Stille einatmen, Stille ausatmen. Dazwischen rauscht der Wind und Insekten summen. Für diese Erfahrung kann man entweder die Meditations-App anwerfen oder im Waldviertler Schönfeld an der Wild beim Getreidefeld der Familie Brenner vorbeiradeln und sich ins „Bett im Kornfeld“ legen. Den Sommer über färbt sich der Schwarze Emmer von sattem Grün bis zur dunklen Ähre kurz vor der Ernte. „Wir wollten unseren Kund:innen ermöglichen, dieses Gefühl zu erleben, wenn man im Getreide verschwindet. Vor allem bei der Waldstaude, die zwei Meter hoch wird, ist das ganz besonders“, erzählt Bio-Bäuerin und Bäckerin Beate Brenner. Mitten im Feld kann man auch viel besser nachvollziehen, wie viel Arbeit und Hingabe in einem Stück Brot steckt. Die Reise beginnt bereits ein Jahr, bevor aus dem Getreide Mehl wird. Und jeder einzelne Schritt passiert am Hof.

„Unser vorrangiges Bestreben ist, die Produkte von Anfang bis Ende selbst in der Hand zu haben.“
Alles außer Weizen
Auf den 20 Hektar Ackerfläche baut die Familie die Urgetreidesorten Einkorn, Emmer, Dinkel, Waldstaudekorn und Champagnerroggen an. „Alles außer Weizen“, sagt Beate. Denn das würden eh alle machen. Der Hof hat eine kleine Fläche und punktet mit außergewöhnlichen Kulturen statt mit Masse. „Unser vorrangiges Bestreben ist, die Produkte von Anfang bis Ende selbst in der Hand zu haben“, beschreibt Walter Brenner die Philosophie. Die Arbeitsteilung ist dabei streng: Walter bestellt die Felder, erntet das Getreide und vermahlt es in der hofeigenen Mühle. Alles, was danach in der Backstube und im Hofladen folgt, ist Beates Aufgabenbereich. Und der steht niemals still.
Mit dem Netzwerk zum besten Brot

Nach einer Silbermedaille beim Brotkaiser, dem österreichischen Qualitätswettbewerb für Brot und Gebäck, fuhr sie kurzerhand zum Sieger, um herauszufinden, was dieser besser machte. Auch auf Reisen gehört der Besuch einer Backstube fix zum Programm. „Man lernt immer etwas Neues dazu. Jeder gibt seinen Funken weiter, daraus entsteht über die Jahre ein gutes Netzwerk.“
Stetige Weiterentwicklung ist ein Grundpfeiler von Beates Arbeitsweise. Sie wurde nach viel Tüfteln und Ausprobieren bereits mehrfach mit Gold ausgezeichnet – und das für sortenreine Brote aus Urgetreide. Diese sind besonders anspruchsvoll in der Herstellung, eröffnen aber vielen Menschen mit Weizenunverträglichkeiten neue Möglichkeiten. „Wenn Leute in den Hofladen kommen, die verzweifelt sind, weil sie keinen Weizen vertragen, und ich kann ihnen eine Auswahl bieten, dann ist das die Mühe wert.“
„Ich sage immer, die Biodiversität hört bei uns nicht auf dem Feld auf, sondern spiegelt sich in der Backstube wider.“

Kreative Vielfalt vom Feld bis in den Hofladen
Im direkten Austausch mit den Kund:innen entstehen immer wieder neue Ideen: „Ich sage immer, die Biodiversität hört bei uns nicht auf dem Feld auf, sondern spiegelt sich in der Backstube wider.“ Die Familie Brenner bewirtschaftet eine vergleichsweise kleine Fläche und entwickelt laufend kreative Ideen, um das Potenzial ihrer Kulturen bestmöglich zu nutzen. Diese Vielfalt beginnt bereits am Feld: Zwischen den Getreidereihen wächst etwa Kümmel als Untersaat mit und wird nach der Getreideernte zur Hauptfrucht des nächsten Jahres. Auch Linsen und Leindotter werden gemeinsam angebaut, weil der Leindotter der rankenden Linse als natürliche Stütze dient.
„Wir möchten den Boden in gutem Zustand an die nächste Generation weitergeben.“
Das Paar hat den Betrieb vor 24 Jahren in vierter Generation von Walters Eltern übernommen. Der kleine Mischbetrieb war wirtschaftlich nicht tragfähig, deshalb stellten sie zunächst auf Bio um und suchten anschließend nach Kulturen, die zu Boden und Region passen. Die Entscheidung für Urgetreide war eine Herzensangelegenheit und Bio eine Grundvoraussetzung für beide. „Wir sind überzeugt, dass Bio der richtige Weg ist, um Nahrungsmittel zu produzieren. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und deren Kinder“, sagt Beate. Die fast 200-jährige Familiengeschichte des Hofes bringt eine besondere Verantwortung mit sich. „Wir möchten den Boden in gutem Zustand an die nächste Generation weitergeben.“

„Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei!“
Zu dieser Verantwortung gehört für die Brenners auch, ihr Wissen weiterzugeben und Landwirtschaft erlebbar zu machen. Ideen für die Zukunft gibt es viele: Beate könnte sich ein Brotfest am Hof vorstellen, bei dem Besucher:innen alle Stationen vom Korn bis zum fertigen Brot erleben. Auch ein Dinner mitten im Kornfeld, gemeinsam mit einer Köchin oder einem Koch, schwebt ihr vor. Bis es so weit ist, wartet das „Bett im Kornfeld“ weiterhin auf alle, die eine Waldviertler Auszeit genießen wollen. Den Ohrwurm gibt’s gratis dazu.




















