Vom IT-Job zum Reisfeld: Wer hinter Österreichs Local Exotics steckt

Google-Entwickler, Koch, IT-Leiter: Wer Österreichs exotischste Bio-Kulturen anbaut, hat oft nicht mit Landwirtschaft angefangen.
Illu Computer am Feld
© Gaumen Hoch

So wie es sich bei den vorgestellten Kulturen um Neuankömmlinge in Gärten und Feldern handelt, sind alle vorgestellten Produzentinnen und Produzenten Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die zunächst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen haben.

Andreas Achleitner — Vom Google-Headquarter zum Biohof

Der „Biohof Achleitner“ im Eferdinger Becken gehört zu den vielseitigsten und innovativsten Bio-Betrieben Österreichs. in dritter Generation, mit 6.000 Quadratmeter Folientunnel, 90 Hektar Freilandfläche und einem Hofladen mit 6.000 Bio-Produkten.

© Biohof Achleitner
Biohof Achleitner
Andreas Achleitner tauschte das Google Headquarter in Dublin gegen den elterlichen Biohof im Eferdinger Becken – heute einer der innovativsten Bio-Betriebe Österreichs.
© Biohof Achleitner
Biohof Achleitner

Vor wenigen Jahren tüftelte Andreas Achleitner noch im Google Headquarter in Dublin an der digitalen Zukunft. Heute arbeitet er mit großer Leidenschaft an der Weiterentwicklung des elterlichen Betriebs. „Neue Sorten ins Sortiment aufzunehmen, ist immer spannend. Das reizt mich sowohl als Landwirt als auch als Gastronom und Händler.“ Dabei folgt er einem stringenten Plan: „Wir beginnen kleinformatig und schauen, ob eine neue Gattung auch tatsächlich ausreift, ob sie geschmacklich unseren Qualitätsansprüchen genügt und welchen Ertrag sie bringt.“ Dann muss der Personalaufwand in der Pflege und der Ernte vertretbar sein und die Vertriebslogistik im Betrieb passen. „Erst, wenn das alles zusammenspielt, kann ich als Landwirt in die Produktion investieren.“

Robert Brodnjak — Doppelter Quereinsteiger

Robert Brodnjak ist ein doppelter Quereinsteiger: Vom gelernten Beruf Koch wechselte er zunächst in die IT-Branche, bevor er dann seine wahre Bestimmung im Gemüseanbau fand.

© Gaumen Hoch
Krautwerk
Koch, IT-Fachmann, Gärtner: Robert Brodnjak fand seine wahre Bestimmung im Gemüseanbau und beliefert heute unter anderem das Steirereck mit Raritäten wie Myoga und Shishito.
Salatfeld
Folientunnel
Gemüseanbau

Diese Erkenntnis reifte zunächst im kleinen Rahmen zwecks Eigenversorgung, ehe er und seine Frau Claudia Detz 2012 das Wagnis Vollzeit-Gemüseanbau eingingen und später das „Market Gardening“ für sich entdeckten. Die beiden setzten vom Start weg auf samenfeste Sorten und adressierten damit auch die Gastronomie. Der erste Kunde war niemand geringerer als „Steirereck„-Chef Heinz Reitbauer, der sich zunächst für die elf Erbsensorten des „Krautwerks“ interessierte – und dann auch für das ganze Sortiment. Der frühe Fokus auf die Topgastronomie bewirkte, dass Krautwerk heute die Nische der Raritäten meisterhaft bespielt: mit Pak Choi, Physalis, Szechuanpfeffer, Indianerbananen, Ingwer, Yacon und nicht zuletzt Shishito, einer japanischen Bratpaprika.

Die gute Nachricht für Hobbyköchinnen und -köche mit gehobenen Ansprüchen: Ein Meet & Greet mit den Raritäten und allen anderen Gemüseschätzen ist jeden Samstag am Krautwerk-Stand am Wiener Karmelitermarkt möglich.

