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Weingut Loimer

Warum Fred Loimer alles anders machen wollte als der Vater und wie ihm der biodynamische Weinbau dabei zu neuen Perspektiven verhalf.
Andreas Hofer
© Andreas Hofer

Der große Sprung

von Sebastian Hofer

Fred Loimer, Winzer in Langenlois im Kamptal, ist eindeutig das, was man einen Suchenden nennt. Allerdings – und das ist ganz entscheidend! – einer, der auch findet. Das Weingut seiner Eltern hat er im Jahr 1998 offiziell übernommen, in Wirklichkeit war er damals aber schon längst hochaktiv, hat als Jungwinzer bereits Anfang der 1990er-Jahre Grünen Veltliner in Barriques reifen lassen, im Kamptal mit Chardonnay-Weingärten experimentiert und sich im damals gerade frisch gegründeten Verein „Österreichische Traditionsweingüter“ engagiert.

„Ein Motiv war sicher auch: Alles anders machen als der Vater!“
Fred Loimer
© Andreas Hofer
Sektpulte im Weinkeller

Der große Sprung

„Ein Motiv war sicher auch: Alles anders machen als der Vater!“, gibt Loimer heute, kurz vor dem eigenen 60er, ehrlich zu. Im Jahr 2006 kam dann aber der entscheidende Schritt, der große Sprung: die konsequente Umstellung auf biodynamische Landwirtschaft. Und das kam so: „Ich bin mit einem Freund im Keller gesessen, wir haben meine Weine gekostet, die waren hervorragend und ganz auf der Höhe der Zeit – und trotzdem hat mir etwas gefehlt. Der Gedanke war ganz klar: Das kann nicht alles gewesen sein. Aber was soll ich, wohin will ich? Dieser Freund hat mir damals nur ein Wort mitgegeben: Biodynamie. Das war es dann.“

„Der Gedanke war ganz klar: Das kann nicht alles gewesen sein. Aber was soll ich, wohin will ich?“
Fred Loimer

Weine, wie er sie immer machen wollte

So ganz war es das dann natürlich noch nicht. Die Umstellung eines Weinguts auf biologisch-dynamischen Anbau ist keine Kleinigkeit, und die Umstellung eines Weinguts von der Größe des Loimer’schen schon gar nicht. Aber sie ist gelungen – und Fred Loimer, der Suchende, ist angekommen. Er hat seine Mitte gefunden, seinen Betrieb in die Balance gebracht, und er macht seither Weine, wie er sie eigentlich immer machen wollte: Weine, die von ihrer Herkunft erzählen, weil sie nicht nach Schema F produziert wurden, sondern weil sie authentisch sind und so wachsen und heranreifen durften, wie es die Weingärten am Loiserberg eben wollen oder jene am Zöbinger Heiligenstein oder die in Gumpoldskirchen, wo Loimer seit 2004 die Rieden des ehemaligen Weinguts Schellmann gepachtet hat.

So individuell wie Loimers Hof

In der Biodynamie ist oft von der „Hofindividualität“ die Rede: Ein Weingut funktioniert in diesem Sinn wie ein in sich geschlossener Organismus, in dem alle Elemente, die es zur Weinwerdung braucht, koexistieren – die Tiere, die den Dünger bereitstellen, die Pflanzen, die darauf wachsen und die Naturpräparate, die sie vor Schädlingen und Krankheiten schützen. Und natürlich die Menschen, die mit ihrem Tun alle natürlichen Prozesse kultivieren und so aus der Natur heraus das Kulturgut Wein entstehen lassen.

© Andreas Hofer
Schafe im Weingarten
Nicht nur Trauben finden in den Weingärten von Loimer Platz

So zu arbeiten war damals, als Fred Loimer seinen großen Schritt machte, noch alles andere als selbstverständlich. Heute ist es fast normal geworden, und manchmal hat Loimer den Eindruck, dass einige in der Naturweinszene es bei der Suche nach dem nächsten Kick auch einmal übertreiben, „und dann verschwindet erst recht wieder das, worum es eigentlich immer gehen soll: die Herkunft.“

Emotionale Bindung

Die Balance, in der das Weingut Loimer heute steht, lässt sich erschmecken. Sei es in Fred Loimers Lagen-Rieslingen aus dem Kamptal oder seinen Weinen „mit Achtung!“ – wie er seine weniger klassisch ausgebauten, mehr in Richtung natural gehenden Editionen betitelt. Diese Entwicklung hat aber auch den Menschen Fred Loimer betroffen: „In der Biodynamie steht der Mensch im Zentrum. Da merkst du sehr schnell, dass du emotional viel stärker verbunden bist mit dem, was du tust.“

„In der Biodynamie steht der Mensch im Zentrum.“
Fred Loimer

Umso erstaunter war er, als damals, in den Jahren der Umstellung, seine eigene Begeisterung nicht sofort auf alle anderen um ihn herum – Händler:innen, KundLinnen, Kolleg:innen – übersprang. Aber wie gesagt: Es war nicht üblich, was er da tat, und seine Weine waren tatsächlich ganz plötzlich sehr anders. Es war eben – ein großer Sprung. Aber Fred Loimer ist gut gelandet. Und die Begeisterung hat sich längst auch bei allen anderen durchgesetzt – natürlich.

Fred Loimer

Fred Loimer

Welchen Beruf hättest du ergriffen, wenn du nicht Winzer geworden wärst?
Diese Frage hat sich mir nie gestellt, ich bin in diesen Beruf hineingeboren. Wäre ich nicht Winzer, wäre ich sicher auf eine andere Art in der Landwirtschaft tätig.
Ein Geschmack deiner Kindheit?
Schokopalatschinken.
Drei Dinge, die du immer in deinem Kühlschank hast?
Butter, Sekt und Jahrgangssardinen.
Der wichtigste Rat, den du in puncto Wein je bekommen hast?
Der stammt von einem alten Kellermeister bei Kattus: Der hat mir gesagt, der wichtigste Rat ist der Vorrat. Und das stimmt. Wenn du genug Wein im Keller hast, ist das die beste Versicherung. Dann bringt dich eine verhagelte Ernte auch nicht um.
Ein Lieblingswein, den du selber gemacht hast?
Pinot Noir Anning, Gumpoldskirchen.
Weingut Loimer GmbH

Weingut Loimer GmbH ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie und Landwirtschaft, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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