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Vitamin D oder: Warum wir die Sonne brauchen

Sonnenbaden hat ein schlechtes Image. Dabei sollten wir die Sonne in Maßen regelmäßig an die Haut lassen – und zwar in Maßen auch ohne Sonnenschutz.
von Eva Komarek
Sonnenstrahlen
© Canva

Früher lebten die Menschen mehr im Einklang mit den Rhythmen der Natur, während wir heute die meiste Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Das wirkt sich gravierend auf unsere Vitamin-D-Versorgung aus. Vitamin D ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Vitamin. Zum einen ist es weniger ein Vitamin als vielmehr ein Hormon. Zum anderen sind wir für unsere Vitamin-D-Versorgung nicht auf Nahrungsmittel, sondern auf die Sonne angewiesen. Vitamin D wird mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut gebildet und nur ein sehr geringer Teil wird mit der Nahrung aufgenommen.

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Mann tankt Sonne und Vitamin D

Unsere Vitamin-D-Speicher sind leer

Entsprechend einfach erklärt sich die weit verbreitete Unterversorgung, die laut Studien bis zu 80 Prozent der Bevölkerung betreffen kann. Denn abgesehen von dem Umstand, dass wir ständig indoor sind, findet eine nennenswerte Produktion von Vitamin D in unseren Breitengraden nur von März bis Oktober statt. Und es braucht eine adäquate Strahlungsintensität, die mit dem UV-Index beschrieben wird.

Der UV-Index ist ein von der WHO international normiertes Maß für die solare Bestrahlungsstärke.

Vitamin-D-Synthese funktioniert ab einem UV-Index der Stärke 3. Sonnenschutzmittel verhindern übrigens die Bildung von Vitamin D. Schon ab einem Schutzfaktor 8 werden 90 Prozent des UVB-Lichts abgeschirmt und der Vitamin D-Gehalt bleibt niedrig. Die Kosmetikindustrie hat vielfach sogar in Tagescremen und Make-up einen Sonnenschutzfaktor integriert. Oft ist das Gesicht aber das einzige Körperteil, das nicht von Kleidung bedeckt ist.

Richtig Vitamin D tanken

Sonnenlicht gehört wie Wasser und Nahrung zu unseren täglichen Grundbedürfnissen. Wir sollten also regelmäßig Sonne an die Haut lassen. Am besten fangen wir damit an, sobald wieder UVB im Licht ist. In Österreich ist das ab März der Fall. So gewöhnt sich die Haut an die Sonne, bildet rechtzeitig eine Sommerhaut und ist dadurch besser geschützt. Aber unbedingt einen Sonnenbrand vermeiden. Wie so oft macht die Dosis das Gift.

Tipp: Kostenlose Dminder-App herunterladen. Sie sagt mittels Standortbestimmung und Uhrzeit überall auf der Welt, ob und wie lange Vitamin D produziert werden kann. Sie schätzt auch, wie hoch der Vitamin D-Gehalt im Blut ist, und gibt anhand des Hauttyps Empfehlungen zur sicheren Sonnenbestrahlung. Übrigens wurde diese App von einem Dermatologen erfunden.

Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin

Vitamin D wird im Körper zu einem Hormon umgewandelt, das etwa 2000 Gene steuert. Ganz besonders ist es eines der zentralen Steuerhormone des Knochenstoffwechsels und des Immunsystems, hat aber auch weitreichende Wirkungen auf das Nervensystem, den Zellzyklus und viele andere wichtige Bereiche der Gesundheit.

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Sonnenstrahlen in der Natur
Vitamin D ist eigentlich ein Hormon.

Die Bedeutung des Vitamin D rückte im Zuge der COVID-19-Pandemie nochmals stärker in den Fokus, als zahlreiche Studien aus der ganzen Welt übereinstimmend zeigten, dass das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, und das Risiko eines schweren Verlaufes direkt mit dem Vitamin-D-Spiegel korrelieren.

Vitamin D spielt in folgenden Körpersystemen eine Rolle beziehungsweise wird benötigt für:

  • ein abwehrstarkes Immunsystem
  • ausbalancierte Immunantworten (Reduzierung von Autoimmunprozessen)
  • Schutz des Herz- Kreislaufsystems
  • ein gesundes Nervensystem
  • stabiler Stoffwechsel
  • ein ausgeglichenes Hormonsystem
  • Gesundheit von Haut und Haaren
  • Krebsprävention und adjuvante Behandlung

Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel

Wegen der vielfältigen Wirksamkeit und Bedeutung von Vitamin D wird es gerne supplementiert. Doch die Kraft der Sonne lässt sich nicht so leicht in Nahrungsergänzungsmittel packen. Der Herstellungsprozess ist relativ kompliziert und verläuft in mehreren Schritten.

Zur Herstellung von Vitamin D braucht es Cholesterin, das in der Leber chemisch zu Cholesterolsulfat umgewandelt wird. UVB dringt in die oberen Hautschichten ein, trifft dort auf das Cholesterolsulfat, und mittels Photolyse entsteht das Prävitamin D3. Unter anderem mithilfe von Körperwärme wird in weiteren Schritten daraus zuerst Vitamin D3 und dann die im Blut zirkulierende Speicherform von Vitamin D.

Aus Lebensmitteln nimmt der Mensch nur sehr geringe Mengen an Vitamin D auf. In natürlicher Form kommt es in relevanten Mengen in fetten Fischen und in geringen Mengen in Butter, Eiern und Milchprodukten vor.

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Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel
Vitamin D als Nahrungergänzungsmittel einzunehmen, ergibt durchaus Sinn.

Über die Nahrung wird allerdings direkt das Vitamin D3 aufgenommen, das über den Dünndarm gemeinsam mit Fetten in die Blutbahn und von dort in die Leber gelangt, wo es wiederum zur Speicherform umgewandelt wird. Der große Unterschied in der Herstellung von Vitamin D, das aus der Sonne produziert wird, und jenem, das aus der Nahrung aufgenommen wird, ist das Cholesterolsulfat.

Vitamin D aus der Sonne ist sulfatiertes Vitamin D, und das wirkt im Körper anders als oral aufgenommenes nicht sulfatiertes Vitamin D, obwohl die chemische Formel des Endproduktes ident ist. Sonnenlicht gibt uns über die Photonen Signal und Energie. Pillen geben nur ein chemisches Signal.

Ergibt es nun Sinn, Vitamin D als Nahrungsergänzung zu nehmen? Doch, zumindest das Immunsystem wird auch durch nicht sulfatiertes Vitamin D unterstützt, was besonders in der dunklen Jahreszeit wichtig ist. Aber sobald die Sonne wieder stärker wird: Hinausgehen und eine ordentliche Portion Sonnenlicht tanken.

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