
Sabrina Leal Garcia
(vormals Sabrina Mörkl) ist Fachärztin für Psychiatrie an der Med Uni Graz und eine der profiliertesten Stimmen der Ernährungspsychiatrie im deutschsprachigen Raum. Beim Gaumen Hoch-Symposium am 7. und 8. Oktober in der Reitschule Grafenegg spricht sie über Psychobiotika und die Frage, was unsere Psyche wirklich nährt.
Was wir essen, wirkt weit über den Körper hinaus. Es prägt unsere Darmbakterien und unser Immunsystem. Möglicherweise beeinflusst es sogar, wie wir fühlen und denken, und wie wir mit unserer Umwelt in Beziehung treten.
„Nichts ist drinnen, nichts ist draußen; denn was innen, das ist außen.“
Diese Worte Goethes sind über 200 Jahre alt. Sie wirken heute erstaunlich modern. Denn je genauer wir den menschlichen Organismus erforschen, desto deutlicher wird, dass die Grenze zwischen innen und außen weit weniger eindeutig ist, als wir lange gedacht haben.
„Wir ernähren niemals nur uns selbst. Mit jeder Mahlzeit nähren wir auch die Billionen Mikroorganismen, mit denen wir zusammenleben.“
Unser Darm beherbergt ein hochkomplexes Ökosystem aus Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen, unser Mikrobiom. Es steht in einem kontinuierlichen Austausch mit uns. Was wir essen, verändert dieses Ökosystem. Seine Bewohner wiederum produzieren Stoffwechselprodukte, die mit unserem Immunsystem, unserem Stoffwechsel und über die Darm-Hirn-Achse auch mit unserem Gehirn kommunizieren.
Damit bekommt die scheinbar einfache Frage „Was nährt unsere Psyche?“ eine ganz neue Dimension.
Ernährung ist mehr als die Summe von Kalorien, Vitaminen und Mineralstoffen. Sie liefert auch Substrate für unsere Mikroorganismen und beeinflusst damit jene biologische Landschaft, in der Gesundheit entsteht. Wir essen zudem nie im luftleeren Raum. Wie wir essen, mit wem wir essen, wie Lebensmittel produziert werden und in welcher Umwelt wir leben, verbindet unsere innere mit unserer äußeren Welt.
Vielleicht sollten wir Gesundheit weniger als Eigenschaft des einzelnen Menschen als das Ergebnis gelingender Beziehungen.
Genau diese Beziehungen möchte ich beim Gaumen Hoch-Symposium aus psychiatrischer und wissenschaftlicher Perspektive betrachten: Was wissen wir heute über den Zusammenhang zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit? Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom für unser Gehirn und unser emotionales Erleben? Und wie weit ist die Forschung zu sogenannten Psychobiotika – also mikrobiellen Ansätzen, die gezielt über die Darm-Hirn-Achse auf psychische Prozesse wirken könnten?
GAUMEN HOCH-SYMPOSIUM
🗓️ 7. und 8. Oktober 2026
📍 Grafenegg Reitschule | Rudolf Buchbinder Saal
Zwei Tage voller Inspiration, Begegnungen und neuer Perspektiven auf unser Ernährungssystem. Das Gaumen Hoch-Symposium bringt Menschen aus Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft, Politik, Medien und Wirtschaft zusammen, um gemeinsam die Zukunft unseres Ernährungssystems neu zu denken.
Dabei geht es nicht darum, einzelne Lebensmittel zu „Psychopharmaka auf dem Teller“ zu erklären. Die Zusammenhänge sind komplexer – und gerade deshalb faszinierend.
Psychische Gesundheit beginnt oft früher als im Gehirn. Sie beginnt im Boden und auf dem Teller, im eigenen Darm, aber genauso in der Art, wie wir mit der Welt um uns in Beziehung treten.
Was uns nährt, ist immer auch eine Frage dessen, womit wir verbunden sind.
Priv.-Doz. DDr. Sabrina Leal Garcia, ehemals Sabrina Mörkl, ist Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin an der Klinischen Abteilung für Medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie der Med Uni Graz und leitet dort die Spezialambulanz für Biologische Psychosomatik, Ernährung und Psyche. Sie forscht zur Darm-Hirn-Achse und zum Zusammenhang zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit, sitzt im Vorstand der International Society for Nutritional Psychiatry Research und ist Autorin des Buchs „Ernährung für die Psyche: Das Kochbuch“.

















