Bei 83,3 Prozent der befragten Bäuerinnen liegt die Hausarbeit allein bei ihnen. Bei der Kinderbetreuung sind es 77,2 Prozent, ihre Ehe- oder Lebenspartner sind nur zu 12,4 Prozent eingebunden. Das zeigt die Bäuerinnen-Studie 2026 der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB), deren Kurzfassung im Oktober 2026 erschienen ist.
Die Erhebung wird seit 1976 alle zehn Jahre durchgeführt. Weil viele Fragen gleich bleiben, lässt sich nachzeichnen, wie sich das Leben von Frauen auf Österreichs Höfen über fünf Jahrzehnte verändert hat. Die aktuelle Ausgabe fällt in das Internationale Jahr der Bäuerin 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund ein Drittel der Bäuerinnen stammt nicht aus der Landwirtschaft. 1986 waren noch 90 Prozent auf einem Hof aufgewachsen.
- 38,5 Prozent der Befragten bezeichnen sich als hauptverantwortliche Betriebsleiterin.
- 35,3 Prozent der aktiven Bäuerinnen wirtschaften biologisch, 2016 waren es 25 Prozent.
- Wo die Hofnachfolge feststeht, übernimmt laut den aktiven Bäuerinnen in 77,7 Prozent der Fälle der Sohn und in 16 Prozent die Tochter.
- 27,3 Prozent der Bäuerinnen haben noch nie Urlaub gemacht.
Wer wurde für die Bäuerinnen-Studie 2026 befragt?
Die Online-Befragung lief von 19. März bis 27. April 2026. Eingeladen wurden 34.602 Betriebe aus der INVEKOS-Datenbank, auf denen eine Frau mitarbeitet oder den Betrieb leitet. 2.521 Frauen füllten den Fragebogen vollständig aus, davon 2.247 aktive Bäuerinnen. Der Rücklauf liegt mit 7,3 Prozent auf dem Niveau von 2016. Ergänzend gab es drei regionale Workshops mit 37 Teilnehmerinnen und 26 qualitative Interviews auf den Betrieben.
Auftraggeber ist das Landwirtschaftsministerium (BMLUK). Durchgeführt hat die Studie die BAB gemeinsam mit BAB Project, verfasst haben sie Theresia Oedl-Wieser, Martina Schorn, Katrin Hofer und Lena Anna Radaschitz. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass alle Daten auf Selbstauskünften beruhen und eine gewisse Selbstselektion möglich ist, etwa beim Bildungsgrad. Vergleiche mit 2016 beziehen sich ausschließlich auf die aktiven Bäuerinnen. Langfassung und Tabellenband sollen im Jänner 2027 erscheinen.
Woher kommen Österreichs Bäuerinnen heute?
64,1 Prozent der Befragten sind auf einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. 2016 waren es 67 Prozent, 1986 noch 90 Prozent. 43,1 Prozent sind über ihren Partner in die Landwirtschaft gekommen.
Gleichzeitig übernehmen mehr Frauen den elterlichen Hof. Der Anteil der Hofübernehmerinnen ist von 22 Prozent im Jahr 2016 auf 33,5 Prozent gestiegen. Bei den Jungbäuerinnen haben zwei Drittel (66,2 Prozent) den Betrieb der Eltern übernommen, 5,5 Prozent davon gemeinsam mit einem Geschwister.
7,7 Prozent haben einen Betrieb neu gegründet, um 1,7 Prozentpunkte mehr als 2016. Im Burgenland liegt der Anteil bei 20,3 Prozent. Viele Neugründerinnen haben einen Universitätsabschluss (35,1 Prozent) oder einen Fachhochschulabschluss (22,2 Prozent).
Wie viele Frauen leiten einen landwirtschaftlichen Betrieb?
38,5 Prozent der Befragten bezeichnen sich als hauptverantwortliche Betriebsleiterin. Laut Studie deckt sich das mit der Agrarstrukturerhebung 2020 und den INVEKOS-Daten. 31 Prozent leiten den Betrieb gemeinsam mit dem Ehepartner, 25 Prozent sehen sich als Partnerin des Betriebsleiters. Da Mehrfachantworten möglich waren, überschneiden sich die Kategorien teilweise.
Betriebsleiterinnen führen ihren Hof seltener im Haupterwerb (40,6 Prozent) als der Durchschnitt aller Befragten (43,5 Prozent). Die Autorinnen sehen darin ein Indiz dafür, dass Frauen häufig kleinere Betriebe bewirtschaften.
