Auf einen Blick: Der Klimawandel verändert, was in Österreich angebaut werden kann. Neue Kulturen wie Ingwer, Kurkuma oder Reis sind keine Kuriosität mehr, sondern strategische Investitionen in eine klimaangepasste Landwirtschaft.

Als Klemens Gold, Patron und Küchenchef im „RAU Nature Based Cuisine“ in Großraming, 2025 die erste Teeplantage Österreichs präsentierte, war die Überraschung groß. Die Teepflanze, die wir doch eher in Indien oder Java verorten, soll ausgerechnet im schattigen Pechgraben am Rande des Nationalparks Kalkalpen gedeihen? So ist es. Den vergangenen Winter hat Klemens für Kältetests mit bereits ausgewachsenen Teepflanzen genutzt. Sieben Bäuerinnen und Bauern aus der Umgebung werden künftig in Kooperation mit ihm Teeplantagen bewirtschaften.
Tee ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie der Klimawandel die Vielfalt in der Landwirtschaft begünstigt. Das Beispiel von Klemens Gold zeigt zudem, dass es immer auch eine gehörige Portion Vorstellungskraft, Geduld und Risikobereitschaft für den Anbau neuer Kulturen braucht.
Die Klimakeule schlägt zu
Arglose Zeitgenossinnen und Zeitgenossen nehmen den Klimawandel zumeist als uneingeschränkt positiv wahr: Die Winter werden kürzer und milder, die Vegetation beginnt früher zu sprießen, und die hohen Temperaturen verlängern die Bade- und Outdoorsaison. So what? Aus der Sicht landwirtschaftlicher Betriebe ist bei Weitem nicht alles eitel Wonne unter der zunehmend aggressiven Sonne.

Wolfgang Palme, Leiter der Abteilung für Gartenbau an der HBLFA Schönbrunn, weiß, wie herausfordernd die Umstände für die Gemüse- und Obstbaubetriebe durch die Klimaerwärmung geworden sind: „Negative Folgen des Klimawandels sind längere Trockenperioden, mehr Starkregenereignisse und Hagel, mehr Wind und höherer Schädlingsdruck. Zudem gibt es eine große Gefahr durch Spätfröste, weil die Vegetationsperiode immer früher beginnt. Wenn die Blüten abfrieren, kann das bis zum Totalausfall der Kultur führen.“
Die Tropen im Tunnel
„Wir versuchen, dem Klimawandel positive Aspekte abzugewinnen und pflanzen exotische Sorten an, um unser Sortiment zu erweitern“, nimmt Michael Kietreiber stellvertretend für die Branche die Herausforderung an. Gemeinsam mit seiner Frau Verena betreibt er die Marktgärtnerei „Grünzeug vom Feld“ in der Nähe von St. Pölten.

Ein wichtiges Instrument aller Marktgärtnerinnen und Marktgärtner sind die Freilandtunnel. Sie sind die magischen Portale der Landwirtschaft – draußen St. Pölten, drinnen Sizilien. Mit entsprechendem Know-how lassen sich in einem solchen Tunnel kleinräumig mediterrane bis tropische Verhältnisse erzeugen. „Am Freiland können wir Tomaten erst ab Mitte Mai pflanzen, im Tunnel schon Mitte April. Ernten können wir zumindest auch vier Wochen länger“, beschreibt Michael Kietreiber die Verlängerung der Vegetations- und Erntezeit.
Strategische Investition, nicht Trend
Für Andreas Gugumuck, der mit seiner Schneckenmanufaktur und seiner biozertifizierten Marktgärtnerei in Wien-Rothneusiedl als Leuchtturm der innovativen Stadt-Landwirtschaft gilt, ist der Anbau von Local Exotics kein Selbstzweck: „Diese Kulturen sind strategische Investitionen in eine klimaangepasste Landwirtschaft.“

Andreas Gugumuck. Für den innovativsten Landwirt Wiens sind Local Exotics ein „strategisches Investment in die Landwirtschaft“.
Ein besonderer Fokus liegt bei ihm auf mehrjährigen Kulturen und langfristigen Experimenten – Pistazien- und Zitrusbäume, eine Vielzahl an Feigensorten. Parallel dazu versteht Gugumuck seine Marktgärtnerei als Reallabor für größere Systeme – konkret für das Projekt „Die essbare Stadt Rothneusiedl“. In diesem Stadterweiterungsgebiet am Südrand Wiens soll urbane Landwirtschaft ein integraler Bestandteil der Stadtentwicklung werden – nicht als dekoratives Element, sondern als produktive Infrastruktur für lokale Versorgung, regenerative Kreislaufwirtschaft, Genuss und Lebensqualität.

Die Mitglieder von Gaumen Hoch stellen diesen positiven Spirit mit ihren „Local Exotics“ unter Beweis. Welche Sorten das konkret sind – und wo man sie kaufen kann – zeigt das Listicle 10 exotische Bio-Sorten aus Österreich — und wo man sie bekommt
FAQ: Local Exotics in Österreich
Was sind „Local Exotics“?
Local Exotics sind Kulturpflanzen, die ursprünglich aus anderen Klimazonen stammen – etwa Ingwer aus Südostasien oder Feigen aus dem Mittelmeerraum – und die in Österreich zunehmend, oft in Bio-Qualität, angebaut werden.
Ermöglicht der Klimawandel den Anbau exotischer Sorten in Österreich?
Teilweise. Steigende Durchschnittstemperaturen verlängern die Vegetationsperiode und eröffnen neue Anbaumöglichkeiten. Gleichzeitig erhöhen Extremereignisse wie Spätfröste, Starkregen und Schädlingsdruck den Druck auf die Betriebe – so Wolfgang Palme von der HBLFA Schönbrunn.
Welche exotischen Sorten werden in Österreich bio angebaut?
Unter anderem Ingwer, Kurkuma, Yacon, Süßkartoffeln, Indianerbananen, Mini-Kiwis, Physalis, Feigen, Granatäpfel und seit 2016 auch Reis. Eine Übersicht mit Bezugsquellen: [→ 10 exotische Bio-Sorten aus Österreich]
Wo kann man Local Exotics in Österreich kaufen?
Bei den Produzentinnen und Produzenten direkt – ab Hof, auf Märkten (z.B. Karmelitermarkt Wien) oder über Gemüsekisten-Lieferdienste. Hier geht’s zu deinem Guide für Gaumen Hoch-Bio-Höfe


















