Der Enthusiasmus war riesig, als Gregor Neumeyer nach Abschluss seines Studiums der Wirtschaftsinformatik im Jahr 2015 die Landwirtschaft von seinem Vater Franz übernahm und damit begann, an der nördlichen Stadtgrenze von Wien Reis anzubauen. Damals hielten das viele für eine Schnapsidee, und tatsächlich war sie bei einem feuchtfröhlichen Abend in einem Wiener Pub entstanden.

Aber die Umsetzung fand nicht nur mit klarem Kopf statt, sondern auch mit einem klaren Ziel statt. Gregor wollte mit einem speziellen Produkt den eben übernommenen Hof in Richtung Direktvermarktung führen. Also baute er Reis an. Die große Ernüchterung, um nicht zu sagen ein mordsmäßiger Kater, folgte jedoch bei der ersten Ernte: „Es war schnell klar, dass wir nicht mit dem großen Anhänger kommen mussten. Wir mussten mit dem Staubsauger den Mähdrescher aussaugen, und heraus kam gerade einmal ein Küberl Reis“, erinnert sich der ÖsterReis-Pionier und kann heute, elf Jahre später, über diesen Moment schmunzeln. Denn der gelernte Informatiker hatte rasch analysiert, was zu dieser mickrigen Ausbeute geführt hatte. Der italienische Reis, den er im Marchfeld angebaut hatte, war für diese Temperaturen nicht geeignet gewesen. Also fand er mit Hilfe von Forschungseinrichtungen die passenden Sorten, und die Ernte 2016 geriet ein Jahr später zum vollen Erfolg.
„Am Anfang sind wir im Ort mit diesem Projekt im besten Fall ignoriert worden. Mittlerweile redet man schon über ÖsterReis, und das ist durchaus als hohe Anerkennung zu werten.“
Von der Liebhaberei zum Bioreis-Netzwerk
Ein paar Zahlen illustrieren gut, wie rasant sich die „Schnapsidee“ zu einer handfesten Erfolgsgeschichte entwickelte. Im Jahr 2015 ging Gregor Neumeyer mit einem kleinen Küberl Reis von der Ernte nach Hause, zehn Jahre später verkaufte ÖsterReis bereits 100 Tonnen. Zu Beginn betrug die Anbaufläche einen Hektar auf dem Hof von Gregor, heute wird ÖsterReis auf einer Fläche von 100 Hektar angebaut. Möglich wurde das durch ein Netzwerk von inzwischen 20 Bio-Betrieben, die sich der ÖsterReis-Idee angeschlossen haben und ihre Reisernten bei Neumeyer zur Weiterverarbeitung abgeben: „Diese Entwicklung macht mich stolz“, sagt Gregor, „denn es ist nicht nur ein gesundes, regionales Lebensmittel entstanden, sondern auch eine attraktive Anbaualternative für Landwirtinnen und Landwirte.“

Der Trockenanbau von Reis ist zwar aufwendiger, weil das Unkraut händisch entfernt werden muss, und erzielt auch etwa zwei Drittel weniger Ertrag als bei mit Wasser gefluteten Reisfeldern. Aber er hat auch Vorteile, die in Zeiten eines wachsenden Ernährungs- und Klimabewusstseins schwer wiegen. Es kommt zu keiner Wasserverschwendung, es entsteht kein Methangas durch Bodenfäulnis, und der Reis nimmt beim Trockenanbau kein Arsen aus der Erdkruste auf. All das hat dazu geführt, dass mittlerweile sogar Landwirtinnen und Landwirte aus Asien nach Gerasdorf kommen, um sich mit eigenen Augen anzusehen, wie die Sache mit dem Trockenanbau funktioniert und dabei wirtschaftlich erfolgreich sein kann.


ÖsterReis ist durch seine frische Verarbeitung also nicht nur geschmacklich etwas Besonderes, er ist auch klimafreundlich und gesund: „Wir sind der einzige ausgelobte arsenfreie Reis weltweit. Das ist schon ein besonderes Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Gregor Neumeyer. Dieser Punkt ist vor allem beim Thema Babynahrung aus Reis relevant, und es ist deshalb nur logisch, dass ÖsterReis nach der Verwendung in Reiswaffeln, Bier und Knäckebrot seine Fühler auch in diese Richtung ausgestreckt hat.
„Die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung war so, wie einen Beruf ganz neu kennenzulernen. Ich habe seither viel mehr Spaß an der Landwirtschaft, und Bio sollte eigentlich längst der Standard sein.“
Eine Nische, die immer breiter aufgestellt ist
Bio-Reis aus Österreich, darüber war sich Gregor Neumeyer von Beginn an im Klaren, ist und bleibt ein Nischenprodukt. Aber eines, das sich in diesem bemerkenswerten Familienbetrieb mit seinem Netzwerk aus Bio-Landwirtinnen und -Landwirten immer breiter aufgestellt hat. Die Direktvermarktung ist immer noch das Um und Auf bei ÖsterReis, aber längst sind auch Handel und Gastronomie dazugekommen: „Unser erster Handelspartner war gleich der Meinl am Graben. Das war für uns wie ein Ritterschlag“, erinnert sich Gregor.

Auch vom einfachen Wirtshaus bis in die Sternegastronomie findet man inzwischen den Bio-Reis aus Gerasdorf, auch wenn sich Neumeyer bis heute um dieses Segment nie aktiv bemüht hat. Aber manchmal genügt es eben, wenn das Produkt für sich spricht und dabei einen bleibenden Eindruck hinterlässt.


















