Als Werner Hofer vor fast zwanzig Jahren zufällig einen Fernsehbeitrag über Wagyu-Rinder sah, ahnte er nicht, dass dieser Moment sein Leben verändern würde. Fett galt damals noch als etwas, das man vom Fleisch wegschneidet. Heute ist genau dieses Fett der Inbegriff von Luxus. Die Neugier war geweckt. Während andere noch abwinkten, begann er zu recherchieren, zu rechnen, zu zweifeln – und dennoch zu wagen.
Hofer Bio-Wagyu ist eine Tiroler Bio-Rinderzucht, die Wagyu-Fleisch in Almhaltung produziert und direkt vermarktet. Der Betrieb steht für Tierwohl, Transparenz und regionale Wertschöpfung.

Vom Impuls zum Herzensprojekt
Als erster Wagyu-Züchter Tirols investierte er mehrere Tausend Euro in ein einziges weibliches Kalb zur Zucht, ohne das Fleisch je gekostet zu haben. „Sechs Jahre hätte es gedauert, bis wir das erste eigene Stück Fleisch in Händen gehalten haben”, erinnert sich der Jungzüchter heute und bereut keinen Tag davon. Im Gegenteil – er kaufte kurzerhand weitere einjähriges Ochsen zu, zog sie weiter auf – und stand bald vor der nächsten Herausforderung: Schlachtung, Reifung, Vermarktung. Aber auch hier: alles Neuland.
Wagyu-Zucht in Tirol: Pionierarbeit am Berg
Was folgte, war Pionierarbeit zwischen Bergweiden und Grillrost. Niemand kannte das Produkt, niemand wusste, wie man dieses hochwertige Fleisch zubereitet. Die ersten Jahre waren geprägt von Unsicherheit, Technikfragen, fehlender Infrastruktur – und von Glück. Ein Grillweltmeister wurde auf den „Wagyu-Bauern vom Berg“ aufmerksam, organisierte Verkostungen direkt am Hof, brachte Menschen zusammen. Plötzlich standen mehrere Hundert Kilo Fleisch im Kühlraum – und neugierige Gäste auf dem Hof. Der Funke sprang über.

Direktvermarktung & regionale Wertschöpfung
Doch es ging nie nur um ein teures Stück Fleisch. Es ging um Unabhängigkeit. Um den Wunsch, nicht länger Preise diktiert zu bekommen, sondern selbst den Wert der eigenen Arbeit zu bestimmen. Um direkten Kontakt mit den Menschen, die dieses Fleisch essen. Um Kinder, die sehen sollen, dass Landwirtschaft Zukunft hat – wenn man neue Wege geht. Und diese Wege wurden immer weiter: vom Wagyu zur Direktvermarktung, von einzelnen Produkten zu einem regionalen Netzwerk aus Bäuer:innen, Imker:innen, Geflügelzüchter:innen und Veredler:innen. Aus einer Idee in der Corona-Zeit entstand eine Bio-Region, ein gemeinsamer Online-Auftritt, ein Verein mit klarer Haltung: Der Großteil der Wertschöpfung soll beim Landwirt und der Landwirtin bleiben.

Tierwohl, Almhaltung & Transparenz
Heute reichen die Kooperationen vom Tourismus bis zu nachhaltigen Events in den Kitzbühler Bergen, bei denen regionale Produkte im Rucksack mit auf den Gipfel wandern. „Es gibt Partner:innenschaften, die Verpackung und Versand übernehmen sowie mit Bio-Hersteller:innen, die gemeinsam neue Märkte erschließen”, ist Hofer überzeugt. Es sind kleine Schritte, viele Umwege – aber stetige Bewegung.
Fleisch als Haltung, nicht als Luxusprodukt
Am Hof selbst leben neben den Wagyu-Rindern auch Fleckviehkühe. Die Tiere gehen auf die Alm, haben Bewegung, Zeit, Ruhe. Stress soll hier keinen Platz haben – weder im Stall noch beim Transport. Die Rinder kennen den Hänger, laufen freiwillig hinein. Keine Hektik, kein Zwang. Der Unterschied zur industriellen Fleischproduktion könnte kaum größer sein. Auch Kalbfleisch vermarktet der Betrieb selbst – bewusst rosafarben, weil gesunde Tiere Eisen im Fleisch haben. Was anderswo als Mangel gilt, wird hier erklärt, gezeigt, transparent gemacht.

Die Herausforderungen bleiben. Metzgereien sterben, Verarbeitungskapazitäten werden knapp, Investitionen in Technik und Verpackung sind hoch. Doch die Nachfrage ist da. Gerade in einer Zeit, in der viele die Anonymität der Lebensmittel satt haben, suchen die Menschen wieder Geschichten, Gesichter, Herkunft. Und genau das bietet dieser Hof: eine Landwirtschaft, die nicht rückwärtsgewandt ist, sondern neugierig, mutig und eigenständig.
Aus einem Fernsehimpuls wurde ein Lebensprojekt. Aus einem Experiment eine regionale Bewegung. Und aus einem Stück Fleisch eine Haltung.




















