Am 13. Januar trafen sich Landwirt:innen, Gastronom:innen sowie Sommeliers und Sommelières aus ganz Österreich im Gasthaus Thaller in der Südsteiermark. Dort zeigte der international renommierte Biodynamie-Experte Vincent Masson: Biodynamie ist kein Hokuspokus, sondern präzises Handwerk mit zukunftsweisenden Ergebnissen.
Beim Demeter-Seminar mit Vincent Masson zeigte der Biodynamie-Experte, warum Präparate, Bodenarbeit und Kreislaufdenken keine Esoterik, sondern wirksames Handwerk sind.
Wenn Vincent Masson einen Vortrag hält, sitzen normalerweise Bäuerinnen und Bauern im Publikum. Kein Wunder: Der international renommierte Experte für Demeter-Präparate berät landwirtschaftliche Betriebe auf der ganzen Welt – und beobachtet im Rahmen seiner Arbeit das ganze Jahr über Ergebnisse, die eine klare Sprache sprechen: Biodynamie wirkt. Ja, eigentlich ist sie sogar das Gebot der Stunde.

„Biodynamie ist kein Hokuspokus, sondern konkrete Arbeit mit nachweisbaren Auswirkungen. Das sollen so viele Menschen wie möglich verstehen und verbreiten.“
Warum Biodynamie kein Hokuspokus ist
Wie und warum genau, darüber sprach Masson am 13. Januar im Gasthaus Thaller in der Südsteiermark. Nur: Dieses Mal richtete er sich nicht nur an engagierte Bäuerinnen und Bauern, sondern auch an Gastronom:innen und Sommeliers. „Viele von ihnen arbeiten täglich mit den hochwertigen Erzeugnissen biodynamischer Landwirtinnen und Landwirte. Deswegen ist es wichtig, dass sie nicht nur ein tieferes Verständnis für Biodynamie entwickeln können, sondern das auch nach außen zu den Gästen tragen“, so der Winzer Hartmut Aubell vom Weingut Rebenhof, selbst Demeter-Mitglied und Initiator der Veranstaltung.

„Biodynamie ist kein Hokuspokus, sondern konkrete Arbeit mit nachweisbaren Auswirkungen. Das sollen so viele Menschen wie möglich verstehen und verbreiten“, sagte auch Martina Fink, Demeter-Vorstandsmitglied und selbst Demeter-Bäuerin beim Bauernhof finkundgut im niederösterreichischen Enzersdorf im Thale. Kreislaufdenken gegen „chemische Landwirtschaft“
Vincent Masson über Kreislaufdenken & Boden
Bis um ein Uhr in der Früh hatte Vincent Masson laut eigenen Angaben an seinem rund dreieinhalbstündigen Vortrag gefeilt. Gar nicht so einfach offenbar, eingefleischte Demeter-Landwirt:innen und Gastronomen und Sommeliers gleichermaßen mitzunehmen – oder? Die Arbeit bis spät nachts jedenfalls hat sich gelohnt: Massons Zugang, mit einem theoretischen Unterbau zu beginnen, der die Grundprinzipien des pflanzlichen Wachstums veranschaulicht, bewährte sich im Laufe des Vormittags mehr und mehr.
„Der Boden braucht die Pflanze und umgekehrt, es ist ein komplexer, aber kein sonderlich komplizierter Kreislauf.“
Etwa, wenn er die verheerenden Entwicklungen von wasserlöslichen und synthetischen Düngemitteln seit dem 19. Jahrhundert nachzeichnete. Dabei erwiesen sich Sätze wie: „Konventionelle Landwirtschaft ist lediglich eine verharmlosende Umschreibung für chemische Landwirtschaft!“ als frappierend legitim. Oder als er begann, die „Einheit zwischen Pflanze und Boden“ zu erklären: „Der Boden braucht die Pflanze und umgekehrt, es ist ein komplexer, aber kein sonderlich komplizierter Kreislauf, den zu verstehen und zu fördern ein Grundprinzip des biodynamischen Landwirtschaftens ist.“ Genau hier kam dann auch Massons Kernkompetenz ins Spiel: die berüchtigten Präparate.
Demeter-Präparate einfach erklärt
Vereinfacht gesagt handelt es sich bei den Demeter-Präparaten um spezielle, stark verdünnte Mischungen, die aus Heilpflanzen, Mineralien oder tierischen Bestandteilen hergestellt werden. In der Biodynamie kommen sie vor allem zur Förderung von Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenwachstum zum Einsatz. Wichtig: Ohne diese Präparate ist keine Demeter zertifizierte Landwirtschaft möglich. Oft umgibt diese Präparate etwas Mystisches, Esoterisches, Unklares, Vages. Nicht hier.

