Es gibt Auszeichnungen, die ein Restaurant verändern. Die einen Tisch über Jahre im Voraus ausbuchen. Die Köchinnen und Köche weinen lassen – vor Freude, vor Erleichterung, manchmal vor beiden zugleich. Der Michelin-Stern ist so eine Auszeichnung. Vielleicht die bekannteste der Welt.
Für uns bei Gaumen Hoch ist er nicht das Wichtigste. Uns interessiert, wie ein Restaurant wirtschaftet, woher die Produkte kommen, wie es mit Ressourcen umgeht. Aber wir wären unehrlich, wenn wir sagen würden, dass uns die roten Sterne kalt lassen. Denn viele unserer Mitglieder tragen sie. Und das zeigt: Kulinarische Exzellenz und Verantwortung schließen sich nicht aus.
Was bedeuten die Michelin Sterne?
Der Guide Michelin kennt drei Stufen – und jede davon hat ein klares Versprechen:
- Ein Stern – eine sehr gute Küche, einen Besuch wert. Das Restaurant verdient Aufmerksamkeit. Die Küche ist präzise, die Produkte gut, der Stil erkennbar. Kein Zufall, kein Ausrutscher nach oben – sondern Konstanz auf hohem Niveau.
- Zwei Sterne – eine hervorragende Küche, einen Umweg wert. Hier ist die Reise das Ziel. Wer für ein Zwei-Sterne-Restaurant quer durch Österreich fährt, bereut es nicht. Die Küche hat Persönlichkeit, Tiefe, Eigenständigkeit.
- Drei Sterne – eine einzigartige Küche, eine Reise wert. Die höchste Stufe. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Restaurants, die dieses Urteil tragen. In Österreich aktuell zwei. Drei Sterne bedeuten: Es gibt nichts Vergleichbares. Hier passiert etwas, das man anderswo nicht bekommt.
Wie bewertet der Michelin?
Die Inspektoren des Guide Michelin arbeiten anonym. Sie bezahlen ihre Rechnungen selbst, machen keine Reservierungen unter ihrem echten Namen und kommen – wenn nötig – mehrmals. Was sie bewerten, ist ausschließlich die Küche:
- Qualität der Produkte
- Beherrschung der Techniken
- Harmonie der Aromen
- Persönlichkeit des Kochs
- Konstanz über verschiedene Besuche
Service, Ambiente, Weinkarte, Preis-Leistungs-Verhältnis – das alles spielt keine Rolle für den Stern. Ein Wirtshaus mit Plastikmöbeln kann theoretisch einen Stern bekommen. Was zählt, ist was auf dem Teller passiert.
Geschichte in Österreich
Der Guide Michelin bewertet Restaurants in Österreich seit 2005, zunächst nur in Wien. Von 2010 bis 2024 wurden lediglich Restaurants in Wien und Salzburg im länderübergreifenden Guide „Main Cities of Europe“ berücksichtigt – eine lange Pause für den Rest des Landes.
Seit Jänner 2025 gibt es wieder eine vollständige nationale Selektion. Das Ergebnis überraschte viele: Österreich gehört heute, gemessen an der Einwohnerzahl, zu den sternedichtesten Ländern der Welt. 2026 wurden insgesamt 124 Sterne vergeben – das entspricht 13,54 Sternen pro Million Einwohner und bedeutet Platz 3 weltweit, noch vor Frankreich.
Das erste österreichische Drei-Sterne-Restaurant war das Amador in Wien, das diese Auszeichnung seit 2019 trägt. 2025 kam das Steirereck im Stadtpark dazu – geführt von Birgit und Heinz Reitbauer, beide langjährige Mitglieder unserer Gemeinschaft.
Was uns daran interessiert
Wir schauen nicht nur auf die Sterne-Zahl. Wir schauen darauf, was hinter den ausgezeichneten Küchen steckt. Woher kommen die Produkte? Wie wird mit Resten umgegangen? Welche Beziehung hat der Koch zu seinen Produzentinnen und Produzenten?
Und wir freuen uns jedes Mal, wenn ein Gaumen Hoch-Mitglied ausgezeichnet wird – weil es zeigt, dass der Weg, den diese Betriebe gehen, auch von der Welt der Spitzengastronomie anerkannt wird. Nicht trotz ihrer Haltung, sondern mit ihr.
Die Michelin-Sterne in Österreich – Jahresübersichten
→ Alle Sterne Österreich 2026 – Neuzugänge, Bestätigungen, Gaumen Hoch-Mitglieder
→ Alle Sterne Österreich 2025 – die Rückkehr des Guide Michelin
















