Wie entstehen erfolgreiche Partner:innenschaften entlang der Lebensmittelkette? Was braucht es, damit Produzent:innen, Winzer:innen, Landwirt:innen und Gastronom:innen langfristig und auf Augenhöhe zusammenarbeiten können? Diesen Fragen widmete sich die Podiumsdiskussion der zweiten Gaumen Hoch-Connection am 2. Juni 2026.
„Die Zeit des Einzelkämpfertums ist vorbei. Wir können uns nur mehr zusammenhauen auf ein Packl und in Kooperationen denken.“
Mit dabei waren Ulrike Retter (RETTER Bio-Natur-Resort), Dorli Muhr (Weingut Dorli Muhr), Sandra Weiß (Pillhof Bio-Ochsenfleisch) und Stefan Sigl (Stiegl-Gut Wildshut), Klaus Dutzler (Seebauer am Gleinkersee) und Elisabeth Zoubek (Biohof Adamah) – sechs Betriebe, die zeigen, wie Zusammenarbeit entlang der Lebensmittelkette gelingen kann.

Beziehungen statt Lieferant:innenlisten
„Die Zeit des Einzelkämpfertums ist vorbei. Wir können uns nur mehr zusammenhauen auf ein Packl und in Kooperationen denken.“ Mit dieser Aussage brachte Ulrike Retter auf den Punkt, was viele der Diskutierenden verbindet: Erfolgreiche Lebensmittelketten basieren auf langfristigen Beziehungen und gegenseitigem Vertrauen. Im RETTER Bio-Natur-Resort arbeiten viele Lieferantinnen und Lieferanten bereits seit Jahrzehnten mit dem Betrieb zusammen. Freundschaften, Verlässlichkeit und gemeinsames Lernen seien oft wichtiger als kurzfristige Preisvergleiche.

„Es sind einfach lauter nette Leute, mit denen man gern redet, wo man sich freut, dass man sie kennt.“
Auch Klaus Dutzler, Seebauer am Gleinkersee, berichtete von langjährigen Partnerschaften mit Produzentinnen und Produzenten aus seiner Region. Für ihn entsteht Qualität nicht nur durch gute Produkte, sondern auch durch die Menschen dahinter und die Freude an der Zusammenarbeit.

„Niemand geht ins Restaurant, weil man Hunger hat. Menschen suchen Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten.“
Kommunikation schafft Wertschöpfung

Dorli Muhr (Weingut Dorli Muhr) lenkte den Blick auf einen oft unterschätzten Faktor: Kommunikation. „Niemand geht ins Restaurant, weil man Hunger hat.“ Menschen suchen Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten. Gerade deshalb spielen Herkunft, Haltung und Storytelling eine immer wichtigere Rolle. Eine gut kuratierte Weinkarte oder eine transparente Speisekarte vermitteln nicht nur Informationen, sondern zeigen auch die Werte eines Betriebes.
Wer die Geschichte hinter einem Produkt kennt, kann diese Begeisterung weitergeben und Gästen ein tieferes Verständnis für Qualität vermitteln.
„Jede:r Gastronom:in, jedes Geschäft, jeder Wiederverkäufer, jeder Großküche hat andere Bedürfnisse.“
Verstehen, was Gastronom:innen brauchen
Einen besonders praxisnahen Blick brachte Elisabeth Zoubek vom Biohof Adamah ein. „Jede:r Gastronom:in, jedes Geschäft, jeder Wiederverkäufer, jeder Großküche hat andere Bedürfnisse.“ Erfolgreiche Zusammenarbeit beginne deshalb mit Zuhören. Manche Betriebe benötigen andere Lieferintervalle, andere Verpackungen oder besondere Verarbeitungsformen. Produzentinnen und Produzenten müssten diese Anforderungen kennen und gleichzeitig offen kommunizieren, was möglich ist und was nicht. Neben einer zuverlässigen Logistik sei vor allem eines entscheidend: der persönliche Austausch.
Wertschätzung beginnt mit Wissen
Mehrere Diskussionsteilnehmer:innen waren sich einig, dass Wertschätzung für Lebensmittel nicht selbstverständlich ist.

Elisabeth Zoubek plädierte dafür, Köch:innen, Mitarbeiter:innen und Konsument:innen wieder stärker mit der Herkunft ihrer Lebensmittel in Kontakt zu bringen. Wer erlebt, wie Gemüse wächst oder wie viel Arbeit hinter einem Lebensmittel steckt, entwickelt automatisch mehr Verständnis und Respekt dafür.
Auch Klaus Dutzler setzt in seinem Betrieb auf diesen direkten Zugang. Gäste erleben dort nicht nur regionale Bio-Küche, sondern erfahren auch, woher die Lebensmittel stammen und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Für ihn ist Bio keine Ideologie, sondern vor allem eine Frage von Qualität und Geschmack.
Herkunft schafft Wertschätzung

„Was mir wichtig ist, ist ehrliche Kommunikation mit den Produzenten und eine gegenseitige Vertrauensbasis.“
Für Stefan Sigl vom Stiegl-Gut Wildshut beginnt Qualität bei der Herkunft. Alte Nutztierrassen, regionale Kreisläufe und enge Zusammenarbeit mit Produzentinnen und Produzenten prägen seine Arbeit. Besonders wichtig sei dabei die ehrliche Kommunikation. Wer einen Betrieb beliefern möchte, sollte wissen, mit wem er spricht und welche Werte dort gelebt werden.

„Die Menschen kommen zu uns, die Kunden, und holen das Fleisch bei uns direkt ab. Sie sehen, wie wir arbeiten.“
Auch Sandra Weiß vom Pillhof Bio-Ochsenfleisch zeigte, wie wichtig diese Abstimmung ist. Gerade bei der Vermarktung ganzer Tiere brauche es Vertrauen, Planung und langfristige Partner:innenschaften. Nur wenn Produzent:innen und Gastronom:innen gemeinsam denken, könne eine vollständige und wertschätzende Verwertung gelingen.
Was bleibt?
Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass erfolgreiche Lebensmittelketten nicht bei Produkten beginnen, sondern bei Menschen. Vertrauen. Kommunikation. Wertschätzung. Persönliche Begegnungen.
Ob Hotellerie, Gastronomie, Landwirtschaft, Weinbau oder Direktvermarktung: Überall dort, wo Menschen miteinander statt nebeneinander arbeiten, entstehen die stärksten Verbindungen. Und genau diese Verbindungen sind es, die regionale Lebensmittelketten zukunftsfähig machen.





