Das Bildungsniveau steigt weiter. 30,3 Prozent der Jungbäuerinnen haben einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss, weitere 24,8 Prozent die Matura oder ein Kolleg. 7,6 Prozent haben den Titel der land- und forstwirtschaftlichen Meisterin erworben. Deutlich zugenommen haben pädagogische Ausbildungen. 2016 hatten 3 Prozent der aktiven Bäuerinnen eine solche, 2026 sind es 11,1 Prozent.
Wie viele Bäuerinnen wirtschaften biologisch?
34,5 Prozent aller Befragten geben an, dass ihr Betrieb biologisch bewirtschaftet wird. Bei den aktiven Bäuerinnen ist der Anteil von 25 Prozent im Jahr 2016 auf 35,3 Prozent gestiegen. Am höchsten ist er in Salzburg mit 63 Prozent. 42,6 Prozent der Befragten leben und arbeiten auf einem Bergbauernbetrieb.
An Bedeutung verloren haben Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof oder Heuriger als wichtigster Betriebszweig. 2016 nannten 11 Prozent eine solche Tätigkeit, 2026 sind es 6,6 Prozent. Wo es solche Angebote gibt, sind die Frauen aber stark beteiligt, bei der Direktvermarktung zu 65,6 Prozent und bei touristischen Angeboten zu 77,3 Prozent.
Wer macht auf dem Hof welche Arbeit?
Neben Haushalt und Kindern übernehmen Bäuerinnen große Teile der Betriebsführung. 69,2 Prozent sind für die Kommunikation nach außen zuständig, 64,7 Prozent für Mehrfachantrag, Buchhaltung und Büroarbeit. Die Feldarbeit liegt zu 52 Prozent bei den Partnern, mehr als ein Viertel der Bäuerinnen (26,2 Prozent) arbeitet dabei mit.
Die Studie zieht daraus einen klaren Schluss. „Von Seiten der Frauen werden traditionelle Rollenbilder durchbrochen, und von den Männern allerdings in nur sehr geringem Ausmaß.“
Rund 22 Prozent der Bäuerinnen haben in den vergangenen zwölf Monaten einen Angehörigen gepflegt, gleich viele wie 2016. Am häufigsten ist das die Schwiegermutter (33,5 Prozent, 2016 waren es 27 Prozent) oder die eigene Mutter (29,3 Prozent, 2016 waren es 16 Prozent).
Dazu kommt Erwerbsarbeit außerhalb des Hofs. 45,6 Prozent der Befragten haben einen Beruf abseits des Betriebs, bei den Jungbäuerinnen sind es 67,6 Prozent. 2006 lag der Anteil bei 22 Prozent.
Wem gehört der Hof?
19,6 Prozent der Befragten sind alleinige Eigentümerin ihres Betriebs. Bei 26,7 Prozent gehört er allein dem Partner, 42 Prozent besitzen ihn gemeinsam mit ihm. Die regionalen Unterschiede sind groß. In Oberösterreich liegt der Anteil des gemeinsamen Eigentums bei 55,7 Prozent, in Tirol bei 13,4 und in Kärnten bei 13,1 Prozent.
Gemeinsam auf dem Betriebskonto zeichnungsberechtigt sind 68,4 Prozent, 2016 waren es noch 81 Prozent. Wichtige Entscheidungen zu Strategie, Betriebszweigen oder größeren Investitionen treffen rund zwei Drittel der Paare gemeinsam. Gleichberechtigte Machtverhältnisse bedeutet das laut den Autorinnen nicht automatisch.
18,5 Prozent haben sich noch nicht damit befasst, wie sie bei Trennung, Scheidung oder Tod abgesichert wären. Für das Alter fühlen sich 78,2 Prozent sehr gut oder eher abgesichert, 15,7 Prozent weniger gut oder gar nicht.
Wer übernimmt den Hof?
Bei 30,6 Prozent der Betriebe ist die Nachfolge geregelt, bei 62,4 Prozent noch nicht. Rund 5 Prozent der Betriebe werden auslaufen. Wo die Nachfolge feststeht, übernimmt laut den aktiven Bäuerinnen in 77,7 Prozent der Fälle der Sohn und in 16 Prozent die Tochter. Das sind rund 3 Prozentpunkte mehr Töchter als 2016. Die Studie spricht von einer nach wie vor „patri-linearen“ Übergabepraxis.
