Österreich deckt nur einen Bruchteil seines Fischbedarfs selbst. Je nach Berechnung stammen lediglich sieben bis acht Prozent des konsumierten Fischs aus heimischer Produktion. Rechnerisch sind die verfügbaren Bestände daher bereits Ende Jänner ausgeschöpft.
Der Pro-Kopf-Konsum liegt in Österreich bei rund acht Kilogramm Fisch pro Jahr. Die heimische Aquakultur produziert jährlich deutlich weniger, als konsumiert wird. Was danach konsumiert wird, kommt aus Importen – aus Meeresfischerei oder Aquakultur im Ausland.
Damit verschiebt sich die Frage des Aschermittwochs. Es geht nicht mehr um „Fisch statt Fleisch“. Sondern um Herkunft, Produktionsweise und Mengen.
Was ist nachhaltige Aquakultur?
Aquakultur bezeichnet die kontrollierte Zucht von Fischen, Muscheln oder Krebstieren in Teichen, Becken oder Netzgehegen.
Entscheidende Kriterien für Nachhaltigkeit:
- Herkunft des Futters (pflanzenbasiert oder Fischmehl aus Wildfang)
- Besatzdichte der Tiere
- Medikamenten- und Antibiotikaeinsatz
- Belastung von Gewässern
- Transparente Herkunftskennzeichnung
Bei Bio-Aquakultur gelten verbindliche EU-Standards.

In der aktuellen Podcastfolge spricht Greenpeace-Wirtschaftsexpertin Ursula Bittner über Greenwashing im Lebensmittelsystem. Fisch sei ein besonders sensibles Beispiel, weil er häufig als nachhaltigere Alternative wahrgenommen werde – ohne dass Produktionsbedingungen mitgedacht würden.
„Wir essen mehr Fisch, als unsere eigenen Gewässer hergeben“, sagt Bittner sinngemäß.
Das Problem ist strukturell: Ein Binnenland mit hoher Nachfrage ist zwangsläufig von globalen Lieferketten abhängig. Nachhaltigkeit entscheidet sich daher nicht am Produktnamen, sondern an Fangmethoden, Bestandsmanagement, Futterherkunft und Kontrollsystemen. Weltweit gilt laut FAO rund ein Drittel der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt.
Aquakultur: Lösung oder Verlagerung?
Aquakultur wird oft als Antwort auf Überfischung präsentiert. Doch Bittner differenziert: In vielen Zuchtanlagen wird weiterhin Fischmehl aus Wildfang eingesetzt. Raubfische wie Lachs benötigen eiweißreiches Futter – meist aus Meeresfisch. „Aquakultur kann Teil der Lösung sein – aber nicht jede Form davon ist automatisch umweltverträglich“, sagt die Greenpeace-Expertin.
Entscheidend sind Kriterien: Besatzdichte, Futterquelle, Medikamenteneinsatz und Gewässerbelastung. Für Bio-Aquakultur gelten rechtlich verbindliche Vorgaben gemäß EU-Bio-Verordnung. Hier sind unter anderem Besatzdichte, Fütterung und Medikamenteneinsatz geregelt.
Verantwortung beginnt bei der Art
Nachhaltiger Fischkonsum in Österreich bedeutet daher vor allem Differenzierung:
- Heimische Binnenfische wie Karpfen, Saibling oder Forelle bevorzugen
- Arten mit niedrigerem trophischen Niveau wählen (z. B. Karpfen statt Lachs)
- Bio-Zertifizierung prüfen
- Fisch nicht als wöchentlichen Standard, sondern als bewusste Ergänzung verstehen
Welche Fischsiegel helfen wirklich bei der Orientierung?
MSC. Wildfang, internationaler Standard gegen Überfischung.
→ Mindestanforderungen, ökologisch umstritten.
ASC. Aquakultur, internationale Umwelt- & Sozialkriterien.
→ Besser als konventionelle Zucht, Futterherkunft bleibt kritisch.
EU-Bio. Bio-Zuchtfisch innerhalb der EU.
→ Strengere Tierwohl- und Umweltvorgaben, kein Wildfang.
AMA-Gütesiegel (Österreich). Kennzeichnet heimische Herkunft.
→ Keine automatische Aussage zur Nachhaltigkeit.
Merke:
Siegel geben Orientierung – sie ersetzen keine bewusste Auswahl von Art, Herkunft und Menge.
Im Podcast formuliert es Bittner grundsätzlicher: Tierische Produkte sollten eine bewusste Entscheidung sein und keine Selbstverständlichkeit.
Fisch nachhaltig einkaufen – 5 Fragen zur Orientierung
Bevor Fisch im Einkaufswagen oder auf der Speisekarte landet, helfen fünf nüchterne Fragen:
1. Woher stammt der Fisch?
Heimische Binnenfische wie Karpfen, Saibling oder Forelle vermeiden lange Transportwege und entlasten Meeresbestände.
2. Handelt es sich um Wildfang oder Aquakultur?
Bei Wildfang sind Fangmethode und Bestandslage entscheidend (WWF-Fischratgeber).
3. Gibt es eine Bio-Zertifizierung?
Bio-Aquakultur unterliegt verbindlichen EU-Standards zu Fütterung, Besatzdichte und Medikamenteneinsatz.
4. Welche Art wird konsumiert?
Arten mit niedrigerem trophischen Niveau (z. B. Karpfen) benötigen weniger Ressourcen als Raubfische wie Lachs.
5. Wie oft steht Fisch auf dem Speiseplan?
Nachhaltigkeit ist auch eine Mengenfrage. Fisch als bewusste Wahl statt als Routine reduziert ökologischen Druck.
Wie das in der Praxis funktioniert
Einige Betriebe aus der Gaumen-Hoch-Community zeigen, dass verantwortungsvoller Fischkonsum möglich ist:
- Biofisch Großalm arbeitet mit zertifizierter Bio-Zucht und kontrollierter Fütterung.
- Marc Mößmer setzt auf transparente Lieferketten und regionale Produzenten.
- Pius Fischzucht nutzt Quellwasser und nachvollziehbare Produktionsbedingungen.
- Gut Ottenstein verbindet nachhaltige Teichwirtschaft mit regionaler Vermarktung.
- Gasthaus Thaller macht Herkunft und Auswahlkriterien auf der Speisekarte sichtbar.





Hier wird Fisch nicht als Imageprodukt verstanden, sondern als landwirtschaftliches Erzeugnis mit ökologischen Grenzen.
Was das für Aschermittwoch – und darüber hinaus – heißt
Österreich ist rechnerisch nach einem Monat fischleer. Der Rest des Jahres ist importabhängig.
Fisch ist damit weder automatisch nachhaltig noch per se problematisch. Er ist eine Ressource mit klaren Grenzen. Verantwortung bedeutet, diese Grenzen anzuerkennen – und Herkunft, Produktionsweise und Menge mitzudenken. Nicht nur am Aschermittwoch.



















