Keine andere Hülsenfrucht stößt auf so viel Skepsis wie die Sojabohne. Sie gilt als umweltschädlich, gentechnisch verändert und gesundheitlich bedenklich. Doch nicht alle Kritik ist berechtigt. Gerade hierzulande ist Soja nicht gleich Soja.
Was ist Soja überhaupt?
Die Sojapflanze gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler und ist eng verwandt mit Erbse oder Linse. Angebaut wird sie vor allem wegen ihrer Bohnen, deren hoher Eiweiß- und Fettgehalt sie zu einem wichtigen Futtermittel und zu einer vielseitig einsetzbaren Zutat in der menschlichen Ernährung macht. Ihr hoher Ertrag und ihre geringen Umweltansprüche haben die Sojapflanze in den letzten Jahrzehnten zu einer der weltweit bedeutendsten Kulturpflanzen gemacht.

KASTEN Den Bakterien sei Dank
Die Sojapflanze lebt in Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien. Diese ermöglichen es ihr, den lebenswichtigen Stickstoff direkt aus der Luft zu binden, anstatt ihn über die Wurzeln aus dem Boden aufzunehmen. Für den Anbau bedeutet das einen entscheidenden Vorteil: Die Nährstoffversorgung des Bodens tritt in den Hintergrund, sodass Züchtung und Anbau stärker auf Faktoren wie Temperatur und Wasserversorgung ausgerichtet werden können. Da diese Bakterien in Mitteleuropa nicht heimisch sind, müssen sie der Sojasaat gezielt zugesetzt werden.
Eine Bohne von Weltrang
In den führenden Anbauländern Brasilien, Argentinien, China und den USA hat sich der Sojaanbau in den letzten 45 Jahren mehr als verdreifacht. Auch in Österreich nimmt der Anbau rapide zu. Zwischen 2018 und 2025 hat sich die für Soja genutzte Anbaufläche hier mehr als verfünffacht. Laut Grünem Bericht 2025 wuchs die Anbaufläche zwischen 2018 und 2025 von rund 18.500 auf über 85.500 Hektar.

Damit ist Österreich zum drittgrößten Sojaproduzenten der EU gewachsen. Und mit rund 37 Prozent am nationalen Gesamtertrag europäischer Spitzenreiter beim zertifiziert biologischen Anbau. Die größten Anbauflächen liegen in Oberösterreich, Niederösterreich und dem Burgenland. Inzwischen wird Soja jedoch auch in allen anderen Bundesländern kultiviert.
Soja ≠ Soja
Trotz dieses Erfolgs steht die kleine, grünlich-hellbraune Bohne immer wieder in der Kritik. Häufig geht es dabei um die Umweltfolgen ihres Anbaus und den Einsatz von Gentechnik. Dabei wird eine wichtige Unterscheidung oft vergessen: Importiertes Soja und heimisch angebautes Soja sind nicht dasselbe.
„Kein anderes pflanzliches Protein ist für unseren Körper so gut verwertbar wie das der Sojabohne.“
Während Soja aus den USA, Argentinien oder Brasilien tatsächlich häufig mit Entwaldung und Gentechnik verbunden ist, gelten für den Anbau in der EU andere Rahmenbedingungen. Gentechnisch verändertes Soja darf hier nicht angebaut werden, die Rodung von Waldgebieten zur Flächenerweiterung ist ebenfalls verboten.. Wie so oft gilt also auch hier: Wer bioregional einkauft, kann guten Gewissens Sojaprodukte zu sich nehmen.
Ausnahme: hochverarbeitetes Soja
Anders ist das bei hochverarbeiteten Sojaprodukten aus der Industrie. Zwar muss auch hier die Herkunft des Sojas stets gekennzeichnet sein, ein generelles Verbot für gentechnisch verändertes Soja in der Humanernährung gibt es jedoch nicht. Hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Verpackung. Das gilt insbesondere für sogenannte Soja-Isolate, die sich vermehrt in Proteinshakes, Riegeln und anderen vermeintlichen Fitnessprodukten finden und meist nicht aus heimischem Anbau stammen.

