Es gibt eine Auszeichnung des Guide Michelin, über die weniger geredet wird als über die Sterne – und die uns bei Gaumen Hoch manchmal mehr sagt. Der Bib Gourmand. Nicht weil er einfacher zu bekommen wäre. Sondern weil er eine Frage stellt, die uns täglich beschäftigt: Was darf gutes Essen kosten? Und: Wie zugänglich ist nachhaltige, handwerkliche Küche wirklich?
Was ist der Bib Gourmand?
Der Bib Gourmand wurde 1997 vom Guide Michelin eingeführt. Die Auszeichnung kennzeichnet Restaurants, die hohe Küchenqualität mit moderaten Preisen verbinden. Im Unterschied zum roten Stern geht es weniger um kulinarische Avantgarde als um eine Balance aus Handwerk, Produktqualität und Alltagstauglichkeit.
Der Name leitet sich von Bibendum ab – dem Michelin-Maskottchen, das in der Darstellung des Bib Gourmand zufrieden und genussvoll wirkt. Ein Zeichen, das sagt: Hier isst man gut. Und muss dafür nicht tief in die Tasche greifen.
Typische Kriterien:
- Frische Produkte und sorgfältige Zubereitung
- Klare Küchenhandschrift
- Konstante Qualität
- Ein Menüpreis deutlich unter Fine-Dining-Niveau
Warum uns der Bib Gourmand wichtig ist
Spitzengastronomie und Nachhaltigkeit – das klingt für viele nach einer teuren Kombination. Und ja, es gibt Restaurants, in denen beides auf höchstem Niveau zusammenkommt und einen entsprechenden Preis hat. Aber die Wahrheit ist: Viele der nachhaltigsten, regionalsten, handwerklichsten Betriebe Österreichs sind keine Fine-Dining-Tempel. Sie sind Gasthäuser, Wirtshäuser, Bistros.
Genau diese Betriebe findet man oft unter den Bib-Gourmand-Auszeichnungen. Restaurants, die zeigen, dass gute Küche kein Luxus sein muss. Dass regionale Produkte, kurze Lieferketten und ehrliches Handwerk auch dann möglich sind, wenn der Gast nicht 150 Euro pro Kopf ausgibt.
Das ist die Botschaft, die uns beim Bib Gourmand interessiert. Nicht der Preis – sondern was er über die Haltung eines Betriebs verrät.
Bib Gourmand in Österreich
In Österreich wurden Bib-Gourmand-Auszeichnungen bis 2024 nur in Wien und Salzburg vergeben, im Rahmen des länderübergreifenden Guide „Main Cities of Europe“. Seit Jänner 2025 gibt es wieder eine vollständige nationale Selektion – und mit ihr erstmals Bib-Gourmand-Auszeichnungen für das gesamte Land.
Auffällig ist die geografische Verteilung: Viele ausgezeichnete Restaurants liegen außerhalb der großen Städte und verbinden klassische Wirtshausküche mit zeitgemäßer Produktküche. Die Auszeichnung trifft damit eine Kategorie, die in der österreichischen Gastronomie traditionell stark verankert ist – das gute, ehrliche Wirtshaus, das seinen Gästen etwas zutraut.
Bib Gourmand und die neue Michelin-Dramaturgie
Seit 2026 veröffentlicht der Guide Michelin die Bib-Gourmand-Liste vor der Sternvergabe – eine bewusste Entscheidung. Nicht Luxus und Exklusivität eröffnen das Guide-Jahr, sondern Restaurants, die zeigen, wie gute Küche im Alltag funktionieren kann. Das ist eine Verschiebung, die wir begrüßen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Gastronomie haben sich verändert: steigende Energiepreise, höhere Personalkosten, ein Publikum das Restaurantbesuche stärker abwägt. Restaurants, die präzise Küche zu moderaten Preisen anbieten, sind oft wirtschaftlich stabiler – und für mehr Menschen zugänglich.
Die Bib-Gourmand-Auszeichnungen in Österreich – Jahresübersichten
→ Bib Gourmand Österreich 2026 – alle 61 Betriebe und 26 Neuzugänge
Historischer Überblick:
- 2023: 9 Bib Gourmand in Wien und Salzburg
- 2025: 43 Bib Gourmand, erstmals national für ganz Österreich
- 2026: 61 Bib Gourmand, 26 Neuzugänge
→ Guide Michelin Österreich – das große Themenspecial
















