Biohof Herbst

Ob Knoblauch, Kompost oder Kichererbsen – am Biohof Herbst im Mostviertel arbeiten drei Generationen an innovativen Produkten und biologischen Kreisläufen.
© Biohof Herbst

Die Knofi-Tüftlerin

von Anna Gugerell

„Frau Herbst, ich wusste gar nicht, dass Knoblauch so schmecken kann!“ – das ist eines der schönsten Komplimente, das Maria Herbst für ihre Produkte bekommt. Ob als frische Knolle, schwarzer Humus, eingelegt oder fermentiert – der Knoblauch überrascht in jeder Form. Dank Direktvermarktung kommt die Wertschätzung direkt bei den Produzentinnen und Produzenten an. „Ich bin ein offener Mensch und hinterfrage sehr viel. So kam es, dass wir alle ein bis zwei Jahre ein neues Produkt ins Sortiment aufgenommen haben“, sagt Maria. 

Neugier als Innovationstreiberin

© Biohof Herbst

Bezeichnend dafür ist die Geschichte des fermentierten Knoblauchs: Ein Bekannter bestellte zehn Kilo Knoblauch, was Maria stutzig machte: „Was macht der mit zehn Kilo? Nie im Leben braucht jemand privat zehn Kilo Knoblauch.“ Es stellte sich heraus, er wollte fermentieren. Sie beschlossen einen Deal: Die zehn Kilo gingen als Geschenk, dafür bekam Maria den Prototypen und ein paar Tipps.

Zwei Jahre lang probierte sie alle Varianten – geschält, in Stücken, im Ganzen – und dokumentierte jeden Schritt. Als sie mit dem Ergebnis zufrieden war, wurde der Prototyp vergrößert und weiterentwickelt und der Vorgang professionalisiert. Pünktlich zum 50. Geburtstag ihres Ehemanns Werner kam der fermentierte Bio-Knoblauch in den Verkauf. 

„Die Leute rufen mich an und sagen, sie brauchen keine Cholesterin-Hemmer mehr.“
Maria Herbst über Feedback zu ihren Knoblauch-Produkten

Motto: Vom Feld bis ins Glas

Die Philosophie dahinter ist schnell erklärt: Vom Feld bis ins Glas. „Es erfüllt uns, dass wir alles selbst anbauen und produzieren“, sagt Maria. Als die Idee für den schwarzen Hummus mit Knoblauch entstand, war klar: Kichererbsen müssen her. Auch dieses Projekt trug Früchte – der schwarze Hummus, der auf den ersten Blick wie Schokolade aussieht, ist der Renner bei Messen und im Shop. „Die Leute rufen mich an und sagen, sie brauchen keine Cholesterin-Hemmer mehr“, sagt Maria. Die Landwirtin wundert das nicht: Sie ist diplomierte Ernährungstrainerin und weiß, was Knoblauch kann. Maria ist Niederösterreichs einzige Bio-Bäuerin, die Knoblauch fermentiert. Ihr Erfolgsrezept: „Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft und Begeisterung und das ist ansteckend!“

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Der schwarze Knoblauch wird auf Messen öfter mit Nutella verwechselt, dabei ist er so viel besser.

Drei Generationen Bio-Landwirtschaft

Ganz sicher sogar, denn auch der Nachwuchs ist motiviert. Sohn Lukas und seine zukünftige Frau Patricia haben den Hof offiziell übernommen und so arbeiten drei Generationen gemeinsam. „Das ist das größte Geschenk für uns“, sagt Maria. Ihre drei Kinder sind mit Bio-Lebensmitteln aufgewachsen und als Jungbauer Lukas als neuer Betriebsleiter einen „Umstellerkurs“ machen sollte, fragte er sich: „Wozu? Ich bin geborener Bio-Bauer!“ 

Als Werner und Maria den Hof 1995 übernahmen war er bereits bio-zertifiziert, mit einer Fläche von zehn Hektar. Nach und nach kamen neue Betriebszweige dazu ­– von Getreide über Birnen bis zum Kompost. Heute bewirtschaftet die Familie 85 Hektar Ackerfläche und 20 Hektar Wald. Aktuell grasen neun Schafe auf einer ausrangierten Tafelbirnen-Fläche abgesehen von den Bienen auf insgesamt acht Hektar Biodiversitätsfläche.  Weiters steht die Fruchtbarkeit des Bodens in Mittelpunkt: „Gesunder Boden, gesunde Pflanze, gesunde Lebensmittel“, fasst Maria zusammen.

„Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft und Begeisterung und das ist ansteckend!“
Maria Herbst, Bio-Bäuerin
© Biohof Herbst
Die Ideen für neue Produkte gehen Maria Herbst nicht aus.

Kreislaufwirtschaft mit Bildungsauftrag

Der Schritt zu Bio-Kompost war ein Meilenstein. Die Idee entstand über einen Kontakt aus Marias Tätigkeit als Firmhelferin in der örtlichen Pfarre. Beim Prozess wird der Bio-Abfall der umliegenden Gemeinden kompostiert, der entstandene Humus kommt auf Felder und Vorgärten – ein geschlossener Kreislauf. „Vom Bio-Müll zum Humus“ heißt daher auch das „Schule am Bauernhof“-Programm, das Maria anbietet.

Neue Projekte kommen am Biohof Herbst regelmäßig dazu, die Qualität bleibt dabei Maßstab. „Es geht mir nicht darum, immer größer zu werden. Aber das Tüfteln macht mir so großen Spaß und ich bin sehr dankbar dafür, dass fast immer alles aufgegangen ist.“ Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt, denn die Ideen gehen Maria bestimmt nicht aus.

Maria Herbst

Was ist dein Lieblingsessen?
Gegrillter heimischer Fisch mit Knoblauch, Gemüse und Salat.
Ein Geschmack deiner Kindheit?
Erdäpfelsterz von meiner Oma, den alle aus einem Topf gegessen haben. Sie hat mir einmal das Geheimnis verraten, warum der so gut war: Schweineschmalz.
Was war dein bestes kulinarisches Erlebnis?
Wir kochen am liebsten selbst, und zwar frisch jeden Tag. Aber natürlich gehen wir auch gerne essen, zum Beispiel ins Vinzenz Pauli.
Was machst du zum Abschalten?
Ich gehe regelmäßig Walken und Schwimmen, und am Wochenende mit Freunden auf den Berg.
Biohof Fam. Herbst

Biohof Fam. Herbst ist Mitglied von Gaumen Hoch*

*Gaumen Hoch ist eine Gemeinschaft von Menschen aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, aus dem Weinbau, der Hotellerie, dem Lebensmittel-Verkauf und der -Verarbeitung, die sich mit ihrem verantwortungsvollen Handeln für einen gastronomischen Wandel einsetzen. Mit ihrer Mitgliedschaft leisten sie einen Beitrag, um diese Veränderung zu unterstützen. Gaumen Hoch-Mitglieder bekennen sich zu unserem Wertemanifest und werden jährlich von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft.

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