„Um diese Isolate herzustellen, nimmt man sich die Sojabohne vor, entfernt fast alles und behält nur das reine Eiweiß zurück“, erklärt Elisabeth Fischer, stellvertretende Obfrau des Vereins Soja aus Österreich. „Dazu kommen ein paar Füll- und Aromastoffe und fertig ist ein ganz neues Lebensmittel, das mit Soja nur noch sehr wenig zu tun hat. Gerade angesichts dessen, was diese wunderbare Bohne leisten kann, ist das doch schade.“
Natürliche Proteinbombe
„Kein anderes pflanzliches Protein ist für unseren Körper so gut verwertbar wie das der Sojabohne“, erklärt Fischer. „Die biologische Wertigkeit entspricht der von tierischem Eiweiß aus Fleisch oder Milch, nur eben ohne schädliches Cholesterin.“ Damit eignet sich Soja besonders gut als Basis einer pflanzenbasierten Ernährung. Hinzu kommen eine günstige Fettzusammensetzung mit vielen ungesättigten Fettsäuren sowie Mineralstoffe und essentielle Aminosäuren. Mit neun Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm trägt Soja zudem zu einer gesunden Verdauung bei. Dennoch ist die Bohne auch gesundheitlich nicht umstritten.
„Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Unverträglichkeit von Soja in der Bevölkerung zunehmen würde.“
Nehmen die Unverträglichkeiten zu?
„Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Unverträglichkeit von Soja in der Bevölkerung zunehmen würde“, so Fischer. Dass dieser Eindruck dennoch entsteht, lässt sich durch die gestiegene Verbreitung erklären: Wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund berichtet, führe der wachsende Konsum im Zuge vegetarischer und veganer Ernährung dazu, dass mehr Menschen erstmals mit Soja in Kontakt kämen.

Darunter auch jene, die schon zuvor allergisch darauf reagiert hätten, ohne es zu wissen. Laut European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF) sind in unseren Breitengraden nur etwa 0,3 % der Menschen von einer Soja-Allergie betroffen, ein Teil davon im Zusammenhang mit Kreuzallergien gegen Birkenpollen.
Und die Sache mit dem Östrogen?
Ein weiterer Vorwurf betrifft die in Soja enthaltenen Isoflavone. Sie stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu beeinflussen oder die Vermehrung von Krebs zu fördern. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. Isoflavone zählen zu den Phytoöstrogenen, sekundären Pflanzenstoffen, die dem menschlichen Hormon Östrogen strukturell ähneln und an entsprechende Rezeptoren anbinden können. Mehrere Studien, darunter vom American Institute for Cancer Research (AICR) deuten sogar darauf hin, dass erhöhter Soja-Konsum bei diagnostizierter Brustkrebserkrankung die Gesamtsterblichkeit und das Rückfallrisiko mindern könnte Darüber hinaus werden die Isoflavone mit einer möglichen Linderung von Wechseljahresbeschwerden in Verbindung gebracht.
Zudem ist das Vorurteil, dass Isoflavone im männlichen Körper zu einer ‚Verweiblichung‘ führen würden, wissenschaftlich nicht haltbar. Erste Studien legen sogar nahe das eine sojareiche Ernährung positive Auswirkungen auf Prostatakrebspatienten haben könnte.
Bewusster Konsum ist guter Konsum
Die Kritik an importiertem, genetisch verändertem Soja aus Übersee ist berechtigt. Die Bohne selbst sollte deswegen aber nicht pauschal verurteilt werden. Wer auf heimisches Soja aus nachhaltigem, biologisch zertifiziertem Anbau achtet, muss weder ökologische noch gesundheitliche Bedenken haben. Frische oder fermentierte Sojaprodukte können eine sinnvolle Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung sein.



















