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Reiners Erdbeeren und Gemüse

Im Familienbetrieb Reiner gibt’s Erdbeeren und Gemüse zum Selbstpflücken und einen Juniorchef voller neuer Ideen.
Paul Reiner im Beet
© Annika Thell

„Boden ist alles bei uns!“

von Anna Gugerell

Wer samstags bei Paul Reiner Junior am Meidlinger Markt einkauft, bekommt nicht nur charmante Betreuung und hochwertiges Bio-Gemüse, sondern gleich einen Menüvorschlag mit dazu. Ob es die neuen Okraschoten oder die „Green Tiger“-Tomate ist – man müsse den Leuten nur sagen, was sie damit kochen können. Dann kommt alles gut an, meint der 26-jährige Landwirt. Schmäh führen und mit Leuten reden ist zum Glück Pauls „Lieblingsarbeit“: „Den ganzen Tag am Feld stehen wär‘ nix für mich. Ich liebe den Kontakt mit den Menschen.“

© Annika Thell

Der Frauenkirchner Familienbetrieb von Paul Juniors Eltern Paul und Sabine bewirtschaftet 50 Hektar Fläche, wobei 7,5 Hektar auf die Selbsterntefelder von Gemüse und Erdbeeren fallen. Diese haben sich in den letzten zwanzig Jahren etabliert und ziehen regelmäßig Familien aus Wien an, die dafür extra anreisen und einen halben Tag im Feld verbringen. Neu dazugekommen ist Paul Juniors Marktgärtnerei auf 1,5 Hektar, die er seit drei Jahren aufbaut. 

Eine neue Ära

Auch wenn Paul schon mit acht Jahren Traktor gefahren ist, war nicht klar, ob er später in den Familienbetrieb einsteigen würde. Zur der Zeit war die Landwirtschaft der Reiners von anonymer Produktion von Saatmais für große Konzerne abhängig. Durch langfristige Verträge waren Pauls Eltern gebunden und die Umstellung auf Bio war wirtschaftlich nicht möglich. Eigentlich nichts für Paul. 

© Annika Thell

Dann kam es anders: Durch sein Studium an der BOKU lernte Paul das System der Marktgärtnerei kennen. Gleichzeitig liefen Verträge aus und die Familie liebäugelte ohnehin schon längst mit einer biologischen Arbeitsweise. 2022 wurde alles auf Bio umgestellt, Paul entwickelte seine Martkgärtnerei und entschied sich, im Betrieb zu bleiben. Gut so, denn der Unterschied ist für die ganze Familie enorm, wie Paul erzählt: „Wir merken heuer, dass wir mit einer ganz anderen Energie da reingehen. Meinem Papa war das Spritzen fahren schon früher irrsinnig z‘wider. Jetzt, wo wir das machen, was wir wirklich wollen, geht das viel leichter von der Hand und wir sind alle motivierter.“

„Aus diesen Hektar kommt kein Traktor rein!“
Paul Reiner

Für Paul war immer klar, dass er sein eigenes Standbein innerhalb des Betriebs aufbauen möchte. In seiner Marktgärtnerei baut er nun per Hand sein eigenes Gemüse auf 75-Zentimeter-Beeten an. „Auf diesen Hektar kommt kein Traktor rein“, erklärt Paul. Wenn eine Kultur wegkommt, wird Kompost aufgestreut, damit der Boden gut für die nächste Pflanzung vorbereitet wird. Auch auf den Feldern abseits der Marktgärtnerei steht der ideale Bodenkreislauf im Vordergrund, vor allem wegen der Trockenheit.

