Aurum Fungi

Gernot Reisenthaler züchtet 200 kg Bio-Shiitake pro Woche in Zöfing – klimaunabhängig, regional und biologisch. Zu Besuch bei Aurum Fungi im Mostviertel.
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Der Shiitake-Botschafter aus dem Tullnerfeld

von Martha Miklin

200 Kilogramm Bio-Shiitake pro Woche aus Zöfing im Tullnerfeld, unabhängig von Jahreszeit und Wetter: Was nach Zukunftsmusik klingt, ist im niederösterreichischen Zöfing bereits Realität. Gernot Reisenthaler züchtet mit seinem Unternehmen Aurum Fungi Edelpilze in speziell entwickelten High-Tech-Containern – regional, biologisch und klimastabil.

Klimaunabhängige Landwirtschaft – geht das? 

Hitze, Starkregen, Frost: Für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe sind Extremwetterereignisse ein ernstes Problem. Für Gernot Reisenthaler nicht – zumindest nicht für seinen Pilzbetrieb.

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Seit einem Jahr züchtet der Landwirt offiziell Shiitake-Pilze in speziellen Containern. Die Idee ist schon älter: „Ich bin schon lange mit Martin Schreiblehner, dem Inhaber der Firma Kustec hier im Ort, befreundet – die sind Weltmarktführer in der Wasserstoffbetankung. Vor einigen Jahren hat er mir erzählt, dass er einen Container zur Pilzzucht entwickeln will. Und zur selben Zeit bin ich über einen Artikel über das Thema gestolpert“, sagt er. Einer dieser Zufälle, bei denen eins zum anderen geführt hat. Gernot und Martin waren beide angetan von der Vorstellung, das beliebte und nährstoffreiche Lebensmittel, das übrigens neben Pflanzen und Tieren eine dritte Kategorie bildet, anzubauen. Pilze sind keine Pflanzen und somit kein Gemüse. Sie zählen zu den artenreichsten Organismengruppen der Erde. Bei ihrer Erforschung steht man noch ganz am Anfang: Es gibt viel zu entdecken.

Auch in der Zucht wird nicht wenig experimentiert. Die Container von Gernot, in denen heute alle zehn Tage Edelpilze aus dem Bio-Substrat sprießen (derzeit sind es 200 kg pro Woche) sind das Ergebnis langer Tüfteleien. „In der Testphase dachte ich genauso oft ‚Das ist es!‘ wie ‚Das mach ich sicher nicht’“, sagt Reisenthaler. Dann traf er seinen jetzigen Geschäftspartner Michael Doppler, der schon seit vielen Jahren Edelpilze züchtet. Und sie gründeten Aurum Fungi. 

„Das funktioniert alles hervorragend. Auf Sauberkeit und Hygiene muss man dennoch besonders achten.“
Gernot Reisenthaler, Aurum Fungi

„Goldpilze“ aus dem High-Tech-Container

Die von der Firma Kustec entwickelten Container sind inzwischen fast so etwas wie Arbeitskräfte. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂-Gehalt lassen sich einstellen, sodass ein Klima entsteht, das optimal für die Pilzzucht ist. Den Strom für die Container beziehen sie von der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Reitstall, er kommt quasi direkt von der Sonne über den Pferden.

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Für Michael Doppler und Gernot Reisenthaler ist bei der Pilzzucht in ihren Containern Hygiene das oberste Gebot.

„Das funktioniert alles hervorragend“, sagt Gernot, „auf Sauberkeit und Hygiene muss man dennoch besonders achten.“ Besonders bei Edelpilzen, da kann ein kleiner Keim schon die gesamte Ernte gefährden. Wer dann auch noch Erfahrung und ein feines Gespür für die Bedürfnisse der einzelnen Pilzarten mitbringt, spielt in einer Liga wie Gernot und Michael. 

Im Vitalpilz-Fieber

Produziert werden hauptsächlich fleischige Shiitake-Pilze. Einen Teil der Ernte macht auch der weiße, geschmacklich an Hühnerfleisch erinnernde Igelstachelbart aus. Beides sind Vitalpilze mit einer ungewöhnlich hohen Dichte an bioaktiven Stoffen, die nachweislich Einfluss auf das Immunsystem, das Nervensystem und den Stoffwechsel haben. Vor allem dem Igelstachelbart, auch Löwenmähne genannt, werden positive Wirkungen auf das Gehirn nachgesagt – von verbesserter Konzentration bis zu leicht stimmungsaufhellender Wirkung.  

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Dank der Container können sie ihre Pilze unabhängig von klimatischen Veränderungen produzieren.
„Es ist mein Wunsch, den Shiitake-Pilz bekannt zu machen. Ich will, dass er in aller Munde ist, dass ihn alle kennen.“
Gernot Reisenthaler, Aurum Fungi

Gernot und Michael verkaufen ab Hof und beliefern die Gastronomie in der Umgebung. So zum Beispiel den für seine kreative und gehobene Wirtshausküche bekannten Floh in Langenlebarn, aber auch Krankenhäuser und Pflegeheime. Und die drei Gasthäuser im Ort (Zöfing) selbst, die Gernot von seinen Pilzen überzeugen konnte: „Es ist mein Wunsch, den Shiitake-Pilz bekannt zu machen. Ich will, dass er in aller Munde ist, dass ihn alle kennen.“ Dafür ist er auch bereit, das Wissen weiterzugeben. „Wir punkten mit Regionalität. Wenn jemand im Wald- oder Weinviertel oder in Wien Pilze züchten will, dann bin ich gerne bereit, mein Knowhow zu teilen. Ich sehe da keine Konkurrenz.“ 

Im September 2025 hat er mit Michael zum ersten Mal ein Pilzfestival* veranstaltet, „mit DJ und Verköstigung, da können die Leute kommen und schauen, wie wir die Pilze produzieren.“ Reisenthaler ist überzeugt vom Potenzial der Edelpilze und begeistert von den unzähligen Möglichkeiten der Zubereitung und Veredelung. Der einzige Nachteil: „Dass man keine einfachen Champignons mehr essen will, wenn man sich mal an Shiitake gewöhnt hat.“ 

Gernot Reisenthaler, Aurum Fungi

Gernot Reisenthaler

So einfach und so gut, welches Gericht ist das für dich?
Pilz mit Speck und Ei.
Ein Gericht deiner Kindheit?
Eierschwammerlsauce.
Der erste Job deines Lebens?
Als Kind hab ich bemalte Steine verkauft.
Deine Lieblingsspeise?
Gyros aus Shiitake-Pilzen.
Wofür bist du dankbar?
Für die Natur – und dafür, in und mit der Natur arbeiten zu dürfen.

* Das nächste Pilzfestival von Aurum Fungi findet am Samstag, den 12. September 2026 in Zöfing statt.

Aurum Fungi, Edelpilze aus dem Tullnerfeld

Aurum Fungi, Edelpilze aus dem Tullnerfeld ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, aus dem Weinbau, der Hotellerie, dem Lebensmittel-Verkauf und der -Verarbeitung, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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