Im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach, das jährlich Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Bereichen anzieht, lag in diesem Jahr bei einer prominent besetzten Diskussion ein Schwerpunkt auf Strategien zur Belebung der österreichischen Kulinarik. Die „Wiener Mittwochsgesellschaft des Handels – Edition Alpbach“ diskutierte unter dem Titel „Positive Veränderungen für Österreichs Gastronomie vorantreiben!“ vor zahlreichen Gästen die Herausforderungen und Chancen der Branche.
Kulinarik zwischen Tradition und Innovation
Gero Dittrich, Mitglied der METRO Cash & Carry International Holding Geschäftsführung, beschreibt die Rolle der heimischen Gastronomie so:
„Österreichs Gastronomie lebt von Menschen, Ideen und der Freude am Genuss. Damit diese Werte auch in Zukunft Bestand haben, braucht es Verantwortung – für Produkte und Produzenten, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Umwelt und nicht zuletzt für unsere Gäste. […] Gastfreundschaft ist mehr als eine Branche – sie ist ein gesellschaftliches Bindeglied. Sie verbindet Wirtschaft mit Kultur, Menschen mit Ideen, Tradition mit Innovation.“
Dabei sei Gastfreundschaft eine „Brücke zwischen Tradition und Zukunft – und ein Beitrag zu einer konstruktiven gesellschaftlichen Debatte.“

Wie Kulinarik Gäste nach Österreich bringt
Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung, präsentierte aktuelle Ergebnisse einer Studie:
„Kulinarik ist ein wichtiger Reiseanlass für Touristinnen und Touristen. Für fast die Hälfte der Befragten beeinflusst sie die Wahl des Urlaubsziels – und vor Ort ist sie für noch mehr Gäste ein zentraler Faktor für einen gelungenen Urlaub. Österreichs Küche kann besonders mit höchster Qualität, Regionalität und einzigartigen Genussmomenten punkten – vom Wirtshaus bis zum Gourmetrestaurant.“

Die Zahlen hinter diesen Aussagen sind beachtlich:
- 5,3 Milliarden Euro Umsatz jährlich in österreichischen Restaurants durch internationale Besucher:innen.
- Durchschnittliche Ausgaben pro internationalem Gast: 199 Euro; auf „kulinarischen Reisen“ sogar 236 Euro.
- 46 Prozent der Befragten möchten bei ihren Besuchen gezielt traditionelle Wirtshäuser erleben.
- Starke Nachfrage gibt es außerdem nach Verkostungen, Bauernmärkten, kulinarischen Stadtführungen, regionalen Produkten und Kochkursen.
Steharnig-Staudinger dazu:
„Damit Österreichs Kulinarik international noch stärker wahrgenommen wird, brauchen wir ein Zusammenspiel aus gelebter Regionalität, Offenheit für Innovation und starker Gastgeberkultur, das wir zielgerichtet kommunizieren müssen. Unsere Küche ist verwurzelt in der Region und gleichzeitig offen für neue Einflüsse – und genau diese Kombination ist die Grundlage für den zukünftigen Erfolg.“
„Veränderung entsteht durch konsequentes Handeln“
Paul Kolarik, geschäftsführender Gesellschafter der Kolarik im Prater GmbH, sieht die Branche durch einen hohen Anspruch und Selbstreflexion gefordert:
„Österreich steht wie kaum ein anderes Land für Gastfreundschaft auf höchstem Niveau. Unser Ziel als Branche muss es sein, diesem Anspruch gerecht zu werden und unseren Gästen auf vielen Ebenen ein positives Erlebnis zu bieten. Dazu gehört auch, uns ständig selbst zu hinterfragen und die kleinen und großen Rädchen zu finden, die uns noch besser machen. Veränderung entsteht durch konsequentes Handeln.“
Mit Blick auf Nachhaltigkeit ergänzt Kolarik: „Unser hoher Qualitätsanspruch und die Überzeugung, dass Bio der Gold-Standard der Lebensmittelproduktion ist, treiben uns an. Wir wollen in allen drei Säulen der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – wirken. Das bringt uns etwas Unbezahlbares: die Loyalität unserer Gäste, Mitarbeiter und Lieferanten – und damit aller Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten.“
Herausforderungen der Branche und Wege in die Zukunft
Neben dem Imagegewinn durch Qualität und Regionalität bleibt die Branche weiterhin gefordert, nachhaltige Lieferketten, faire Arbeitsbedingungen und Innovationen zu etablieren, um Österreich nicht nur im Inland, sondern auch international als Kulinarikland zu positionieren. Die Diskutantinnen und Diskutanten zeigten sich überzeugt, dass „der zukünftige Erfolg der österreichischen Kulinarik einen Brückenschlag zwischen regionaler Verwurzelung und Offenheit für Innovation verlangt“ – so der Tenor des Lunchs.