
Drei Tage, drei kulinarische Handschriften und eine lange Tafel mitten im Acker: Von 11. bis 13. August luden Gaumen Hoch und der Biohof Achleitner erstmals in Österreich zu „Farm is Table“. Die beiden öffentlich buchbaren Dinner waren ausverkauft. Bei einem zusätzlichen Stakeholder-Event kamen Menschen aus Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft und Lebensmittelwirtschaft zusammen. Begleitet wurde der Abend von einer partiellen Sonnenfinsternis.
Gegessen wurde dort, wo die Lebensmittel wachsen: mitten im Ackerboden am Biohof Achleitner in Pupping bei Eferding. Die Gäste nahmen an einer langen, direkt aus der Erde gearbeiteten Tafel Platz, umgeben von Pflanzen, Feldern und jenen Lebensmitteln, die zur Grundlage der Menüs wurden.
Gekocht wurde von den Gaumen Hoch Spitzenköch:innen Theresia Palmetzhofer von „Zur Palme“, Klemens Gold von „RAU.nature.based.cuisine)“ und Karl Wrenkh von „Wrenkh Restaurant und Kochsalon“. Für die passende Bio-Weinbegleitungen sorgten Fred Loimer (Weingut Loimer), Birgit Braunstein (Familienweingut Braunstein) und Kurt Feiler (Weingut Feiler-Artinger).
„Mit Farm is Table wollten wir auf besondere Weise erlebbar machen, dass jedes gute Lebensmittel im Boden beginnt.“
„Mit Farm is Table wollten wir auf besondere Weise erlebbar machen, dass jedes gute Lebensmittel im Boden beginnt. Gleichzeitig zeigt das Format, was möglich wird, wenn Landwirtschaft, Gastronomie und Konsument:innen gemeinsam Verantwortung übernehmen – für gesunde Böden, hochwertige Lebensmittel und eine zukunftsfähige Landwirtschaft.“, betonen die Gaumen Hoch-Gründer:innen Alexandra Seyer-Gmeinbauer und Reinhold Gmeinbauer, und weiter: „Im Hitze- und Dürrejahr 2026 zeigt sich leider mehr denn je: Die Klimakrise bringt unser Ernährungssystem an einen Kipppunkt, die Ernteausfälle sind mit bis zu 90 Prozent enorm. Klimafitte, gesunde Böden sind Teil der Lösung, und genau das wollen wir mit den mit den Farm is Table aufzeigen. Wenn alle entlang der Wertschöpfungskette zusammenhalten und bewusste Entscheidungen treffen, können wir Teil der Lösung werden anstelle Teil des Problems zu sein.“
Die besten Bilder zu „Farm is Table” 2026




























































































































Drei Tage, drei kulinarische Zugänge

Den Auftakt gestaltete Theresia Palmetzhofer, Köchin im Restaurant Zur Palme im Mostviertel. Ihre Küche richtet sich danach, was Saison, Region und Ernte gerade zur Verfügung stellen. Dafür arbeitet sie eng mit einem gewachsenen Netzwerk regionaler Produzent:innen zusammen. Auch bei „Farm is Table” begann das Menü nicht mit einer fertigen Idee, sondern mit den biologischen Lebensmitteln, die am Biohof Acheitner zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren.

Theresia Palmetzhofer
Den kulinarischen Auftakt am 11. August macht Theresia Palmetzhofer. Sie verfolgt in ihrem „Gasthaus zur Palme“ in Neuhofen an der Ybbs einen regional-saisonalen Zugang, der Produzent:innen aus der Region in die Auslage stellt. Ihre Küche ist vielfach haubendekoriert – aktuell vier an der Zahl. Zudem wurde sie 2023 von Rollingpin zum „Female Chef des Jahres“ gekürt.
Am zweiten Tag kochte Klemens Gold von RAU.nature.based.cuisine für eine geladene Runde aus Vertreter:innen der Landwirtschaft, Gastronomie, der Lebensmittelwirtschaft und Wissenschaft. Seine Küche beginnt damit, die Natur eines Lebensmittels zu verstehen: seine Herkunft, seine Umgebung und die Bedingungen, unter denen es wächst. „Natur based” bedeutet für Gol nicht nur Respekt gegenüber dem Produkt, sondern auch gegenüber den Menschen, die es hervorbringen.
Das Stakeholder-Event bot Raum für den persönlichen Austausch zwischen den Branchen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Landwirtschaft und Gastronomie enger und verlässlicher zusammenarbeiten und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft unseres Lebensmittelsystems übernehmen können.
Partielle Sonnenfinsternis über dem Acker


