Hofer Bio-Wagyu – Rinderzucht mit Haltung in Tirol

Aus einem Impuls und Neugier wurde ein Herzensprojekt. Und mittlerweile eine Bewegung, die weit über die Region hinausgeht.
Hofer Bio-Wagyu - Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
© Hofer Bio-Wagyu - Rinderzucht Hof Ried am Bichlach

Fleckvieh und Wagyu sind kein Widerspruch

von Jürgen Schmücking

Als Werner Hofer vor fast zwanzig Jahren zufällig einen Fernsehbeitrag über Wagyu-Rinder sah, ahnte er nicht, dass dieser Moment sein Leben verändern würde. Fett galt damals noch als etwas, das man vom Fleisch wegschneidet. Heute ist genau dieses Fett der Inbegriff von Luxus. Die Neugier war geweckt. Während andere noch abwinkten, begann er zu recherchieren, zu rechnen, zu zweifeln – und dennoch zu wagen.

Hofer Bio-Wagyu ist eine Tiroler Bio-Rinderzucht, die Wagyu-Fleisch in Almhaltung produziert und direkt vermarktet. Der Betrieb steht für Tierwohl, Transparenz und regionale Wertschöpfung.

Hofer Bio-Wagyu

Vom Impuls zum Herzensprojekt

Als erster Wagyu-Züchter Tirols investierte er mehrere Tausend Euro in ein einziges weibliches Kalb zur Zucht, ohne das Fleisch je gekostet zu haben. „Sechs Jahre hätte es gedauert, bis wir das erste eigene Stück Fleisch in Händen gehalten haben”, erinnert sich der Jungzüchter heute und bereut keinen Tag davon.  Im Gegenteil – er kaufte kurzerhand weitere einjähriges Ochsen zu, zog sie weiter auf – und stand bald vor der nächsten Herausforderung: Schlachtung, Reifung, Vermarktung. Aber auch hier: alles Neuland.

Wagyu-Zucht in Tirol: Pionierarbeit am Berg

Was folgte, war Pionierarbeit zwischen Bergweiden und Grillrost. Niemand kannte das Produkt, niemand wusste, wie man dieses hochwertige Fleisch zubereitet. Die ersten Jahre waren geprägt von Unsicherheit, Technikfragen, fehlender Infrastruktur – und von Glück. Ein Grillweltmeister wurde auf den „Wagyu-Bauern vom Berg“ aufmerksam, organisierte Verkostungen direkt am Hof, brachte Menschen zusammen. Plötzlich standen mehrere Hundert Kilo Fleisch im Kühlraum – und neugierige Gäste auf dem Hof. Der Funke sprang über.

© Hofer Bio-Wagyu – Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Hofer Bio-Wagyu - Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Die Tiere von Hofer Bio-Wagyu stammen aus Österreich und BIO-Betrieben aus Bayern.

Direktvermarktung & regionale Wertschöpfung

Doch es ging nie nur um ein teures Stück Fleisch. Es ging um Unabhängigkeit. Um den Wunsch, nicht länger Preise diktiert zu bekommen, sondern selbst den Wert der eigenen Arbeit zu bestimmen. Um direkten Kontakt mit den Menschen, die dieses Fleisch essen. Um Kinder, die sehen sollen, dass Landwirtschaft Zukunft hat – wenn man neue Wege geht. Und diese Wege wurden immer weiter: vom Wagyu zur Direktvermarktung, von einzelnen Produkten zu einem regionalen Netzwerk aus Bäuer:innen, Imker:innen, Geflügelzüchter:innen und Veredler:innen. Aus einer Idee in der Corona-Zeit entstand eine Bio-Region, ein gemeinsamer Online-Auftritt, ein Verein mit klarer Haltung: Der Großteil der Wertschöpfung soll beim Landwirt und der Landwirtin bleiben.