36,5 Prozent beziehen die künftige Nachfolgerin oder den künftigen Nachfolger schon ab dem Kindesalter in die tägliche Arbeit ein. In die Entwicklung der Betriebsstrategie bindet sie nur ein deutlich kleinerer Teil früh ein (17,2 Prozent). Nach einer Nachfolge außerhalb der Familie suchen 1,7 Prozent.
Was belastet Bäuerinnen am meisten?
73,1 Prozent empfinden globalpolitische Faktoren wie schwankende Preise oder Handelsabkommen als belastend oder sehr belastend, 54,5 Prozent den Klimawandel. Auf dem Betrieb belasten vor allem die körperliche Arbeit (59,2 Prozent) und die Administration (54,0 Prozent). Inflation und steigende Lebenshaltungskosten sehen 78,7 Prozent als Problem.
Der Klimawandel ist auf den Höfen angekommen. Fast 90 Prozent der Befragten nehmen Trockenperioden, Hitzewellen und Dürren wahr, rund drei Viertel mehr Starkregen und Hagel. Nur 2 Prozent bemerken keine Auswirkungen. Fast die Hälfte hat sich mit Versicherungen abgesichert, 32,4 Prozent haben eine abwechslungsreichere Fruchtfolge eingeführt, 25,3 Prozent setzen auf klimaresiliente Sorten.
27,3 Prozent der Bäuerinnen haben noch nie Urlaub gemacht. Bei den aktiven Bäuerinnen ist der Anteil von 22 Prozent im Jahr 2016 auf 28,4 Prozent gestiegen. Als Grund wird häufiger als früher fehlender Ersatz für die Arbeit am Hof genannt. Kein Interesse an Urlaub haben nur 14,8 Prozent. Die Altbäuerinnen dagegen verreisen öfter als 2016, regelmäßig mindestens eine Woche Urlaub machen 30,2 Prozent von ihnen (2016 waren es 18 Prozent).
Trotz allem identifizieren sich viele mit ihrem Beruf. 74,7 Prozent bezeichnen sich selbst als Bäuerin. Positiv bewerten sie vor allem die Arbeit in der Natur und mit Tieren, die freie Zeiteinteilung, die Selbstversorgung mit Lebensmitteln und die Selbstständigkeit. Wieder für diesen Beruf entscheiden würden sich 53,7 Prozent, mehr als ein Drittel ist unentschlossen.
Wie fühlen sich Bäuerinnen in den Medien dargestellt?
Am besten repräsentiert fühlen sich die Befragten in landwirtschaftlichen Zeitungen. 63,4 Prozent halten die Berichterstattung dort für ausreichend, 58,7 Prozent für realitätsnah. In Tageszeitungen sind es nur 21,9 beziehungsweise 23,2 Prozent. Die Zustimmung zur Darstellung im Internet ist seit 2016 deutlich gestiegen, vor allem bei Bäuerinnen bis 34 Jahre.
Was empfiehlt die Studie?
Aus den Ergebnissen leiten die Autorinnen Handlungsempfehlungen ab. Zu den wichtigsten zählen
- eine Agrarstatistik, die Daten nach Geschlecht erfasst, um die „Gender Data Gap“ zu schließen,
- leichter zugängliche Betriebshilfe und Entlastungsdienste, besonders rund um Mutterschutz und Karenz,
- die aktive Einladung der Partnerin zu Beratungsgesprächen über Investitionen, damit beide denselben Informationsstand haben,
- mehr Beratung zur Hofübergabe an Töchter und sichtbare Vorbilder mit weiblicher Hofnachfolge,
- eine stärkere Förderung von Neugründerinnen, etwa über eine zentrale Anlaufstelle,
- flexiblere Sitzungszeiten in Vereinen und Gremien, die sich mit Care-Arbeit vereinbaren lassen.
„Ohne gezielte Instrumente bleiben gute Ideen häufig im Planungsstadium stecken.“
Quelle: Oedl-Wieser, T., Schorn, M., Hofer, K., & Radaschitz, L. A. (2026). Situation der Bäuerinnen in Österreich 2026 – Analyse der aktuellen Arbeits- und Lebensverhältnisse. Teil 1 Kurzfassung. BAB Report 012. Wien: Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen. Zur Studie
