Begleitet wurde der Abend mit Klemens Gold von einem seltenen Naturschauspiel. Am 12. August ereignete sich über Eferding eine partielle Sonnenfinsternis. Um 19.22 Uhr begann sich der Mond vor die Sonne zu schieben. Um 20.14 Uhr erreichte die Finsternis ihren Höhepunkt, kurz darauf ging die teilweise verdeckte Sonne unter.
So veränderte sich über dem Feld für einige Minuten das Licht – ausgerechnet an einem Abend, an dem sich alles um Natur, Kreisläufe und unsere Verbindung zur Erde drehte.

Klemens Gold
Am 12. August wird Klemens Gold zeigen, was „Nature Based Cuisine“ für ihn bedeutet. Seine Avantgarde-Küche fokussiert stark auf saisonale Zyklen – bei ihm gibt es nicht nur vier, sondern sogar zehn Jahreszeiten. Golds Restaurant in Rau in Großraming ist sowohl mit einem klassischen roten Michelin-Stern wie auch mit einem grünen für eine besonders nachhaltige Küche ausgezeichnet.
Am dritten Tag lud Karl Wrenkh sie Gäste bereits am Nachmittag zu einem gemeinsamen Kochkurs ein. Zusammen wurden jene Lebensmittel vorbereitet und möglichst vollständi verarbeitet, die später am Abend auf den Tisch kamen. Die Gäste erlebten damit nicht nur, wo die Zutaten wachsen, sondern wurden selbst Teil ihrer Zubereitung.