Gregor Neumeyer — Reisbauer im Nebenerwerb

Gregor Neumeyer darf sich auf die Fahne schreiben, Österreich 2016 erstmalig auf die Weltkarte der Reisproduktion gepinnt zu haben. 2025 haben hat er mit ÖsterReis bereits mehr als 100 Tonnen geerntet.

© ÖsterReis
ÖsterReis
Hauptberuflich IT-Leiter, nebenberuflich Pionier: Gregor Neumeyer pinnte Österreich 2016 erstmals auf die Weltkarte der Reisproduktion.
© ÖsterReis
ÖsterReis
© ÖsterReis
ÖsterReis

Reisbauer ist Gregor Neumeyer nur im Nebenerwerb. Hauptberuflich leitet er eine IT-Abteilung einer bekannten Versicherung. Auf die Idee mit dem Reis ist er gekommen, weil er den elterlichen Betrieb nicht aufgeben wollte, er war auf der Suche nach einer Kultur, die nur eine beschränkte Pflege benötigt. „Als wir begonnen haben, gab es keine Gewissheit, dass der Reis auch reif wird“, erinnert er sich, „das war jedes Jahr ein Bangen.“ Die Jungpflanzen werden daher erst nach den Eisheiligen Mitte Mai gesetzt. Die Ernte erfolgt, abhängig von der Zahl der Sonnenstunden in der Wachstumsphase, ab Ende September.

Andreas Gugumuck: Stadt-Landwirtschaft als Reallabor

Mit seiner Schneckenmanufaktur und seiner biozertifizierten Marktgärtnerei in Wien-Rothneusiedl ist Andreas Gugumuck ein Leuchtturm der innovativen Stadt-Landwirtschaft — und wie Gregor Neumeyer ein Quereinsteiger aus der IT: 2010 gab er seinen Beruf als IT-Manager auf und übernahm den elterlichen Hof.

© Marktgärtnerei & Gemüsekistl Andreas Gugumuck
Gekommen, um zu bleiben - Andreas Gugumuck
© Marktgärtnerei & Gemüsekistl Andreas Gugumuck
Marktgärtnerei & Gemüsekistl Andreas Gugumuck

„Im Jahresverlauf bauen wir etwa 130 verschiedene Kultursorten an“, sagt Gugumuck — Local Exotics wie Granatäpfel, Topinambur, Artischocken und Indianerbananen inklusive. Für ihn kein Selbstzweck: „Diese Kulturen sind strategische Investitionen in eine klimaangepasste Landwirtschaft.“ Der Großteil der Ernte geht an sein Restaurant und die im Vorjahr eröffnete Gartenbar, die direkt an die Gärtnerei, Schneckenzucht und Aquaponik grenzt.

Parallel dazu versteht Gugumuck seine Marktgärtnerei als Reallabor für größere Systeme, konkret für das Projekt „Die essbare Stadt Rothneusiedl“. In diesem Stadterweiterungsgebiet am Südrand Wiens soll urbane Landwirtschaft ein integraler Bestandteil der Stadtentwicklung werden, nicht als dekoratives Element, sondern als produktive Infrastruktur für lokale Versorgung, regenerative Kreislaufwirtschaft, Genuss und Lebensqualität.

Was alle unsere „Local Exotics” gemeinsam haben: Die Sehnsucht nach greifbaren Resultaten aus manueller Arbeit und die Faszination von gesunden Böden hat sie zur Bio-Landwirtschaft gebracht, wo sie sich zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion bekennen. Wir finden: Das gehört entsprechend gewürdigt! 

Neu bei Gaumen Hoch

Unsere Bewegung wächst: Um Menschen, die Lebensmittel verantwortungsbewusst herstellen oder verarbeiten. Und uns inspirieren, uns gesünder zu ernähren.

UNSER NEWSLETTER

Werde jetzt Teil unserer Bewegung und melde dich für unseren kostenlosen Newsletter an!

Mit deiner Anmeldung erlaubst du die regelmäßige Zusendung eines Newsletters und akzeptierst die Bestimmungen zum Datenschutz.