meisten Partner:innenschaften, vom Biohof Achleitner bis zur Bio-Bäckerei Öfferl, hat Mitgründerin Rita Huber aufgebaut. Sie zog sich 2026 aus dem Business zurück, bleibt der Sache aber – nicht nur durch den Namen – verbunden. „Prozesse kann man ändern, Werte bleiben“, sind sich Gerald und Rita einig. Als neuer kulinarischer Leiter ist Michael Mayer an Bord. Er hat im Tian Bistro unter Paul Ivić zwei Hauben erkocht; mit vegetarischer Küche kennt er sich also aus und auch die direkte Zusammenarbeit mit den produzierenden Betrieben ist ihm ein Anliegen.

„Ich möchte zeigen, dass Bio und vegetarische Küche weder langweilig noch altmodisch sein müssen. Im Gegenteil: Sie können spannend, vielfältig und überraschend sein. Mein Anspruch ist es, Gerichte zu kreieren, die schmecken und in Erinnerung bleiben“, meint Michael.

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Wüssten die Leute, wo ihr Schnitzel herkommt, hätten sie ein Problem damit.“
Gerald Költringer

„Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie viel Herzblut die Bäuerinnen und Bauern in ihre Arbeit stecken. Unser Privileg ist, die Produkte zu Gerichten zu verfeinern und Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen“, fasst Gerald die Philosophie zusammen. Dazu gehört auch, den landwirtschaftlichen Betrieben regelmäßig „B-Ware“ abzukaufen. Gemeint sind Produkte, die der Handel nicht abnimmt, weil Größe oder Form nicht passen, die sich aber ideal zur Weiterverarbeitung eignen. Diese Praxis hat für die Gastronomie nur Vorteile und sollte sich, laut Gerald, in der Branche mehr etablieren. Genauso wie die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln: „Wüssten die Leute, wo ihr Schnitzel herkommt, hätten sie ein Problem damit“, ist Gerald sicher.

Gerade beim Mittagessen wird oft improvisiert oder man geht in Kantinen, die nicht ideal sind.“
Gerald Költringer

Alles begann mit einer Mittagspause

Gerald aß lange Zeit täglich am Naschmarkt zu Mittag. Einmal fragte er den Kellner, wo das Hühnerfleisch her sei. Die Antwort: vom Großhandel. Herkunftstransparenz war in der Gastronomie kein Thema. Bio schon gar nicht. Gerald las sich ein, fragte seine Schwägerin Rita, ob sie mit ihm einen Lieferservice gründen möchte, und zwei Monate später wurden bereits die ersten Essen ausgeliefert. Die Bio-Zertifizierung war für beide eine Selbstverständlichkeit: „Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass Bio die nachhaltigste Form ist, um Lebensmittel zu produzieren. Es geht uns um die Gesundheit, die Umwelt und alles, was Bio verbindet“, so Gerald. „Gerade beim Mittagessen wird oft improvisiert oder man geht in Kantinen, die nicht ideal sind“, erklärt er. Diese Lücke wollte er schließen.

Die Orient Box gehört zu den Lieblingsgerichten der Stammkund:innen.

Einfach bestellt, fair geliefert

Der nachhaltige Anspruch ging bei „Rita bringt’s“ von Anfang an über die Lebensmittelproduktion hinaus. Auch ein fairer Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist für Gerald Grundvoraussetzung. Die Fahrer:innen sind offiziell angestellt, bekommen alle E-Bikes, können aber auch auf klassische Lastenräder zurück greifen wenn sie sich sportlich fordern wollen und täglich ein kostenloses Mittagessen. „Wir werden ungern mit den prekären Verhältnissen bei den Konzern Lieferdiensten verglichen“, betont Gerald.

© Fabian Orner
Das Mittagessen wird nicht nur frisch, sondern sogar mit einem Lächeln geliefert.

Man kann sich also sicher sein: Hier wird nicht nur gutes Essen gebracht, sondern auch Verantwortung übernommen. Und falls euch demnächst eine besonders sportliche Lieferantin mit klassischem Lastenrad begegnet, verzichtet sie nicht aus Spargründen auf elektrische Unterstützung, sondern weil sie gerade „im Training“ ist.

Gerald Költringer

Was ist dein Lieblingsessen?
Ich esse gern möglichst variantenreich. Ich freue mich, dass die Gemüseküche in der Spitzengastronomie so eine Bedeutung bekommen hat.
Ein Geschmack deiner Kindheit? 
Der selbstgezogene Apfelstrudel meiner Mutter. Das Ausrollen am Küchentisch war immer ein großes Ereignis.
Was ist das schönste Kompliment, das du für deine Arbeit je bekommen hast? 
Dass wir das Leben von Menschen verbessern. Was will man mehr?
Was machst du zum Abschalten? 
Ich verbringe Zeit mit meiner Familie und meinen drei Kindern. Wir haben einen Garten und ich bin, im kleinsten Maßstab, auch Bio-Bauer.
Rita kocht gesund GmbH

Rita kocht gesund GmbH ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, aus dem Weinbau, der Hotellerie, dem Lebensmittel-Verkauf und der -Verarbeitung, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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