Gemüse und pflanzliche Lebensmittel bilden für Karl Wrenkh den Ausgangspunkt einer modernen, undogmatischen Küche. Gleichzeitig versteht er gemeinsames Kochen und Essen als etwas Verbindendes. Aus einzelnen Gästen wurde für einen Nachmittag eine Küchengemeinschaft – und aus den gemeinsam vorbereiteten Lebensmitteln schließlich ein Dinner für alle an einer langen Tafel im Feld.
Karl Wrenkh
Und schließlich sind am 13. August wahre Pioniere der pflanzenbasierten, biologischen Küche am Werk: Karl und sein Bruder Leo Wrenkh leben in ihrem Restaurant in Wien ein Konzept, das zurecht unter dem Titel „Kochen für morgen“ steht.
Eine Idee aus New York kommt nach Österreich
Die Idee hinter „Farm is table” geht auf den New Yorker Architekten und Künstler Allan Wexler zurück. Bereits 1983 entwickelte er im Rahmen seiner „Floor Furniture Series“ die Skizze eines bodengleichen Tisches mit seitlich in die Erde eingelassenen Sitzplätzen.
Viele Jahre später wurde das Konzept auf den Treiber Farms im US-Bundesstaat New York tatsächlich umgesetzt. Mitten im Feld entstand eine lange Tafel aus Erde., gekocht wurde überwiegend mit Lebensmitteln direkt vom Hof. Die eindrucksvollen Bilder verbreiteten sich über soziale Medien weit über die Region hinaus.
Der Biohof Achleitner und Gaumen Hoch brachten die Idee nun erstmals nach Österreich. Dabei ging es um weit mehr als ein spektakuläres „Farm is Table” sollte unmittelbar erlebbar machen, dass alles, was wir essen, im Boden beginnt.
Gesunde Böden sind unsere Lebensgrundlage
Vor dem gemeinsamen Essen führte der Weg über den Biohof Achleitner. Die Gäste erfuhren, was gerade auf den Feldern wächst, wie biologische Landwirtschaft arbeitet und warum ein gesunder Boden die wichtigste Grundlage für gesunde Lebensmittel ist.
Ein lebendiger, humusreicher Boden versorgt Pflanzen mit Nährstoffen, bietet unzähligen Organismen einen Lebensraum und kann Wasser besser aufnehmen und länger speichern. Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden wird diese Fähigkeit immer wichtiger.
Wie brisant das Thema ist, zeigt das Dürrejahr 2026. Im ersten Halbjahr fiel in Österreich um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt, in manchen Regionen sogar bis zu 50 Prozent weniger. Ernteausfälle, fehlendes Futter und steigende Produktionskosten haben in der österreichischen Landwirtschaft bereits Schäden von rund einer Milliarde Euro verursacht.
Biologische Landwirtschaft schützt und stärkt den Boden
Biologische Landwirtschaft leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, Böden langfristig fruchtbar und widerstandsfähig zu halten. Vielfältige Fruchtfolgen, organische Düngung, Begrünungen und der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel fördern das Bodenleben und unterstützen den Aufbau von Humus.
Ein gesunder Boden kann Niederschläge besser aufnehmen, Wasser länger verfügbar halten und Pflanzen dadurch helfen, Trockenperioden zu überstehen. Biologische Landwirtschaft schützt somit nicht nur die Grundlage der Lebensmittelproduktion, sondern stärkt auch die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegenüber den Folgen der Klimakrise.
„Farm is Table“ machte diese Zusammenhänge nicht anhand abstrakter Schaubilder, sondern durch ein gemeinsames Erlebnis begreifbar: Ohne gesunden Boden gibt es keine gesunden Pflanzen – und ohne gesunde Pflanzen keine hochwertigen Lebensmittel.
Vom Blatt bis zur Wurzel
Auch in den Menüs spiegelte sich die Wertschätzung für die Lebensmittel wider. Verarbeitet wurde überwiegend, was am Biohof und in der Region gerade verfügbar war – biologisch, saisonal und möglichst vollständig.
Nach dem Prinzip „Leaf to Root” wurden nicht nur die vertrauten Teile der Pflanze verwendet. Auch Blätter, Stängel oder Karottengrün fanden ihren Platz in den Gerichten. Denn was auf einem gesunden Boden mit viel Arbeit wächst, verdient eine möglichst vollständige Verwertung.
Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Gastronomie

„Farm is Table“ zeigt, dass gute Lebensmittel nicht isoliert entstehen. Landwirt:innen schaffen die Grundlage, indem sie Böden pflegen und Lebensmittel anbauen. Köch:innen übersetzen die Ernte in Gerichte und machen deren Vielfalt für ihre Gäste erlebbar. Konsument:innen wiederum entscheiden mit, welche Form der Landwirtschaft sie durch ihren Einkauf und ihre Restaurantwahl unterstützen.
Besonders das Stakeholder-Event am 12. August bot Raum für persönliche Gespräche, neue Verbindungen und ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der unterschiedlichen Branchen. Denn langfristige Veränderung entsteht dort, wo Landwirtschaft und Gastronomie nicht nur übereinander, sondern miteinander sprechen.
Aus diesem Austausch können verlässliche Partnerschaften entstehen: Landwirtschaftliche Betriebe erhalten mehr Planungssicherheit, während Gastronom:innen Zugang zu hochwertigen biologischen Lebensmitteln aus der Region bekommen. Wenn Köch:innen ihre Menüs stärker danach ausrichten, was auf den Feldern tatsächlich wächst, profitieren die Betriebe, die Böden und letztlich auch die Gäste.
Die drei „Farm is Table“-Tage am Biohof Achleitner machten deutlich: Der Weg zu einem zukunftsfähigen Lebensmittelsystem führt über gesunde Böden, biologische Landwirtschaft und einen starken Schulterschluss zwischen allen Menschen, die daran beteiligt sind – vom Acker bis zum Teller.
„Über uns wachsen die Probleme, unter uns die Lösung: Wie Farm is Table bewiesen hat, dass echter Klimaschutz nach purem Genuss schmeckt.“
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