Kette im Feld: Gaumen Hoch versucht Weltrekord

Auf einem Feld im Burgenland wurde die „längste kürzeste Lebensmittelkette der Welt“ aufgestellt. Was dahinter steckt.
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© Gaumen Hoch

150 Menschen stehen am Dienstag, den 2. Juni 2026, auf dem Gelände des Bio-Landguts Esterhazy. Bäuer:innen neben Köch:innen, Winzer:innen neben Händler:innen, Hotelier:innen neben Shopbetreiber:innen und Produzent:innen. Sie bilden eine Kette. Jede Person steht für eine Station in einer direkten Lebensmittelkette: Acker, Verarbeitung, Küche oder Regal. Keine Umwege. Die Veranstalter:innen von Gaumen Hoch nennen das „Die längste kürzeste Lebensmittelkette der Welt“. Der Antrag für den Weltrekord ist eingereicht.

Was eine lange Lebensmittelkette verschleiert

Zwischen Feld und Teller liegen in der konventionellen Lieferkette oft fünf, sechs Stationen: Erfasser:innen, Großhändler:innen, Zwischenlager und Distributor:innen. Jede davon kostet: Marge für den Handel, Transparenz für die Köch:innen und Zeit für das Produkt. Je länger die Kette, desto weiter ist der Preis, den Konsument:innen zahlen, vom Preis entfernt, den Produzent:innen erhalten.

Für unsere Bio-Bäuer:innen bedeutet das höhere Produktionskosten: keine synthetischen Pestizide, keine Mineraldünger, aufwendigere Tierhaltung und langsamere Zyklen. Diese Kosten sind nur tragbar, wenn der Preis am Ende der Kette sie auch tatsächlich abbildet. In einer langen Lieferkette passiert das selten. Jede zusätzliche Station optimiert auf Marge, nicht auf Herkunftsqualität

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Was das für Konsument:innen bedeutet

Wer im Supermarkt ein Produkt kauft, weiß in den meisten Fällen nicht: Wo wurde das angebaut? Unter welchen Bedingungen? Wer hat daran verdient, und wer nicht? Transparenz ist in langen Lieferketten nicht vorgesehen.

Der direkte Weg ändert das. Wer weiß, von welchem Betrieb ein Produkt stammt, kann nachfragen. Wer die Person kennt, die es produziert hat, versteht den Preis. Und wer versteht, was Bio-Landwirtschaft bedeutet – für Bodengesundheit, Artenvielfalt, Wasserqualität, letztlich für die eigene Ernährung – trifft andere Entscheidungen.

„Sehnsucht nach Echtheit wächst”

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Alexandra Seyer-Gmeinbauer, Mitgründerin von Gaumen Hoch, über die Idee hinter dem Weltrekordversuch: „In einer Welt, die immer künstlicher und lauter wird, wächst die Sehnsucht nach Echtheit. Nach Menschen, die aus Haltung handeln und nichts verbergen. Genau diese Menschen haben sich in Donnerskirchen aufgestellt. Sie stehen dafür, dass Wertschätzung entlang der gesamten Lebensmittelkette möglich ist.“

Reinhold Gmeinbauer, Mitgründer von Gaumen Hoch: „Was auf den Feldern und Höfen unserer Mitglieder wächst, hat einen positiven Effekt weit über den eigenen Betrieb hinaus: auf unsere Böden, auf das Wasser und auf die Biodiversität. Der kürzeste Weg zwischen diesen Menschen und unseren Tellern ist deshalb keine Frage der Logistik, sondern eine Frage der Verantwortung.“

Warum die Herzform

Gaumen Hoch ist eine zertifizierte Mitgliedergemeinschaft, aber was sie zusammenhält, ist eine gemeinsame Überzeugung: dass Lebensmittel Beziehungen brauchen und keine anonymen Handelsströme.

Ob der Weltrekord anerkannt wird, wird bald an offzieller Stelle entschieden. Was in Donnerskirchen in jeden Fall dokumentiert ist: 150 Menschen, die sich bereiterklärt haben, sichtbar zu machen, wofür sie stehen. Das ist selten genug.

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