Karin Metz und ihre Familie bauen seit 26 Jahren Kürbisse an – zwischen alten Birnbaumzeilen, auf einem Vierkanthof, den sie und ihr Mann Raimund von ihren Eltern übernommen haben. Schon davor lebte die Familie hier von Milchvieh und Most, dem süßen alkoholischen Getränk, das der Region ihren Namen gibt. Wie kamen die beiden also auf den Kürbis, der eher ein Kind der Steiermark ist?

„Meine Eltern hatten einen konventionellen Betrieb mit Schweinehaltung und bauten Mais und Weizen an. Wir wollten etwas anderes machen und suchten nach einer Nische, die zu uns passt“, sagt Karin. Sie probierten Hanf, Mohn und Kümmel aus. Jedes Jahr experimentierten sie mit einer neuen Sonderkultur, aber nichts ging so richtig auf. Bis Raimund 1999 im Zuge seiner landwirtschaftlichen Ausbildung einen steirischen Betrieb kennenlernte, der sich auf Kürbisse spezialisiert hatte. Ein Jahr später versuchten sie es selbst mit dem Anbau. „Damals war der Kürbis bei uns in der Region ein absoluter Fremdling“, sagt Karin. „Die Leute haben mich alle gefragt: Was willst du mit dem Saufutter?“ Aber sie blieben dran. Die erste Ernte landete als Deko neben der eigenen Hochzeitstorte, die übriggebliebenen vermarktete das frisch vermählte Paar am Straßenverkaufsstand. Karin sah großes Potenzial in dem unterschätzten Herbstgemüse, für das es damals noch kaum Rezepte gab, die man gerne weitersagte.
Baby Boo, Rosaly und Casperita
Seit 2018 ist der Betrieb biozertifiziert. Der Kürbis ist keine Dauerkultur. Auf einem Feld wird er alle vier Jahre geerntet. In den Jahren dazwischen baut Familie Metz – die drei Kinder helfen auch immer wieder mit, so wie Karins Eltern – Getreide, Sojabohnen, Winterackerbohnen und Leinsamen an. Diese Fruchtfolge ist wichtig, damit der Boden gesund bleibt. Heute gedeihen jährlich circa 150 verschiedene Sorten auf den Feldern.
„Für die Vermarktung würden zehn bis zwölf Sorten ausreichen. Dass wir so viele anbauen, ist meinem Kürbisvogel geschuldet.“

„Für die Vermarktung würden zehn bis zwölf Sorten ausreichen. Dass wir so viele anbauen, ist meinem Kürbisvogel geschuldet“, sagt Karin. Neben Speisekürbissen, die die Familie ab Hof und in Selbstbedienungsständen zwischen Steyr und Amstetten verkauft, verschickt und an die regionale Gastronomie weitergibt, gedeihen auf ihren Feldern auch Zierkürbisse, über die sich Floristinnen und Floristen freuen.

„Da mag ich am liebsten die weißen Sorten wie Baby Boo und Casperita oder lachs-rosafarbene wie Rosaly, die wirken so edel.“ Teil der Crowdfarming-Community, einem Direktvermarktungskonzept, sind sie ebenso. Da können Kundinnen und Kunden Feldanteile „adoptieren“ und bekommen den Ertrag direkt nach Hause geliefert.
Ölkaiser 2026
Kürbiszeit ist von August bis Oktober. Ganzjährig gibt es andere Produkte im Online-Shop wie Kürbiskernöl, Leinöl, salzige und süße Knabbereien aus Kürbiskernen oder KürbiskernSpice, das jüngste Produkt im Sortiment, „eine fermentierte Würzsoße, hergestellt aus dem eiweißreichen Kürbispresskuchen, dem Rest des Kernölpressens. Eine komplett regionale Alternative zur oft weit gereisten Sojasauce.“ Das Kernöl ist seit Jahren offizielle Nummer Eins bei der Ölmeisterprämierung auf der Messe Wieselburg, das selbstgepresste Leinöl hat der Familie den Titel „Ölkaiser“ eingebracht.

„Heuer darf ich sagen: Unser Leinöl ist das beste in ganz Österreich.“ Letztens hatte Karin ein berührendes Telefonat mit einer Kundin, die eine Krebsdiagnose bekommen hatte. Sie hatte gehört, dass Leinöl unterstützend sein könne bei der Therapie. „Und da hab ich mir gedacht: Es ist so toll, dass wir so etwas Einfaches anbauen und dann in nur einem Verarbeitungsschritt zu etwas so Wertvollem machen können.“
„Es ist mir wichtig, den Menschen diese Vielfalt an Geschmacksnuancen näherzubringen. Im Kürbis steckt einfach so viel drin.“
Karins derzeitiger Speisekürbis-Liebling ist, neben dem Spaghettikürbis („er hat die besondere Eigenschaft, dass sich das Fruchtfleisch beim Kochen in Fäden auflöst“), der Buttercup, eine grüne, rundliche und noch wenig bekannte Sorte mit Maroni artigem Geschmack: „Der Buttercup ist ein bisschen eine Prinzessin, weil er sonnenbrandgefährdet ist, aber vom Geschmack her unschlagbar.“ Als Partnerin der Initiative „Schule am Bauernhof“ kocht Karin auch immer wieder Kürbisgerichte mit Schulklassen.

Die Kinder sind begeistert, wenn sie sehen, dass für eine richtig gute Kürbiscremesuppe neben dem wichtigsten Rohstoff eigentlich nur Wasser, Salz und Pfeffer nötig sind. Mütter, die sie nach dem Rezept der Suppe fragen, die das Kind nicht nur freiwillig, sondern mit Gusto ausgelöffelt hat, sind dann oft sehr überrascht. Auch diese Bewusstseinsbildung gehört für Karin dazu. „Es ist mir wichtig, den Menschen diese Vielfalt an Geschmacksnuancen näherzubringen. Im Kürbis steckt einfach so viel drin.“

















