
Wenn Roland Tauss über seine Weine spricht, fällt früh ein Wort, das man von Winzer:innen selten hört: Botschafter. „Jede Flasche Wein von mir ist ein Botschafter unseres Platzes“, sagt er – jenes Stück Land am südsteirischen Schloßberg über Leutschach, das er, wie er es formuliert, bewirtschaften und verwalten darf. Nicht beherrschen, verwalten – darin steckt die Philosophie eines Hauses, das den Wein längst nicht mehr nur als Getränk versteht.
Begonnen hat alles 1991, als Tauss den elterlichen Betrieb übernahm. Bis 2004 arbeitete er konventionell, klassisch steirisch, mit – für die Region ungewöhnlich – etwas größerem Rotweinanteil. Schon 1995 kamen die ersten Barriquefässer, der biologische Säureabbau hielt Einzug. Doch mit dem neuen Jahrtausend wuchsen die Zweifel. Die Freundschaft mit Sepp und Maria Muster sowie Ewald Tscheppe brachte Gedanken ins Rollen: Das rein Technische, die Reinzuchthefen, das passte immer weniger zu einem, der mit gut fünf Hektar ein kleines Gut führt und nichts zukauft.
2005 zog er die Konsequenz. „Jetzt ist genug“, habe er sich gesagt – und stellte zu hundert Prozent um: im Weinberg auf biologisch- dynamische Arbeit mit biodynamischen Präparaten, im Keller weg von der Reinzuchthefe, hin zu spontaner Gärung und vollständigem biologischem Säureabbau. Entkeimungsfiltration und Schönungen fielen weg, ebenso nennenswerter Schwefeleinsatz. Was bleibt, ist ein biologisch stabiler Wein mit jahrgangstypischer Säurestruktur. „Ich gebe keine Säure dazu, ich nehme keine weg“, sagt Tauss. „Das regelt die Natur für sich selber.“ Die offizielle Demeter-Zertifizierung folgte 2010, da war der Weg längst erprobt.

Allein ist so ein Bruch mit der Konvention schwer zu gehen. Rückhalt fand Tauss in der Gruppe „Schmecke das Leben“, einem Zusammenschluss südsteirischer Naturweinwinzer:innen – mit Maria und Sepp Muster, Andreas Tscheppe, Franz Strohmeier und Ewald Tscheppe –, der 2010 auf der VieVinum sein Debüt gab. Was als Neuland begann, ist heute über fünfzehn Jahre alt und in der internationalen Naturweinszene ein Begriff. Tauss selbst liegt bei rund sechzig Prozent Exportanteil. Was die Gruppe verbindet, ist weniger ein Stil als eine Haltung – die Frage, ob das, was man tut, für das Leben geschieht oder gegen es.

Dass diese Weine anders schmecken, war von Beginn an Programm. Auf gemischten Messen sei das Publikum oft überfordert gewesen. Heute hat vor allem die gehobene Gastronomie ihren Wert erkannt: trocken ausgebaut, mit lebendigem Gerbstoff und vitaler Säure, sind sie fordernde Speisebegleiter. Geprägt sind sie vom Kalkmergel, lokal Opok genannt – ein mineralischer Ton, der durch alle Weine zieht und mit der Reife noch deutlicher hervortritt. Tauss nennt sie puristisch und doch greifbar, vielschichtig und harmonisch; abgehoben sind sie für ihn nicht. Ausgebaut wird ausschließlich im kleinen Holzfass, das ihm Reife- und nicht Aromamedium ist; seine Barriques nutzt er, solange der Fassbinder sie noch repariert.
Wer Tauss zuhört, merkt rasch, dass für ihn mehr mitschwingt als Handwerk. Der Wein spreche auch eine geistige Ebene an; in einem Schluck könne man, wenn man offen sei, in die Tiefe gehen. Ein schmaler Grat, wie er einräumt. Vor allem aber ist da seine Überzeugung, dass der Winzer im Wein immer präsent bleibt – mit jeder Entscheidung vom Rebschnitt bis zur Lese, sogar mit den Gedanken, die er durch Weinberg und Keller trägt. Sein Wirken im Keller sei ein Begleiten, das nur die Rahmenbedingungen schafft, damit der Wein seine Individualität entfalten kann. Den größten Lohn nennt er beiläufig: das ehrliche Echo eines Gastes, dem der Wein schmeckt. „Das geht runter wie Kernöl“, sagt der Südsteirer.




