© Hofer Bio-Wagyu – Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Hofer Bio-Wagyu - Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Im Sommer ernähren sich die Rinder von Wiesen und Almweiden und im Winter von BIO-Heu.

Tierwohl, Almhaltung & Transparenz

Heute reichen die Kooperationen vom Tourismus bis zu nachhaltigen Events in den Kitzbühler Bergen, bei denen regionale Produkte im Rucksack mit auf den Gipfel wandern. „Es gibt Partner:innenschaften, die Verpackung und Versand übernehmen sowie mit Bio-Hersteller:innen, die gemeinsam neue Märkte erschließen”, ist Hofer überzeugt. Es sind kleine Schritte, viele Umwege – aber stetige Bewegung.

Fleisch als Haltung, nicht als Luxusprodukt

Am Hof selbst leben neben den Wagyu-Rindern auch Fleckviehkühe. Die Tiere gehen auf die Alm, haben Bewegung, Zeit, Ruhe. Stress soll hier keinen Platz haben – weder im Stall noch beim Transport. Die Rinder kennen den Hänger, laufen freiwillig hinein. Keine Hektik, kein Zwang. Der Unterschied zur industriellen Fleischproduktion könnte kaum größer sein. Auch Kalbfleisch vermarktet der Betrieb selbst – bewusst rosafarben, weil gesunde Tiere Eisen im Fleisch haben. Was anderswo als Mangel gilt, wird hier erklärt, gezeigt, transparent gemacht.

© Hofer Bio-Wagyu – Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Hofer Bio-Wagyu - Rinderzucht Hof Ried am Bichlach
Die Rinder werden erst dann geschlachtet, wenn sie ausgewachsen und ihr Fleisch hochwertig ist.

Die Herausforderungen bleiben. Metzgereien sterben, Verarbeitungskapazitäten werden knapp, Investitionen in Technik und Verpackung sind hoch. Doch die Nachfrage ist da. Gerade in einer Zeit, in der viele die Anonymität der Lebensmittel satt haben, suchen die Menschen wieder Geschichten, Gesichter, Herkunft. Und genau das bietet dieser Hof: eine Landwirtschaft, die nicht rückwärtsgewandt ist, sondern neugierig, mutig und eigenständig.

Aus einem Fernsehimpuls wurde ein Lebensprojekt. Aus einem Experiment eine regionale Bewegung. Und aus einem Stück Fleisch eine Haltung.

Hofer Bio-Wagyu

Werner Hofer

Ein Geschmack deiner Kindheit?
Ich habe mit meinem Volksschulfreund immer selbst gemachte Erdbeermilch getrunken. Die Erdbeeren hatte ich mit und die frische Alm-Milch hatten wir kurz zuvor selbst auf der Alm seiner Eltern gemolken. Vermutlich war die Zubereitung nicht ganz so hygienisch, aber die Atmosphäre, die Frische der Produkte und das gute Gefühl hätten besser nicht sein können.
Deine letzte kulinarische Reise?
Die ging ins Bio-Natur- Resort Retter am Pöllauberg in der Steiermark im Sommer 2025.
Was wächst in deinem Garten?
Obst aus der Streuobstwiese, Marille als Spalier am Bauernhaus (der Baum ist circa 90 Jahre alt!) und allerlei Gemüse im Bauerngarten.
Das beste Stück vom Fleisch ist… (und warum)?
Fleisch von der „alten Bio-Wagyu Kuh“. Dabei handelt es sich um „langsam gewachsenes“ Fleisch. Das Rind ernährte sich hauptsächlich von Heu und Gras (kaum Getreide!) und verbrachte einige Sommer auf ca. 2000m Seehöhe auf der Alm. Dieses Fleisch hat Charakter.
Worauf bist du stolz?
Ich bin stolzer Papa unserer zwei Buben.

Hofer Bio-Wagyu ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, aus dem Weinbau, der Hotellerie, dem Lebensmittel-Verkauf und der -Verarbeitung, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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