© Annika Thell

Heiliger Boden

Durch Klimaveränderungen konzentriert sich der Niederschlag im Burgenland anders, sagt Paul. Dadurch ist der Wasserhaushalt ein ständiges Thema, das die Reiners mit Mulchen in den Griff bekommen wollen. „Wir geben alles daran, dass unsere Böden viel Wasser speichern können. Wir arbeiten am Betrieb komplett pfluglos und bearbeiten nie tiefer als sieben bis acht Zentimeter, damit das Leben darunter nicht gestört wird und damit sich eine ordentliche Struktur bilden kann. Außerdem werden alle Felder zwischenzeitlich begrünt, um den Nährstoffkreislauf zu schließen. Boden ist alles bei uns.“ 

In unser Gemüse stecken wir unser Herzblut, unseren Schweiß. Da geht’s um was.“
Paul Reiner

Paul pflanzt darauf stetig Neues und probiert sich in der Marktgärtnerei aktuell an 180 verschiedenen Gemüsesorten. Auch bei den Selbsterntefeldern ist die Auswahl groß: Das Angebot variiert nach Saison, aber Fisolen, Paprika, Tomaten, Chili, Zwiebel, Erdäpfel, Kraut und Melanzani gibt es fast immer. Das geht nur mit viel Hingabe: „In unser Gemüse stecken wir unser Herzblut, unseren Schweiß. Da geht’s um was“, sagt er. 

© Annika Thell

Maßgeschneidertes Gemüse

Neben dem wöchentlichen Stand am Meidlinger Markt, wo vorrangig das Marktgärtnerei-Gemüse verkauft wird, gibt’s alle Produkte mittwochs bis sonntags im Hofladen in der Franziskanerstraße. 

Neben dem Verkauf am Markt und im Hofladen ist die Gastronomie ein Vermarktungsweg, den Paul noch besonders ausbauen möchte. Die Familie liebt es, selbst gut essen zu gehen, und am liebsten würde Paul noch mehr individuelle Anbaupläne für Restaurants entwerfen, wie er das mit der La Takeria in Neusiedl bereits macht: Für den Streetfoodstand baut er extra kiloweise Koriander an. Paul versucht, den individuellen Wünschen gerecht zu werden, und baut für die (oft türkischen) Selbstpflücker:innen extra die breiten Fisolen an. Zum Markt nimmt er lieber die runden Fisolen mit – die kommen dort besser an.

© Annika Thell

Die Ideen gehen dem jungen Gemüsebauern nicht aus: Neben Legehühnern und Martinigänsen, die aktuell schon gehalten werden, möchte Paul am liebsten noch Ziegen und Schafe. Heuer probieren sich die Reiners an Obstbäumen und eigentlich möchte Paul noch einen Agroforst (siehe Infobox) für die Selbsterntefelder anlegen. Wie sich das alles ausgehen soll? Mit gutem Zeitmanagement und der Gewissheit, dass man genau am richtigen Fleck ist. 

AgroforstEin Agroforst bezeichnet ein Produktionssystem, wo Forstwirtschaft (in Form von Bäumen und Sträuchern) und Landwirtschaft miteinander kombiniert werden. Das hat vor allem in trockenen Regionen Sinn, weil durch die Bäume weniger Wasser verdunstet und das Grundwasser geschützt wird

Paul Reiner

Was ist dein Lieblingsgemüse?
Definitiv Melanzani. Baue ich auch selbst an.
Was kochst du am liebsten?
Am liebsten asiatisch, natürlich mit viel Gemüse.
Geschmack deiner Kindheit?
Erdbeeren mit Rahm bei der Oma.
Erster Job?
Unkraut zupfen im Betrieb. 
Wie kannst du am besten abschalten?
Beim Essen gehen mit Freunden.
Was möchtest du noch gerne lernen?
Ungarisch.
Ritual beim Arbeiten?
Podcast hören. Meistens eh über Landwirtschaft, Gastro oder „Gemischtes Hack“. 
So starte ich den Tag:
Ich bin meistens als erster draußen, zwischen 6.30 und 7 Uhr. Da ist es noch ganz ruhig und ich kann mir alles anschauen.
Reiners Erdbeeren

Reiners Erdbeeren ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie und Landwirtschaft, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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