Dass Longevity viel mehr bedeutet, als die eigene Lebenszeit zu verlängern oder sich selbst zu optimieren, war am vergangenen Wochenende am Pöllauberg in der Steiermark Thema. Das RETTER Bio-Natur-Resort hatte erstmals zum Longevity Weekend geladen und präsentierte dort ein inhaltlich spannendes Programm mit einer Vielzahl namhafter Speaker:innen aus unterschiedlichen fachlichen Disziplinen. Allesamt brachten ihren wissenschaftlichen bzw. praxisorientierten Zugang zu einem gesunden, achtsamen Lebensstil ein – einem Lebensstil, der nicht nur mehr, sondern vor allem auch wertvolle zusätzliche Lebensjahre ermöglichen soll.

Dieser Artikel fasst zentrale Erkenntnisse des Longevity Weekends im RETTER Bio-Natur-Resort zusammen. Expert:innen aus Medizin, Psychologie und Gesundheitsforschung zeigen, warum gesundes Altern nichts mit Selbstoptimierung, sondern mit Haltung, Alltagstauglichkeit und mentaler Gesundheit zu tun hat.

Selbstoptimierung, Langlebigkeit, Gesundheit – all das kann rasch zur umfassenden Lebensaufgabe werden. Sieht man sich an, wie viele Komponenten zusammenspielen, stellt sich unweigerlich die Frage, wie sich das alles in einen normalen Alltag integrieren lässt. Antworten darauf gaben jene Expert:innen, die an diesem Wochenende im RETTER Bio-Natur-Resort zusammenkamen, um ihr Wissen mit den Teilnehmer:innen zu teilen. Der thematische Bogen reichte von Genetik über gesunde Ernährung und mentale Gesundheit bis hin zu Techniken und Empfehlungen für nachhaltige Verhaltensänderung. Mit zu viel Druck funktioniere es jedenfalls nicht, hielt der Mediziner Wolf-Dieter Nagl gleich eingangs fest: Auch Stress wirke sich negativ auf die Zellalterung aus.
Longevity Weekend im RETTER Bio-Natur-Resort: Bildergalerie


























Longevity wird häufig mit Selbstoptimierung verwechselt – mit dem Anspruch, immer disziplinierter, leistungsfähiger oder „besser“ zu werden. Genau davon distanzierten sich viele der Expert:innen an diesem Wochenende. Gesundes Altern, so der gemeinsame Nenner, entsteht nicht durch Perfektion oder Druck, sondern durch Haltung und Alltagstauglichkeit.
Ganzheitliche Sicht auf die mentale und körperliche Gesundheit
Longevity rein auf den physischen Zustand zu beziehen, greift zu kurz, darin waren sich die Expert:innen einig. Welche Chancen wir haben, möglichst alt zu werden und dabei gesund zu bleiben, hängt zwar auch mit unseren Genen zusammen. Zu wissen, wie diese Grundausstattung aussieht, um gegebenenfalls gezielt Maßnahmen setzen zu können, hält der Mediziner und Gen-Spezialist Stefan Wöhrer für sinnvoll. Dabei gehe es nicht darum, sich zu perfektionieren, sondern den eigenen gesundheitlichen Zustand besser zu verstehen.




Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit, aber auch Entspannung und ausreichend Schlaf greifen ineinander. Bewusstseinstrainer Karl Edy plädierte etwa für den gesunden Mittagsschlaf oder kleine Entspannungsübungen, die sich leicht in den Tagesablauf integrieren lassen. Entscheidend sei, die Empfehlungen realistisch in den eigenen Alltag einzubauen. Nicht als Pflichtprogramm, sondern als Unterstützung. Selbst unter extremen Bedingungen, so das oft zitierte Beispiel Barack Obama, seien Routinen möglich – wenn sie realistisch gedacht werden.
Vom egozentrierten zum umfeldorientierten Denken
Während vielerorts von Selbstoptimierung gesprochen wird, stellte sich der Psychologe Michael Lehofer klar gegen diesen Ansatz: Sich selbst optimieren zu wollen, bedeute, mit sich selbst nicht zufrieden zu sein – ein Zugang, der langfristig eher schade als nütze.
Auch die renommierte Mikrobiomforscherin Gabriele Berg kann dem Drang nach Perfektion wenig abgewinnen. Aus ihrer Perspektive greift der Blick auf das Individuum zu kurz. Ihre Forschung zeigt, dass unsere Gesundheit eng mit unserem Umfeld verbunden ist – mit anderen Menschen, mit Tieren, mit der Natur. Wer seinem Mikrobiom etwas Gutes tun wolle, solle nicht nur auf vielfältige, frische und möglichst lokale Ernährung achten, sondern auch Natur in den Alltag holen: Pflanzen im Wohnraum, soziale Kontakte, Spaziergänge oder das bewusste Berühren eines Mooses am Waldrand.



Nachhaltige Verhaltensänderung beginnt im Kopf
Dass man nicht alles, was man weiß oder was technisch möglich wäre, sofort umsetzt, liegt laut Hirnforscher Damir del Monte daran, dass uns Verhaltensänderungen grundsätzlich schwerfallen. Wissen allein reiche nicht aus, Wissen und Wollen müssten zusammenkommen. Einigkeit herrschte darüber, dass unsere mentale Einstellung eine zentrale Rolle spielt – für Wohlbefinden ebenso wie für nachhaltige Veränderung.



Wie man vom Müssen ins Mögen kommt und sich dabei realistische Ziele setzt, erklärte Autorin Nathalie Karré. Und dass Grenzen oft im Kopf entstehen, bestätigten auch die Extremsportler Christian Redl und Josef Köberl.
Wir brauchen keine Angst. Es reicht, Situationen mit Respekt zu begegnen.“








Die wichtigsten Einflussfaktoren für ein gesundes Altern
Was beeinflusst nun, ob wir mit 60 plus gesund durchs Leben gehen? Neben der mentalen Einstellung sind es:
- Ernährung
- Bewegung
- soziales Umfeld
- Schlaf und Regeneration
- medizinische Vorsorge
Checks und Tests können helfen, den eigenen Gesundheitszustand frühzeitig einzuschätzen und Maßnahmen abzuleiten. Doch auch hier gilt: Vieles ist individuell – vom richtigen Sportausmaß bis zur passenden Ernährung. Stefan Wöhrer brachte es abschließend auf den Punkt: „Es geht darum, die eigenen Grenzen und Fähigkeiten zu verstehen.“
Oder, wie Gastgeberin Ulli Retter es formulierte:
„Longevity ist kein Luxus, sondern eine Haltung – geprägt von Achtsamkeit, Naturverbundenheit, gesunder Ernährung und dem Wissen um das eigene Wohlbefinden.“

















