Aus dem Gaumen-Hoch-Podcast „Übers Essen spricht man nicht“ mit Alexandra Gorsche (Genusspunkt)
Alexandra Gorsche berät seit über einem Jahrzehnt Hotellerie- und Gastronomiebetriebe im In- und Ausland – mit ihrer Agentur JeGo, ihrem Magazin Genusspunkt und als Moderatorin. Im Gaumen-Hoch-Podcast, aufgezeichnet im Restaurant Edvard bei Küchenchef Paul Gamauf, hat sie erklärt, worauf es bei Gastronomie-Marketing wirklich ankommt. Zehn Punkte daraus, die sich direkt umsetzen lassen.

1. Ein Label ist nur so viel wert, wie es belegbar ist
Nachhaltigkeitssiegel und Auszeichnungen erwecken schnell Vertrauen, wenn sie es verdienen. Gorsches Rat: lieber wenige, aber belegbare Zertifikate als viele, die niemand nachprüfen kann. Ein Label, das „Hand und Fuß“ hat, gibt nicht nur Gästen Orientierung, sondern auch dem eigenen Team Sicherheit im täglichen Tun.
2. Kenn deine Zielgruppe, bevor du postest
Bevor Inhalte entstehen, steht eine einfache Frage: Wer soll das sehen, und warum folgt diese Person dem Account überhaupt? Content ohne Zielgruppenbezug verpufft, egal wie aufwendig er produziert ist.
3. TikTok darf quick & dirty sein
TikTok verzeiht mehr als andere Kanäle. Es muss nicht durchproduziert sein. Ein kurzer Einblick in die Küche, das Tagesgericht oder frisch angelieferte Ware reicht oft schon. Wer auf TikTok zu sehr auf Perfektion setzt, verliert genau das, was den Kanal ausmacht. Ein aktuelles Smartphone reicht oft schon aus. Ein kleines Aufsteck-Licht kostet wenig und macht sichtbaren Unterschied, ein Mikrofon empfiehlt sich, sobald gesprochen wird, besonders bei Hintergrundgeräuschen in Küche oder Gastraum. Teures Equipment ist kein Einstiegskriterium.
4. Authentizität schlägt Hochglanz
Perfekt ausgeleuchtete Teller sind das eine. Aber wenn Inhalte nicht echt wirken, merkt die Community es sofort und wendet sich ab. Wie professionell produziert werden muss, hängt vom Konzept des Betriebs ab: Ein Sternerestaurant hat andere Ansprüche als ein Wirtshaus, beide brauchen aber Glaubwürdigkeit.
5. Community-Arbeit ist tägliche Arbeit, keine Kampagne
Reichweite entsteht nicht durch gelegentliche Postings, sondern durch kontinuierliches Dranbleiben und echten Austausch: Fragen beantworten, auf Kommentare eingehen, auch auf fremden Accounts präsent sein. Wer das nicht leistet, verliert Follower:innen wieder.
6. Influencer:innen-Kooperationen nach Zielgruppe wählen, nicht nach Reichweite
Nicht jede Anfrage passt und eine Absage ist völlig legitim. Entscheidend ist, ob die Community hinter einem Profil tatsächlich zur eigenen Gästeschicht passt. Wer unsicher ist, wie man das einschätzt, sollte sich dafür Unterstützung holen.
7. Akustik und Licht sind Teil des Marketings
Bevor ein Foto entsteht, entscheidet der Raum selbst über das Gästeerlebnis. Licht darf weder Gäste noch Servicepersonal blenden, sollte aber genug Wärme und Erkennbarkeit am Tisch bieten. Akustik entscheidet mit, ob sich Gäste überhaupt unterhalten können. Beides zahlt direkt auf Weiterempfehlung und Fotografierbarkeit ein.
8. Kollaborationen mit Produzent:innen bringen doppelte Reichweite
Gemeinsame Aktionen mit Produzent:innen oder Gastköch:innen erschließen beiden Seiten die jeweils andere Community. Voraussetzung ist Absprache und ein gemeinsames Verständnis, was gezeigt werden soll.
9. Nicht der Küchenchef muss vor die Kamera, aber jemand im Team sollte es wollen
Persönlichkeit ist im Marketing wichtig, aber sie muss nicht von einer bestimmten Person kommen. Wer selbst nicht vor die Kamera möchte, kann im Team nach jemandem suchen, der oder die das gerne übernimmt. Erzwingen bringt nichts.
10. Der ehrlichste Realitätscheck: Was kaufe ich wirklich regional ein?
Viele Betriebe schätzen ihren Anteil an regionalen oder biologischen Zutaten höher ein, als er tatsächlich ist. Ein einfacher Warenkorb-Check schafft Klarheit und zeigt oft, an welchen kleinen Stellschrauben sich am meisten bewegen lässt.
Häufige Fragen
Brauche ich professionelles Kameraequipment für Social Media? Nein, notwendig ist es nicht. Ein gutes Smartphone, ein kleines Licht und je nach Bedarf ein Mikrofon reichen für den Einstieg. Ob mehr Aufwand sinnvoll ist, hängt vom eigenen Konzept und Anspruch ab.
Wie wähle ich die richtige Influencer:innen-Kooperation aus? Entscheidend ist, ob die Community hinter dem Profil zur eigenen Zielgruppe passt – nicht die reine Reichweite. Eine Anfrage abzulehnen ist in Ordnung, wenn die Passung nicht stimmt.
Was macht ein Nachhaltigkeitslabel glaubwürdig? Ein Label ist dann glaubwürdig, wenn seine Kriterien tatsächlich belegbar und nachprüfbar sind. Weniger, aber verlässliche Auszeichnungen schaffen mehr Vertrauen als viele unbelegte.


















