Biohof Krammer-Pinter

Am Biohof Krammer-Pinter im Mühlviertel bauen Monika und Kurt Pinter biozertifiziert alte Getreidesorten an und machen daraus liebevoll hergestellte Müslis.
Biohof Krammer-Pinter
© Butter & Salt Photography

Von der Milchkuh zum Müsli

von Lucas Palm

Früher war es ganz normal, im Mühlviertel Milchkühe zu halten und davon gut zu leben. „Auch für meine Eltern sicherte die Milchproduktion das tägliche Einkommen“, erzählt Monika Pinter, Biobäuerin am Biohof Krammer-Pinter im oberösterreichischen Mühlviertel.  

Der Krammerladen in Lasberg im Mühlviertel ist ein Bio-Hofladen von Monika und Kurt Pinter, die seit 2011 biozertifiziert alte Getreidesorten wie die Urdinkel-Sorte „Ebners Rotkorn“ anbauen und über 2.000 Bio-Produkte direkt vermarkten.

© Monika Pinter
Biohof Krammer-Pinter

Doch mit den vergleichsweise kleinen Feldern und Wiesen, mit vielen Rainen und Feuchtwiesen lässt sich im Mühlviertel nicht zu Weltmarktpreisen produzieren, das war Monika Pinter und ihrem Mann Kurt schnell klar. Denn das ist es, woran sich der Preis für den Liter Milch orientiert, auch im kleinen Österreich.. „Da haben wir beschlossen, dass wir einen anderen Weg einschlagen wollen – und auf Acker- und Sonderkulturen setzen, die wir selbst direkt an die Kundinnen und Kunden verkaufen wollten. Die Milchkühe mussten weichen, stattdessen wurden alte Getreidesorten, Süßlupinen und vieles mehr angebaut und am Hof selbst weiterverarbeitet..“ Heute führen die beiden im Krammerladen, dem Hofladen am Biohof in Lasberg im Mühlviertel eine bunte Mischung an eigenen Produkten und vielem mehr.  Über 2.000 Bio-Produkte sind im Krammerladen mittlerweile zu finden. „Und natürlich ist unser mit Liebe handgemachtes Müsli der Star“, sagt Monika zufrieden. Zurecht, wie wir bald erfahren werden.

 Dinkel und Süßlupine statt Kühe

Monika wuchs auf dem elterlichen Hof auf. Dass ein Dinkel-Müsli eines Tages das wichtigste Produkt ihres Hofes werden würde, damit hätte sie als Jugendliche nicht gerechnet. Die Lasberger Bauerntochter zog nach der Matura aus und studierte an der Universität für Bodenkultur in Wien Landschaftsplanung, mit Fokus auf Naturschutz und Raumplanung.

„Wir wollten regenerative Landwirtschaft betreiben, am liebsten Bio, und am liebsten mit alten Getreidesorten und Spezialkulturen.“
Monika Pinter
© David Krammer
Biohof Krammer-Pinter
„Lebensmittel sind der Energielieferant für unseren Körper, das Wertvollste, was wir haben“, sagt Monika Winter. Mit ihren Müslis ist der richtige Start in den Tag schonmal gesichert.

Dort lernte sie ihren heutigen Mann Kurt kennen. Als Jahre später die Hofübergabe ihrer Eltern im Raum stand, war Kurt es, der  das Potenzial des Hofes erkannte: „Stell dir vor, was man hier alles machen könnte!‘“, erinnert sich Monika. Also begann das Paar, den Betrieb schrittweise umzustellen: „Wir wollten regenerative Landwirtschaft betreiben, am liebsten Bio, und am liebsten mit alten Getreidesorten und Spezialkulturen“, sagt Monika. Was anfangs mit viel Ausprobieren verbunden war, ist heute Realität: Auf rund 13 Hektar wachsen, seit 2011 biozertifiziert, rund elf verschiedene Kulturen, neben der Süßlupine oder Kümmel etwa auch die Urdinkel-Sorte „Ebners Rotkorn“.

© Kristin Adlberger
Biohof Krammer-Pinter
Seit 2011 ist der Hof biozertifiziert – die angebauten Getreidesorten kommen mit weniger Dünger und Pflanzenschutzmitteln aus.

„Alte Getreidesorten machen für unsere Landwirtschaft Sinn. Sie sind angepasster an den Standort und damit widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten, Klimaveränderungen und extremen Wetterbedingungen“, erklärt Monika. „Sie kommen auch mit weniger Dünger und natürlich ohne Pflanzenschutzmitteln aus. Außerdem haben sie einen intensiveren, charaktervolleren Geschmack mit mehr Tiefe und individueller Note als die hochgezüchteten Sorten.“ Kein Wunder also, dass der „Ebners Rotkorn“-Dinkel das Leben der Krammer-Pinters am meisten durcheinanderwirbeln sollte. 

