Zarte Garnelen aus dem Kremstal, cremiger Mozzarella vom Semmering und luftiges Joghurt-Holunderblüten-Eis aus der eigenen Produktion. Wer das urige Landgasthaus mit der frischen orangefarbenen Fassade am Peter Johann Platz in Grafenbach-St. Valentin betritt, bekommt Hausmannskost serviert, wie sie die Region bis dato nicht kannte.
Jutta Puchner führt seit Februar 2025 den Hanslwirt in Grafenbach-St. Valentin als Ein-Frau-Betrieb und setzt konsequent auf Zutaten aus der Region – vom Rindfleisch vom Hof ihrer Schwester bis zum Schaffrischkäse vom Althammerhof.

Die Idee dahinter war ein bisschen wie Sauerteigbrot: sie brauchte Zeit, um aufzugehen. Schon als Jutta Puchner Köchin im Bundesdienst war, erkundigten sich die Gäste regelmäßig: Ob sie nicht auch woanders koche? Sie würden doch so gerne auch privat zu ihr essen gehen. Während Jutta diese Frage stets verneinte, begann innerlich eine Idee zu reifen. Vor einigen Jahren gab sie sich den ersten Ruck, kündigte ihren Bundesjob, gründete die Firma „Jutta kocht“ und machte sich mit Catering aus der eigenen Küche selbstständig.
Lange gewartet
Doch schnell war die Nachfrage zu groß, der Platz in den eigenen vier Wänden zu klein. Das Angebot des Hanslwirts in Grafenbach-St. Valentin fiel ihr ein. Er hatte es ihr allerdings bereits drei Jahre zuvor gemacht. Ob es noch aufrecht war? Als sie mit nicht allzu großer Hoffnung anrief, kamen sechs Worte, die sie nie vergessen wird: „Ich warte immer noch auf dich.“
Zwei Stunden später stand sie bei ihm im Lokal, ein paar Monate später unterzeichnete sie den Vertrag. Seit dem 17. Februar 2025 führt Jutta Puchner das urige Landgasthaus als Ein-Frau-Business.


„Mein Ziel ist es, möglichst viel aus einem Produkt herauszuholen. Das war immer schon meine Leidenschaft.“
An massiven Vollholztischen und auf gemütlichen Sesseln serviert sie die Garnelen zu geflämmtem Mozzarella, die Gnocchi mit Schaffrischkäse oder Rindsgulasch von der Wade. Bekannte Gerichte mit aufregend intensivem Geschmack. Jutta Puchner, die in der kurzen Nachmittagspause auf der neu gepolsterten Bank im Jagdstüberl Platz genommen hat, nickt. „Mein Ziel ist es, möglichst viel aus einem Produkt herauszuholen. Das war immer schon meine Leidenschaft.“ Am liebsten macht sie dafür alles von Grund auf selbst: Jede einzelne Portion Beef Tartar wird von ihr fein gehackt, alle Gnocchi selbst geformt, sogar das Toastbrot ist hausgebacken.


„Ich habe schon immer viel Wert daraufgelegt, wo Produkte herkommen“
Regionales Netzwerk
Die Herkunft der Produkte ist dabei klar ausgeschildert. Die Tomaten kommen vom Schevcig in Neunkirchen, der Schaffrischkäse vom Althammerhof in Kreuzberg, das Rindfleisch vom Ax.Ox.Hof in Puchberg am Schneeberg, dem Bauernhof ihrer Schwester. „Ich habe schon immer viel Wert daraufgelegt, wo Produkte herkommen“, sagt Jutta. Und vor allem, ergänzt sie: „Dass sie nicht von weiter herkommen. Durch meine Schwester ist dieser Aspekt noch einmal intensiver geworden.“ Als Rinderbäuerin kennt sie auch Schweinebäuer:innen, Milchbäuer:innen und Winzer:innen. Und so hat sich Jutta bereits in einem Jahr ein dichtes Netzwerk an regionalen Lieferantinnen und Lieferanten aufgebaut.

Ein Aspekt ist dabei besonders in den Vordergrund gerückt: das Bio-Sortiment. Der häufigste Satz, den Jutta von neuen Gästen zu hören bekam: „Wir haben gehört, Sie haben hier ein Schnitzel vom Bio-Fleisch. Das wollten wir unbedingt ausprobieren.“ Jutta lächelt. Das Schönste ist, wenn Gäste diesen Fokus teilen. Und so möchte sie bis Jahresende einen noch größeren Teil ihres Angebots auf Bio umstellen.
Neben dem Vorbereiten, dem Kochen und dem Organisieren tüftelt Jutta noch an einem anderen Projekt. Viermal im Jahr hält sie die „Jutta kocht“- Jahreszeitenevents ab. Ein ausgewählter Kreis von 40 Gästen bekommt dabei sieben aufeinander abgestimmte Gänge serviert – mit passender Weinbegleitung und Zutaten, die zu 100 Prozent aus der heimischen Landwirtschaft stammen. Beim nächsten Event „geht es um Gewürze“, sagt Jutta und ergänzt schnell: „aber im Vordergrund steht auch dabei das Hauptprodukt.“ Denn richtig gute Küche kommt nicht von exotischen Kräutern, verspielten Saucen oder komplizierten Zutaten, sondern von der Qualität der Produkte.


















