
Gregor Sailer
ist ein international angesehener Kunst und Architektur-Fotograf, der sich intensiv mit dem Thema Lebensmittelproduktion befasst. Seine Arbeiten wurden bereits weltweit publiziert, ausgezeichnet und ausgestellt. Am Gaumen Hoch-Symposium am 7. und 8. Oktober in der Reitschule Grafenegg zeichnet er für die künstlerische Gestaltung verantwortlich.
Das Schlaraffenland war im Mittelalter die Vorstellung eines Ortes, an dem Nahrung im Überfluss vorhanden ist und niemand dafür arbeiten muss. Heute bauen wir an unseren eigenen Versionen davon – nur sehen sie anders aus, als man sie sich damals ausgemalt hat.
Seit Jahren beschäftige ich mich fotografisch mit den verborgenen Welten unserer Lebensmittelproduktion. Ich war in Lebensmittelwäldern in Afrika und in kargen Lebensmittelwüsten im eisigen Norden, in unterirdischen und vertikalen Farmen, riesigen robotisierten Gewächshäusern und abgeschotteten Forschungsanlagen. Ich habe Orte fotografiert, an denen künstliches Fleisch, Algen, Insekten oder Quallen produziert und Viren und Zellen gezüchtet werden. Und Versuchsanlagen, in denen erforscht wird, wie Menschen eines Tages auf Mars oder Mond Nahrung produzieren könnten.
Viele dieser Orte wirken wie Science-Fiction. Sie existieren aber längst.
„Ich habe Orte fotografiert, an denen künstliches Fleisch, Algen, Insekten oder Quallen produziert und Viren und Zellen gezüchtet werden.“
Genau dieser Widerspruch interessiert mich. Wir entwickeln mit enormem technischem und wissenschaftlichem Aufwand neue Möglichkeiten, Lebensmittel herzustellen und unsere Ernährung unter immer schwierigeren Bedingungen zu sichern. Darin steckt beeindruckender menschlicher Erfindungsreichtum. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten, ethische Fragen und eine zunehmende Distanz zwischen uns und der Art, wie unsere Nahrung produziert wird.
Mit meinem Langzeitprojekt Cockaigne versuche ich deshalb nicht, eine Antwort darauf zu geben, wie wir uns in Zukunft ernähren sollen. Mich interessiert vielmehr, sichtbar zu machen, was normalerweise unsichtbar bleibt.
Ich fotografiere diese Orte mit einer analogen Großformatkamera. Das ist langsam, aufwendig und beinahe anachronistisch – gerade in einer Welt, in der vieles auf maximale Effizienz ausgerichtet ist. Diese Langsamkeit erhöht meine Aufmerksamkeit und schärft meine Sinne.
GAUMEN HOCH-SYMPOSIUM
🗓️ 7. und 8. Oktober 2026
📍 Grafenegg Reitschule | Rudolf Buchbinder Saal
Zwei Tage voller Inspiration, Begegnungen und neuer Perspektiven auf unser Ernährungssystem. Das Gaumen Hoch-Symposium bringt Menschen aus Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft, Politik, Medien und Wirtschaft zusammen, um gemeinsam die Zukunft unseres Ernährungssystems neu zu denken.
Und vielleicht brauchen wir genau das auch bei der Frage nach unserer Ernährung.
Denn hinter Begriffen wie Innovation, Effizienz, Wachstum oder Nachhaltigkeit stehen konkrete Landschaften, Gebäude, Maschinen und Menschen. Sie erzählen davon, wie wir versuchen, ökologische Grenzen technisch zu überwinden – und welche neuen Konflikte dabei entstehen.
Das moderne Schlaraffenland ist deshalb weder Utopie noch Dystopie. Es ist längst Realität. Und gerade deshalb sollten wir es uns genau ansehen.

















