Die 120 Angusrinder des Bio-Landguts haben ein schönes Leben. Sie dürfen das ganze Jahr auf der Weide oder im offen gehaltenen Unterstand verbringen und werden im Winter ausschließlich mit eigenproduziertem Biofutter wie Kleegras- oder Wiesenheu verköstigt.

Aber sie müssen auch etwas tun für dieses Leben im Rinder-Schlaraffenland, nämlich dabei helfen, die Natur in dieser einzigartigen Kulturlandschaft zu schützen. „Sie sollen bei uns nicht nur satt werden, sondern auch ihre Aufgabe erfüllen“, sagt Elisabeth Winkler, die in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung des Bio-Landguts Esterhazy für Tierhaltung und Grünlandflächen zuständig ist.
„Ich bin schon als Kind mit Rindern aufgewachsen und bin ein absoluter Fan dieser Tiere. Sie sind mein Herz und meine Seele.“
Konkret sieht das so aus: Entlang des Schilfgürtels vom Neusiedler See drängen die Rinder das Schilf zurück, indem sie die jungen Pflanzen fressen und so eine Barriere gegen den Schilfdruck schaffen. Auch die Naturschutzflächen am Kogelberg in St. Margarethen werden von den Rindern des Bio-Landguts beweidet. Dort geht es darum, wertvolle Trockenrasen-Lebensräume zu erhalten und die Artenvielfalt zu fördern. Seit Herbst 2025 „pflegen“ die Angusrinder diese Flächen, die durch die Beweidung vor Verbuschung geschützt werden. „Unsere Rinder sind nicht nur Lieferanten von hochwertigem Bio-Fleisch, sondern auch echte Naturschützer“, sagt Elisabeth Winkler über ihre erklärten Lieblingstiere.
Bodyguards für Legehennen
Deutlich weniger Verantwortung für ihre Umgebung tragen die 550 Legehennen des Bio-Landguts Esterhazy. Verwöhnt werden sie deshalb aber nicht weniger. Sie „wohnen“ in zwei mobilen Legehennenställen, die überdimensionalen Wohnwägen gleichen und werden von Futterplatz zu Futterplatz chauffiert. Dort, wo sie gerade „campen“, wird der Platz um die Ställe eingezäunt, und dann können die Hühner den lieben langen Tag tun, was sie am liebsten tun: Gackern, picken und scharren. Sogar „Bodyguards“ werden den emsigen Eierlieferantinnen in diesem Bio-Landgut zur Verfügung gestellt.

„Die Hühner sind ein beliebtes Angriffsziel für Greifvögel, die sie sich in der Vergangenheit immer wieder als besondere Leckerbissen gekrallt haben“, erzählt Elisabeth Winkler. Deshalb hat man ihnen Ziegen als Herdenschutztiere zur Seite gestellt: „Die werden dann von den Greifvögeln als erstes gesehen, und das schreckt sie nachhaltig ab“, erklärt Elisabeth die Aufgabe der vierbeinigen „Hühner-Bodyguards“. Zusätzlichen Schutz bieten eigens angelegte Korridorstreifen, in denen Mais oder Sonnenblumen angepflanzt werden. Hier können die Hühner der Rasse Lohmann Brown nicht nur nach Herzenslust scharren, sondern sich auch verstecken: „Das tun sie auch dann besonders gern, wenn keine Gefahr durch Greifvögel droht“, weiß Elisabeth Winkler.

Immer in Kreisläufen denken
Eine große Rolle spielt im Bio-Landgut Esterhazy auch der Ackerbau, der sich auf einer Fläche von 5.600 Hektar erstreckt – der Großteil davon in Eigenbewirtschaftung, der Rest ist an Landwirtinnen und Landwirten aus der Umgebung verpachtet. „Wir denken unsere biologische Landwirtschaft nicht nur von der Ansaat bis zur Ernte, sondern deutlich weiter. Denn für uns sind auch Nährstoffkreisläufe, die wir schließen wollen, ein großes Thema. Deshalb haben wir auch Kooperationen mit vielen Landwirtinnen und Landwirten aus der Region, die auf unseren Naturschutzwiesen Futter mähen dürfen und uns im Gegenzug mit Nährstoffen in Form von Wirtschaftsdünger (Stallmist) versorgen“, erklärt Elisabeth Winkler.
„Wir verstehen uns als Leitbetrieb auch in Bezug auf die Herausforderungen, die die klimatischen Veränderungen mit sich bringen. Wir sind immer am Ausprobieren verschiedener Kulturen.“

Weil der Klimawandel in dieser Region in Form von Trockenheit bereits deutlich spürbar ist, wird am Bio-Landgut Esterhazy beständig getüftelt und probiert. So baut man zum Beispiel Kichererbsen an, die mit Trockenheit besser umgehen können als andere Früchte aus dem Boden. Und man arbeitet mit sogenannten Zwischenbegrünungen, um das Wasser im Boden zu halten. Elisabeth Winkler beschreibt die Funktion dieser artenreichen Zwischenfruchtmischungen mit z.B. Rübsen, Sudangras oder Ramtillkraut so: „Wir lassen den Acker im Winter nicht brachliegen, sondern bauen im Herbst diese schnellwüchsigen Pflanzen an, die Wasser speichern können und Austrocknung verhindern. Dieses Wasser können wir dann im Frühjahr durch Umarbeitung wieder freisetzen.“

Das Bio-Landgut Esterhazy ist in seiner Vielschichtigkeit und Innovationskraft ein faszinierender Betrieb, den man unter dem Motto „Biologische Landwirtschaft zum Anfassen“ auch bei täglichen Führungen besser kennenlernen kann. Darüber hinaus finden hier regelmäßig Veranstaltungen wie der Hofmarkt samt Familienfest statt. Dabei lässt sich hautnah erleben, was Elisabeth Winkler so beschreibt: „Wir bleiben nie stehen, und das Unternehmen ist immer offen für neue Ansätze und Ideen.“


