Für viele Nicht-Landwirt:innen im Publikum war es das erste Mal, dass diese Präparate als das (be-)greifbar wurden, was sie tatsächlich sind: konkrete Hilfen in bestimmten Vegetationsphasen mit greifbaren Ergebnissen. Viele verstanden: Sie sind eigentlich eine ziemlich bodenständige Sache, diese ach so abgehobenen Präparate. Laboranalysen, die dies und das über diese Präparate herausfinden, sind für mich nebensächlich, weil ich mich auf eine Sache konzentriere: die Ergebnisse. Und die sind, wenn man es richtig macht, ohne Ausnahme bei jedem Betrieb da“, so Masson, der dem Publikum die beiden Hauptpräparate vor allem auf praktischer Ebene näherbrachte: Beim sogenannten Hornmist handelt es sich um Kuhdung, der in ein Horn gefüllt und dann im Boden über den Winter vergraben wird, damit er fermentieren und seine humusaufbauende Wirkung entfalten kann.

Das Hornkiesel-Präparat hingegen ist fein gemahlenes Quarzsandpulver. Auch das wird in Kuhhörner gefüllt und im Boden vergraben, damit im Verlauf des Winters Mineralstoffe aktiviert werden. Es stärkt die Zellstruktur der Pflanzen, erhöht ihre Widerstandskraft und fördert eine gesunde Reifung. Beide Präparate ergeben ein Pulver, das zum richtigen Zeitpunkt stark mit Wasser verdünnt und in kleiner Menge auf dem Acker oder im Weingarten ausgebracht wird. Ergebnisse lassen sich oft schon nach einmaliger Anwendung sehen – wie Masson auf einer abschließenden Fotostrecke veranschaulichte.
Was Biodynamie in der Praxis bewirkt
Von renommierten Weingütern im Burgund bis hin zu Erbsenfeldern im Osten Deutschlands zeigte Masson Vergleichsbilder: Etwa von den Böden vor der Behandlung mit einem der Präparate und davon, wie sie einige Monate danach aussahen. Auf jedem der rund 20 Vergleichsbilder war klar: Die Wurzeln der unterschiedlichsten Pflanzen, die mit einem der Präparate behandelt wurden, wurzelten tiefer, der Boden war dunkler, um ein Vielfaches krümeliger („wie Couscous!“, sagte Masson), lockerer, nicht selten mit Würmern, die noch darin herumwühlten.

Was auf diesen Bildern zu sehen war, sehen immer mehr aktuelle Studien, die Masson bündig präsentierte, bestätigt. Das alles zeigte, dass die Biodynamie keine Extrameile ist, die engagierte Landwirt:innen gehen können, sondern vielmehr eine langfristige Notwendigkeit, die in Zeiten von zunehmender Bodenerosion wertvolle Antworten auf die vielen ökologischen Herausforderungen gibt. „Außerdem schmecken biodynamische Lebensmittel einfach besser“, schloss Masson seinen Vortrag augenzwinkernd und wünschte „Bon appétit!“ – was den Startschuss für das gesellige Nachmittagsprogramm markierte.
Verkostung & Austausch in der Südsteiermark
Wie gut allerhand Biodynamisches schmeckt, das bewies anschließend Norbert Thaller mit seinem Team, das einen gelungenen Happen nach dem anderen servierte, darunter etwa Burger mit saftigen Demeter-Pattys von Helga Bernold, die wie viele andere Gaumen Hoch-Mitglieder aus diesem Event mehr als ein bloßes Weiterbildungsseminar machten.
Und natürlich kam auch die Sache mit dem Wein nicht zu kurz: Die Sommeliers René Kolleger und Arno Bergler führten in mehreren Verkostungsflights genauso gewitzt wie eloquent durch die – immer vielfältiger werdende – Welt des österreichischen Demeter-Weins. Und ja, natürlich waren an jedem Tisch ausreichend Spucknäpfe vorhanden, nur: Erstens waren viele der Weine einfach zu gut, um gänzlich ausgespuckt zu werden. Und zweitens hatten alle noch Vincent Massons Worte im Ohr, die da lauteten: „Biodynamische Lebensmittel vertragen wir alle besser, das gilt – zum Glück – auch für den Wein.“



















