Bevor Sterne vergeben werden, veröffentlicht der Guide heuer zuerst die Liste der Bib-Gourmand-Restaurants – jene Kategorie für Lokale mit besonders gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Damit beginnt das neue Guide-Jahr nicht mit der prestigeträchtigsten Auszeichnung, sondern mit der Frage, die viele Gäste derzeit stärker beschäftigt: Was darf gutes Essen kosten?
2025 war das noch anders. Als der Michelin Guide nach Jahren der Pause wieder landesweit nach Österreich zurückkehrte, wurden Sterne, Bib Gourmand und weitere Auszeichnungen gemeinsam präsentiert. Erst danach ging die vollständige Auswahl online.
Wofür der Bib Gourmand steht
Der Bib Gourmand wurde 1997 eingeführt. Die Auszeichnung kennzeichnet Restaurants, die hohe Küchenqualität mit moderaten Preisen verbinden. Im Unterschied zum Stern geht es weniger um kulinarische Avantgarde als um eine Balance aus Handwerk, Produktqualität und Alltagstauglichkeit. Typische Kriterien sind:
- frische Produkte und sorgfältige Zubereitung
- klare Küchenhandschrift
- konstante Qualität
- ein Menüpreis deutlich unter Fine-Dining-Niveau
Der Name leitet sich von Bibendum, dem Michelin-Maskottchen, ab – dargestellt als Figur, die sich zufrieden über den Bauch streicht.
Bib Gourmand als Auftakt des Guide-Jahres
In der aktuellen Kommunikation trennt Michelin die Bekanntgabe stärker. Der Ablauf folgt nun einer gestaffelten Dramaturgie:
- Veröffentlichung der Bib-Gourmand-Liste am 11. März 2026
- Veröffentlichung der vollständigen Restaurantselektion am 18. März 2026
- Ein- und Aufsteiger aus der Guide MICHELIN Selektion 2026 erhalten im Rahmen des „The Heart of Food Events“ in Schladming am 23. März die Michelin-Plaques.
Damit rückt eine Kategorie nach vorne, die lange als Nebenrolle im Michelin-Kosmos galt.
Bib Gourmand 2026: 26 neu ausgezeichnete Restaurants
Für die aktuelle Auswahl gibt es 26 Neuzugänge, die mit dem Bib Gourmand ausgezeichnet wurden. Insgesamt umfasst die Kategorie nun 61 Betriebe in Österreich. Auffällig ist die geografische Verteilung: Viele der ausgezeichneten Restaurants liegen außerhalb der großen Städte und verbinden klassische Wirtshausküche mit zeitgemäßer Produktküche.
Folgende Restaurants sind neu dabei:
- Gamlitz (STM) – Weinkehr
- Graz (STM) – Rauch & Rebe
- Innerbraz (VBG) – Gasthof Rössle
- Kirchberg am Wechsel (NOE) – Wirtshaus Molzbachhof
- Kitzeck im Sausal (STM) – Wirtshaus im Weinkitz
- Langenlebarn (NOE) – Floh
- Lichtenberg (OOE) – Der Holzpoldl
- Murau (STM) – Lercher’s Wirtshaus
- Neuberg an der Mürz (STM) – Gasthof Schäffer
- Oberrohrbach (NOE) – Goldenes Bründl
- Rust (BGL) – Kirchenwirt
- Salzburg (SBG) – Brandstätter
- Sankt Martin am Grimming (STM) – Wirtshaus im Dorfhotel Mayer
- Sankt Veit im Pongau (SBG) – Wirtshaus by Vitus Winkler
- Siegersdorf (NOE) – Das Markthof
- Taxenbach (SBG) – Taxenbacherhof
- Tulln an der Donau (NOE) – Sodoma
- Walpersdorf (NOE) – Schlossküche Walpersdorf Blauenstein
- Weißenkirchen in der Wachau (NOE) – Jamek
- Weißenkirchen in der Wachau (NOE) – Prandtauerhof Gutshofrestaurant
- Weppersdorf (BGL) – Gasthaus Fuchs
- Westendorf (TIR) – Gasthaus Steinberg
- Wien (W) – Gasthaus Tante Liesl
- Wien (W) – Rosi
- Wien (W) – TIAN Bistro am Spittelberg
- Winzendorf (NOE) – Puchegger-Wirt
Plaque-Übergabe beim Branchenevent
Die offiziellen Michelin-Plaques für die ausgezeichneten Betriebe werden am 23. März beim The Heart of Food-Event in Schladming überreicht. Partner des Guide Michelin in Österreich ist METRO, der die Übergabe der Auszeichnungen bei der Veranstaltung begleitet. Der Großhändler betreibt in Österreich 16 Märkte und ein Lieferdepot und gehört zu den zentralen Lieferant:innen der Gastronomiebranche.
Eine Kategorie mit wachsender Bedeutung
Dass Michelin die Bib-Gourmand-Restaurants nun zuerst veröffentlicht, verschiebt den Blick des Guides – zumindest für einen Moment – weg vom Luxus. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Gastronomie haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: steigende Energiepreise, höhere Personalkosten und ein Publikum, das Restaurantbesuche stärker abwägt.
Restaurants, die präzise Küche zu moderaten Preisen anbieten, treffen daher oft auf ein breiteres Publikum als klassische Fine-Dining-Konzepte. Für viele Betriebe ist diese Position wirtschaftlich stabiler als das Modell des aufwendigen Degustationsmenüs.
Bib Gourmand in Österreich
Als der Michelin Guide 2025 wieder eine vollständige Österreich-Auswahl präsentierte, umfasste diese neben Sternerestaurants auch mehr als vierzig Bib-Gourmand-Betriebe.
Auffällig ist dabei, dass viele dieser Restaurants zwischen zwei Traditionen arbeiten: Wirtshausküche auf der einen Seite, moderne Produktküche auf der anderen. Die Auszeichnung markiert damit eine Kategorie, die in der österreichischen Gastronomie traditionell stark verankert ist.
Dass Michelin die Bib-Gourmand-Liste nun vor den Sternen veröffentlicht, verschiebt den Fokus des Guides zumindest kurzfristig. Nicht Luxus und Exklusivität eröffnen das neue Guide-Jahr – sondern Restaurants, die zeigen, wie gute Küche auch im Alltag funktionieren kann.
Bib Gourmand kurz erklärt
Vergibt: Michelin Guide
Seit: 1997
Bedeutung:
Sehr gute Küche zu moderaten Preisen
Symbol:
Michelin-Männchen („Bibendum“), das sich über den Bauch streicht
Neue Guide-Dramaturgie:
Bib Gourmands werden teilweise vor der Sternverleihung veröffentlicht


