Der wahre Wert von Lebensmitteln 

 „Was uns dabei so erschüttert hat: Wenn du als Landwirtin oder Landwirt nicht in die Direktvermarktung gehst, hast du fast keine Möglichkeit, deine Preise selbst festzulegen. Du bist damit komplett davon abhängig, was dir jemand Externes bezahlen möchte, der deine echten Produktionskosten gar nicht kennt. Das ist verrückt!“ Monika betont, wie wichtig es ist, dass Konsumentinnen und Konsumenten wieder ihre Macht erkennen: denn mit jedem Euro, der ausgegeben wird, wird auch ein Produktionsauftrag gegeben.

„Lebensmittel sind der Energielieferant für unseren Körper, das Wertvollste, was wir haben. Das sollte uns auch monetär etwas wert sein.“

Kaufe ich billige Ware aus dem Ausland, verlagert sich auch die Produktion dorthin. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir heimische Ware kaufen. Diese ist zwar manchmal teurer, weil die Kosten bei  uns teurer sind. Dafür erhalten unsere Bäuerinnen und Bauern unsere Kulturlandschaft, die Ware hat durch kürzeren Transport eine besser Klimabilanz und wir erhalten Arbeitsplätze. Das alles haben wir in der Hand. Bei jedem Einkauf!“ Auch die Wertigkeit der Lebensmittel sieht Monika als Problem: „Heute ist es so, dass jeder ein Auto um 50.000 Euro fahren will, aber Lebensmittel nichts kosten dürfen“, ärgert sie sich.

© Gutenthaler Photography
Biohof Krammer-Pinter
„Wenn du als Landwirtin oder Landwirt nicht in die Direktvermarktung gehst, hast du fast keine Möglichkeit, deine Preise selbst festzulegen“, sagt Monika Pinter, die direkt am Hof einen eigenen Laden betreibt.

„Dabei sind Lebensmittel der Energielieferant für unseren Körper, das Wertvollste, was wir haben. Das sollte uns auch monetär etwas wert sein.“ Deswegen ist Monika gesunde Ernährung ein besonderes Anliegen, Da sie sich schon immer selbst ein gesundes Müsli ohne Palmöl, Zucker und Plastikverpackung wünschte und es dieses am Markt nicht gab, nahm Monika die Sache selbst in die Hand und begann, ihr eigenes Müsli zu mischen. Als Freunde und , Arbeitskolleg:innen das Müsli probierten, wollte auch sie mehr davon. 

Müsliliebe im Glas

Heute, sieben Jahre nach der ersten Müslimischung, stellen Monika und Kurt mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Familie und zweier Mitarbeiter auf ihrem Biohof rund dreieinhalb Tonnen Dinkelmüsli pro Jahr her. Verkauft wird im eigenen Hofladen, dem Krammerladen, und mittlerweile in zahlreichen Partnershops. Mittlerweile umfasst das Portfolio rund 20 saisonal wechselnde Sorten, mit Zutaten wie den eigenen Süßlupinen, Hanf, Himbeere  oderKirschen und zu Weihnachten als Nussknacker, Zwetschkenkrampus oder Nikolausmüsli.

© Fodomedia
Biohof Krammer-Pinter
Alles per Hand: Von der Produktion bis zur Abfüllung – und auch die Etiketten zeichnet Monika Pinter selbst.

Die Müslis werden direkt am Hof in liebevoller Handarbeit produziert, händisch ins Glas abgefüllt und etikettiert. Selbst die Etiketten werden von Monika selbst gezeichnet und designt. „Auch der Hofladen, der Krammerladen ist zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt am Hof geworden für Menschen aus Fern und Nah, die sich bewusst ernähren wollen und Wert auf das Besondere und Gute legen. In Zukunft soll der Biohof Krammer-Pinter noch mehr ein  Ort des gemeinschaftlichen Ausprobierens werden“, sagt Monika. Was sie damit meint, davon könnte man in absehbarer Zukunft noch so einiges hören: „Es docken immer wieder interessante, engagierte Leute bei uns an, die landwirtschaftlich etwas Neues ausprobieren wollen, ob mit Gemüse oder Jungpflanzen.

Wir sagen ganz klar: Hier am Hof haben wir so viel Platz, um an den landwirtschaftlichen Lösungen von morgen zu arbeiten. Wir wollen diesen Ort sinnvoll nutzen, indem wir mit Gleichgesinnten Synergien schaffen um auch in Zukunft einen lebendigen Bauernhof zu gestalten!“

Biohof Krammer-Pinter

Biohof Krammer-Pinter ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, aus dem Weinbau, der Hotellerie, dem Lebensmittel-Verkauf und der -Verarbeitung, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

Neu bei Gaumen Hoch

Unsere Bewegung wächst: Um Menschen, die Lebensmittel verantwortungsbewusst herstellen oder verarbeiten. Und uns inspirieren, uns gesünder zu ernähren.