„Landwirtschaftliche Betriebe müssen fair für ihre Leistungen bezahlt werden”

Bio-Ölproduzentin Julia Fandler legt bei Interview zum 100. Jubiläum ihrer Ölmühle Fandler den Finger in die Wunde.
Julia Fandler, Ölmühle Fandler
© Gaumen Hoch

Ihr Großvater Martin Schirnhofer kaufte 1926 mit geborgtem Geld die Sommerhofmühle im Pöllauer Tal – und legte damit den Grundstein für die heutige Ölmühle Fandler. 100 Jahre später blickt der Betrieb auf eine bewegte Geschichte zurück, viele Dinge sind aber auch gleich geblieben: Haltung, Werte und den Anspruch an bestmögliche Produktqualität hält Inhaberin Julia Fandler weiter hoch.

Im Gaumen Hoch-Interview spricht sie über das große Jubiläumsfest, zwei neue Jubiläumsöle mit Namen ihrer Vorfahren und was Bio ihr bedeutet.

100 Jahre Ölmühle Fandler: Was ist für dich persönlich das Besondere an diesem Jubiläum?
Julia Fandler: Das Feiern mit Menschen, die mich schon lange begleiten, und das gemeinsame Erinnern an vergangene Zeiten und daran, was wir zusammen aufgebaut haben. Zugleich ist der Blick in die Zukunft wichtig: Um Erfolg zu haben und den wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, müssen wir weiter fleißig und innovativ sein. Ich habe das Glück, das mit fantastischen Menschen machen zu dürfen.
Was haben deine Gäste beim großen Jubiläumsfest in der Ölmühle erlebt?
Am Nachmittag ging’s los und ich habe mich bemüht, alle Gäste persönlich zu begrüßen. Es gab einige Festreden, die nicht zu lange gedauert haben (lacht), und natürlich etwas Gutes zu essen von einer Catering-Firma aus der Region. Das Programm-Highlight war dann wie schon bei unserer 85-Jahr-Feier das Musikkabarett mit Betty O. Die Überraschung: Sie hat für unseren runden Geburtstag extra eigene Texte geschrieben.
© Ölmühle Fandler/ Markus Lang-Bichl
Ölmühle Fandler
Zum Geburtstag gibt’s zwei Jubiläumsöle neu im Sortiment: die „Juliana” und den „Robert”.
Am Tag darauf haben gleich 1.000 Leute die Ölmühle besucht …
Ja, da haben wir zum „Tag der offenen Ölmühle” geladen und uns sehr über das rege Interesse gefreut. Dort konnten die Leute auch das Mural sehen, das ich der Ölmühle Fandler zum Geburtstag geschenkt habe: ein modernes Wandbild, das nun mein Elternhaus ziert. Und noch etwas ist neu: Wir haben zwei Jubiläumsöle kreiert, die meinen Vorfahren gewidmet sind: „Juliana”, ein Bio-Walnussöl in schöner Keramikflasche, ist nach meiner Großmutter benannt. Für meinen Papa haben wir das Bio-Kürbiskernöl „Robert” in einer Jubiläumsedition herausgebracht.
„Wir müssen den Unterschied in Duft und Geschmack unserer Öle so kommunizieren, dass die Leute verstehen, dass unsere Produkte besser sind.”
Julia Fandler
Woran arbeitest du und welche Herausforderungen beschäftigt dich aktuell?
Wir wollen unsere Position am Markt verteidigen und ausbauen, daher liebäugle ich mit Export. Außerdem haben wir in einen Webshop und ein CRM-System investiert. Unsere Herausforderung bleibt gleich: Wir müssen den Unterschied in Duft und Geschmack unserer Öle so kommunizieren, dass die Leute verstehen, dass unsere Produkte besser sind – und daher auch etwas teurer. Wir kaufen unsere Rohstoffe in Knabberkernqualität, arbeiten mit aufwendigen Produktionsverfahren … das müssen wir erklären.
© Ölmühle Fandler/Wasserbauer
Ölmühle Fandler
In der Ölmühle Fandler in Pöllau bei Hartberg wurde das große 100-Jahr-Jubiläum gefeiert.
Fandler produziert seit rund 40 Jahren größtenteils biozertifiziert. Was bedeutet dieser Anspruch für dich?
Mir geht es um meine Verantwortung als Unternehmerin gegenüber der Umwelt und den Menschen. Sie verdienen wertvolle Lebensmittel, die in gesundem Boden wachsen und so natürlich wie möglich sind. Gleichzeitig ist Bio für mich eine Gemeinschaft, die eine Vision von schonender Bewirtschaftung unserer Erde teilt. Da will ich dazugehören! Und eine persönliche Haltung, die ich jeden Tag lebe, nicht nur ein Marketinginstrument.
Hast du eine persönliche Mission?
Ich möchte zu einem Bewusstseinswandel beitragen: dass die Leute sich besinnen, wie wertvoll Lebensmittel sind und wie wichtig es ist, darauf zu achten, was sie ihrem Körper zuführen. Dazu gehört auch, dass landwirtschaftliche Betriebe für ihre Leistungen fair bezahlt werden. Da spreche ich nicht durch die Blume, sondern lege den Finger in die Wunde.

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