Bio galt zuletzt als erstes Opfer der Inflation. Teurere Lebensmittel, so die Erwartung, würden den Markt wieder in Richtung konventioneller Produkte verschieben. Die neuen Daten der RollAMA zeichnen ein anderes Bild.
Trotz Teuerung stammt das Mengenwachstum im österreichischen Lebensmittelhandel seit mehreren Jahren praktisch ausschließlich aus dem Bio-Segment. Konventionelle Produkte wachsen kaum noch. Bio ist damit nicht nur stabil geblieben – es ist zum Wachstumsmotor des Lebensmittelhandels geworden.
Bio erreicht wieder Rekordniveau
Auch kurzfristig zeigen die aktuellen Daten nach oben. 2025 stiegen die Einkaufsmengen von Bio-Lebensmitteln um 2,3 Prozent, die Ausgaben sogar um 6,5 Prozent. Der Bio-Anteil im Warenkorb liegt damit bei rund zwölf Prozent – nahe am bisherigen Höchststand.

Die Zahlen stammen aus der rollierenden Agrarmarktanalyse der AMA-Marketing, kurz RollAMA. In diesem Panel dokumentieren rund 2.800 österreichische Haushalte ihre Lebensmitteleinkäufe, die anschließend auf den Gesamtmarkt hochgerechnet werden.
Langfristig zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Seit 2010 hat sich der Bio-Umsatz im Lebensmittelhandel von rund 493 Millionen Euro auf mehr als 1,5 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.
Bio wächst dort, wo Lebensmittel entstehen
Besonders stark ist Bio bei Produkten, die dem landwirtschaftlichen Ursprung nahe sind. Zu den wichtigsten Bio-Warengruppen zählen:
- Frischgemüse
- Frischobst
- Milchprodukte
- Eier

Bei Milchprodukten liegt der Bio-Anteil bereits bei über 20 Prozent, bei Eiern bei rund 19 Prozent. Eier gelten inzwischen als reifes Segment: hohe Nachfrage, stabiler Markt. Anders sieht es bei verarbeiteten Produkten aus. Bei Butter oder bestimmten Käsearten – in der Marktanalyse als „gelbe Palette“ bezeichnet – bewegt sich der Bio-Anteil deutlich langsamer.
Fleisch wird zum neuen Bio-Trendsegment
Eine Warengruppe entwickelt sich derzeit dynamischer als andere: Fleisch.Der Bio-Anteil ist hier noch vergleichsweise niedrig, wächst jedoch kontinuierlich. Besonders Geflügel zeigt steigende Nachfrage.Langfristig hat sich der Bio-Umsatz mit Fleisch und Geflügel sogar mehr als verdoppelt.
Bio ist kein Inflationstreiber
Ein Befund der Analyse widerspricht einer verbreiteten Annahme. Die Preise für Bio-Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger stark gestiegen als die für konventionelle Produkte.
Langfristige Entwicklung:
- Bio: +17 Prozent
- Nicht-Bio: +33 Prozent
Der Preisabstand zwischen Bio und konventionellen Produkten hat sich damit in vielen Warengruppen verringert.

Protein verändert den Einkaufswagen
Neben Bio identifiziert die Analyse drei zentrale Trends im Lebensmittelhandel: Preise, Aktionen und Protein. Vor allem der Protein-Trend zeigt sich deutlich im Einkaufsverhalten. Besonders stark wachsen etwa:
- Naturjoghurt und Skyr
- Cottage Cheese
- Hühnerfleisch
Auch pflanzliche Alternativen legen weiter zu. Die Einkaufsmenge stieg zuletzt um 14 Prozent. Trotz intensiver Debatten über Ernährungswandel bleibt das Verhältnis im Warenkorb jedoch erstaunlich stabil: pflanzliche und tierische Produkte halten sich mengenmäßig weiterhin fast die Waage.
Aktionen erreichen neue Höchststände
Parallel dazu wächst die Bedeutung von Rabattaktionen im Handel weiter. Der Anteil der Aktionsware liegt inzwischen bei über einem Drittel des Umsatzes. Besonders hoch ist er bei Fleisch und Wurst – dort werden bereits mehr als 40 Prozent der Produkte im Rahmen von Aktionen verkauft. Aktionen steigern zwar kurzfristig den Absatz, ihr Einfluss auf reguläre Verkäufe bleibt jedoch begrenzt.
Herkunft bleibt das stärkste Argument
Eine Erkenntnis relativiert die Bedeutung von Bio als Kaufargument. Wenn Konsumentinnen und Konsumenten zwischen einem österreichischen konventionellen Produkt und einem importierten Bio-Produkt wählen müssen, entscheiden sich rund 90 Prozent für die heimische Herkunft. Regionalität bleibt damit das wichtigste Orientierungskriterium im Einkauf – auch für Bio-Käufer.
Bio ist im Alltag angekommen
Die RollAMA-Daten zeigen damit zwei parallele Entwicklungen. Bio hat sich im Alltag vieler Haushalte etabliert und wächst langfristig stabil weiter. Gleichzeitig bleibt Herkunft das zentrale Kriterium im Einkauf.
Bio ist damit weniger Nische als Teil einer breiteren Veränderung im Lebensmittelmarkt – getragen von Nachfrage, Gewohnheit und wachsender Verfügbarkeit im Handel.



















