Market Gardening ist die smarteste und verträglichste Form des Gemüseanbaus. Konzipiert vom Kanadier Jean Martin Fortier erfolgt diese Form der Landwirtschaft auf kleiner Fläche mit einfachen mechanischen Hilfsmitteln und kommt ohne den Einsatz von Traktoren und ähnlichen Maschinen aus. Bodengesundheit, Humusaufbau, Fruchtwechselwirtschaft, die Kultivierung von samenfesten Sorten sowie Direktvermarktung auf Wochenmärkten oder an die Gastronomie sind weitere Eckpunkte dieser Systematik.

„So sieht für mich eine zukunftsorientierte regenerative Landwirtschaft aus, die einen wertvollen Beitrag zum Ernährungssystem leistet. Nicht nur, aber auch in der Stadt“, sieht Andreas Gugumuck die Marktgärtnereien als wichtige Versorgungsquelle der lokalen Bevölkerung mit Gemüse und somit auch als Gegenbewegung zur zunehmenden Entfremdung von Saisonalität.
Bio, saisonal, divers
Die 2023 angelegten Beete sind gerade im Prozess der Bio-Zertifizierung und spielen alle Register der Biodiversität. Über 80 Sorten sind in Anbau: Neben Mangold, Kohlrabi, Tomaten, Gurken auch zahlreiche Kräuter und vereinzelt auch Obstkulturen. Das Feld bietet auch genug Freiraum für Experimente. So werden heuer erstmals Pistazien, Granatäpfel und Edamame angebaut. Der Klimawandel macht es möglich und wird findigen Landwirt:innen in den nächsten Jahren neue Perspektiven eröffnen.
Pestizide oder Kunstdünger haben in der Marktgärtnerei natürlich Hausverbot. Gedüngt wird mit Bio-Kompost und Schafwolle. Dieses Konzept ist ein Musterbeispiel dafür, dass trotz intensiver Nutzung der Boden geschont wird, die Humusschicht aufgebaut wird und sich eine große Artenvielfalt an Insekten und Mikroorganismen etablieren kann. „Unsere Familie hat über 300 Jahre hier in Rothneusiedl Gemüse angebaut und diese Tradition setze ich nun auf meine Weise zeitgemäß um“, freut sich Andreas, dass die Gugumucks auch in elfter Generation ihrer Tradition treu bleiben.

Hauptabnehmer der Lebensmittel aus dem Market Garden sind die Gartenbar und das Bistro. Nicht zu unterschätzen ist auch der Appetit der bis zu 300.000 Schnecken auf Mangold, Blattsalate und andere Gemüse. Im Vergleich dazu sind die 25 Gemüsekisten für private Gemüsefans, mit denen Andreas Gugumuck heuer gestartet ist, eine überschaubare Menge. „Heuer schauen wir darauf, dass sich die Abläufe beginnend mit der Anbauplanung über Ernte und Abholung gut etablieren. Im nächsten Jahr wollen wir bis zu 80 Kisten pro Woche anbieten.“

Fischzucht auf der Schneckenfarm
Aktuell errichten Andreas Gugumuck und sein Team eine Aquaponikanlage, in der heuer noch Barsche und Welse in einem abgeschlossenen Kreislauf mit Gemüse in einem Glashaus kultiviert werden. Neben pflanzlicher Nahrung werden dann auch die Eingeweide der Schnecken, bislang der einzige Abfall der Schneckenzucht, an die Fische verfüttert. Die Exkremente der Fische wiederum werden als organischer Dünger für die Gemüsebeete eingesetzt. Die Aquaponik macht die Kreislaufwirtschaft am Gugumuck-Hof künftig noch runder und effizienter. Die Vermarktung der Barsche und Welse dieser Anlage soll im Mai 2026 starten.

Top 50 Farmer
Die Entwicklung des Hofs der letzten Jahre hat auch international Interesse hervorgerufen. Die Initiative „Top 50 Farmers“ hat zum Ziel die Verbreitung von regenerativer Landwirtschaft zu fördern. Sie zeigt auf wie vielfältig und zukunftsfähig Landwirtschaft sein kann. Die Köpfe und Finanziers hinter dieser Idee kommen aus Dänemark. Die Idee des Rankings nimmt Bezug auf die zahlreichen Rankings im Bereich der Gastronomie, wie etwa die „50 Best Restaurants of the World“, deren jährliche Verleihung ein weltweit kommuniziertes Medienspektakel ist. Neben dem Vetterhof in Lustenau (V) und der Grand Farm in Absdorf (NÖ) ist der Gugumuck-Hof der nunmehr dritte Betrieb aus Österreich in dieser illustren Liste.

Marktgärtnerei: Geistige Kreislaufwirtschaft
Der Gugumuck-Hof ist natürlich auch ein idealer Ort, an dem junge Menschen mit regenerativer Landwirtschaft und nachhaltiger Gastronomie in Verbindung kommen. Deswegen besuchen auch Schulklassen und Studierende verschiedener Schultypen und Fakultäten aus allen Bundesländern in hoher Frequenz den Hof. Und deswegen arbeiten und helfen hier auch Schüler:innen von Wiener Gastrofachschulen oder Quereinsteiger:innen.
„Bei uns lernen die jungen Leute das, was sie in der Schule meist nicht lernen“. Wissensvermittlung hat für Andreas auf seinem Hof einen hohen Stellenwert. „Wann welche Produkte Saison haben, wie man die verschiedenen Gemüsesorten erntet und für die Küche vorbereitet, wie man Lebensmittelabfall vermeidet, wie man einlegt und fermentiert“. Neben der stofflichen Kreislaufwirtschaft gibt es am Hof auch eine Zirkulation und Weitergabe von Wissen und Kompetenzen: Dieser Spirit ist generell dringend zur Nachahmung empfohlen.




















