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Warum wir so viel Rindfleisch importieren

Österreich produziert mehr Rindfleisch, als es verbraucht – aber warum importiert es dann so viel Rindfleisch (und ganze Rinder!) aus dem Ausland?
von Lucas Palm
Rindfleisch
@ Canva

Auf den ersten Blick ist es eine erfreuliche Zahl: Österreich hat in Sachen Rindfleisch eine Selbstversorgungsquote von 145 Prozent. Heißt: Das Fleisch jener Rinder, die in Österreich aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet werden, könnte rund 145 Prozent der österreichischen Bevölkerung ernähren. Also mehr als nötig. Klingt doch in Zeiten des allseits propagierten Regionalismus ziemlich gut – oder?

© Canva
Rinderherde

Die Sache ist nur die: Obwohl Österreich eigentlich ausreichend Rindfleisch für die Bevölkerung produziert, importiert es dieses auch – und zwar in gar nicht so geringem Ausmaß. Knapp 57.000 Tonnen Rindfleisch wurden alleine im Jahr 2022 aus dem Ausland importiert, dazu kamen 89.937 nicht verarbeitete, also ganze Schlachtrindern. Stellt sich die Frage: Warum?

Österreichisches Rindfleisch: Für viele Betriebe zu teuer

Zunächst einmal: Die Selbstversorgungsrate ist eigentlich eine theoretische Zahl. Sie berechnet sich aus der in Österreich produzierten und verbrauchten Menge eines Lebensmittels.

Sprechen wir von Rind, dann meinen wir nicht Rindfleisch im engeren Sinne, sondern auch Kalb-, Kuh-, Ochsen- oder Stierfleisch – kurz: alles, was von der Rinderfamilie an Fleisch gewonnen werden kann. Die Realität ist aber immer ein bisschen komplizierter als die Theorie. Denn nicht alles, was hierzulande an Rind- und Kalbfleisch produziert wird, wird auch von Österreicher:innen gegessen.

© Canva
Abgepacktes Rindfleisch

Das gilt zum Beispiel für Innereien sowie Kopf- und Klauenfleisch. Fleischteile also, die gerne unter anderem nach Asien und in den afrikanischen Kontinent exportiert werden. Ganz einfach, weil es hierzulande zu wenig Nachfrage gibt – dort aber sehr wohl. Mit vielen Edelteilen ist es das Gegenteil: Diese landen zum größten Teil in den heimischen Supermarktregalen, wo die Endkunden durchaus bereit sind, einen mehr oder weniger angemessenen Preis dafür zu bezahlen. Ein Preis, der jedoch vielen Verarbeitungs- und Gastronomiebetrieben zu hoch ist.

Kälbermast: Im Ausland günstiger, aber mangelhaft

Der Großteil der Rindfleischimporte geht auf das Konto von Unternehmen, die Rindfleisch zu Wurst- oder Fertigprodukten verarbeiten, aber auch auf das der (System-)Gastronomie und der Gemeinschaftsverpflegung. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass das heimische Rind- und Kalbfleisch vergleichsweise teuer ist.

© flickr | Tom Jervis
Tiertransporter-Frachtschiff
Um den Übersee-Transport zu bewerkstelligen, werden spezielle Frachtschiffe eingesetzt.

Zumindest mit jenen Ländern, in denen die Vorschriften zur Kälber- und Rindermast weniger streng geregelt sind. Also wird diese Mast gewinnbringend ausgelagert.

Heißt: Kälber werden ins Ausland geschifft, wo die Mast eben weniger stark reguliert und günstiger ist – bevor sie, ob nun als Kälber oder ältere Rinder, wieder nach Österreich importiert werden, um nach der Schlachtung möglichst günstig verarbeitet zu werden.

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