
Das Haus im zweiten Wiener Gemeindebezirk stammt aus den 1960er-Jahren und wurde bei laufendem Betrieb umgebaut. Die genutzten Materialien sind im Hotelbau alles andere als Standard. Doch die Mühen haben sich ausgezahlt. Für seine nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft neu gestalteten Räume wurde das Stadthotel Henriette mit dem „zeig profil award 2026“ in der Kategorie „Lebensräume” ausgezeichnet.
„Wissen tut man es nie, immerhin haben 272 Betriebe in unserer Kategorie eingereicht”, sagt Verena Brandtner-Pastuszyn, die das Hotel gemeinsam mit ihrem Mann Georg Pastuszyn führt. Für sie ist die Auszeichnung eine offizielle Bestätigung und Anerkennung ihres Projekts Kreislaufwirtschaft: „ Der Preis zeigt: Das ist etwas, an dem es sich lohnt, dranzubleiben – und das hoffentlich auch andere Leute nachmachen werden.”
Ein Parkett mit 120 Jahren Geschichte
Kreislaufwirtschaft im Hotelzimmer bedeutet für Brandtner-Pastuszyn zuerst Wohngesundheit. „Der Gast spürt sofort, dass es ein angenehmer Raum ist. Es gibt keine Materialien, die sich komisch oder künstlich anfühlen.” Zusätzlich erzählt das Henriette-Team seinen Gästen gerne die Geschichten zu den Gegenständen und Materialien.
„Der Gast spürt sofort, dass es ein angenehmer Raum ist. Es gibt keine Materialien, die sich komisch oder künstlich anfühlen.”




Eine davon ist die des 120 Jahre alten Parketts: Er wurde aus einem Bürogebäude im 9. Bezirk ausgebaut, aufbereitet und im Stadthotel Henriette neu verlegt. Die Platten der Waschtische bestehen aus Recycling-Plastik, das vorwiegend aus alten Kühl- und Gefrierschränken sowie Fernsehern gewonnen wurde. „Die warme Haptik der Oberfläche erwarten die Gäste im Badezimmer nicht”, erzählt Brandtner-Pastuszyn. Auch die verwendeten Stoffe bestehen aus Recycling-Materialien wie alten Fischernetzen, PET-Flaschen oder Baumwoll- und Wollresten. Gestrichen wurden die Zimmer mit mineralischen Farben – ebenso eine konsequente Weiterführung des nachhaltigen und ökologischen Gedankens im Henriette.
Möbel feiern ein zweites Leben
Besonders begeistert Brandtner-Pastuszyn etwas, das sie vor dem Umbau nicht im Blick hatte: „Was mir persönlich wahnsinnig taugt, ist, dass die Möbel zerlegbar sind.” Wird beispielsweise ein Schrank nicht mehr gebraucht, kann er auseinandergenommen und zu einem Bücherregal umgebaut werden. ”Es geht darum, schon bei der Planung das Lebensende eines Produktes mitzudenken”, so die Eigentümerin. Die Waschtischplatten wiederum nimmt der Hersteller bei Bedarf zurück, zerlegt sie und baut sie neu auf.
„Wir haben beim Umbau Sachen vor dem Müll bewahrt und agieren so, dass wir auch künftig möglichst wenig Müll produzieren.”

Konsequente Fortsetzung der Henriette-Linie
Verena und Georg Brandtner-Pastuszyn gehen bei ihren Vorhaben konsequent vor, auch, wenn das Zusatzaufwand bedeutet. Dienstleister:innen zu finden, die nicht standardmäßige Ein- und Umbauten machen, sei nicht einfach gewesen. Doch die Inhaberin ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Es ist uns gelungen, dass Architektur und Design die Menschen aufnehmen und umarmen. Das war unser Hauptansinnen.”
„Es ist uns gelungen, dass Architektur und Design die Menschen aufnehmen und umarmen.”

Der Fokus auf Kreislaufwirtschaft in den Zimmern setzt die Gmeinwohlökonomie als Wirtschaftsmodell des Henriette fort. „Circular Living ist Teil eines größeren Ganzen bei uns”, so Brandtner-Pastuszyn. „Wir machen das auch bei den Lebensmitteln, reinigen chemiefrei, arbeiten mit regionalen Produzent:innen … Es ist ein weiterer konsequenter Schritt, das im Designbereich zu vervollständigen.”
Die Gemeinwohlökonomie ist ein ethisches Wirtschaftsmodell, das Solidarität und dem gemeinsamen wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen beruht.
Im Henriette einfach vorbeikommen
Neben dem Österreichischen Umweltzeichen, dem EU Ecolabel und dem Gaumen Hoch-Siegel trägt das Stadthotel Henriette nun auch den “zeig profil award 2026”.
Neu entstanden sind im Rahmen des Umbaus auch Seminarräume für bis zu 42 Personen, in denen die Pausenverpflegung in Bio-Qualität aus der Hausküche kommt, und fertig renoviert sind fünf Longstay-Apartments im Hinterhaus. “Kommt vorbei und schaut euch an, was sich verändert hat. Wir zeigen euch gerne alles!”, sagt Verena Brandtner-Pastuszyn.

















