Irgendwo im Nirgendwo: 9 abgelegene Bio-Genussorte in Österreich

Bewusst genießen statt hastig konsumieren – diese 9 Plätze bieten ein entspanntes Kontrastprogramm zum Hochgeschwindigkeitsalltag.
von Wolfgang Maria Gran
Irgendwo im Nirgendwo
© Jana Sabo

Manche der besten Adressen Österreichs liegen so abgelegen, dass schon der Ortsname allein nicht reicht, um sie zu finden. Das Restaurant von Haubenkoch Jürgen Csencsits etwa steht in Harmisch, einem 144-Seelen-Dorf im südlichen Burgenland – eines von nur 53 Häusern dort.

Genau das macht für eine wachsende Zahl von Reisenden den Reiz aus: Slow Travelling, also bewusster, entspannter Genuss auf hohem Niveau, abseits des durchgetakteten Alltags, in unberührter Natur. Wer diese 9 Orte sucht, sucht nicht nur gutes Essen – sondern ein Gesamterlebnis aus Ruhe, Landschaft und der Geschichte hinter dem Teller.

Auf einen Blick: Diese 9 Restaurants und Wirtshäuser liegen bewusst abseits der großen Routen – als Ziel für Slow Travelling, nachhaltige Küche und echte Ruhe.


© Iris Milisits
Gasthaus Csencsits - Irgendwo im Nirgendwo

1. Gasthaus Csencsits – Harmisch im Südburgenland

Jürgen Csencsits kocht in Harmisch, einem 144-Seelen-Ort im Südburgenland, was er das „Schaufenster der Region“ nennt – unverfälschte Küche mit Zulieferern wie dem Bioschafhof Elpons, dem Biohof Julia Wolf und dem Taubenhof Methlagl, die selbst zu beliebten Ausflugszielen geworden sind.

„Unser großes Plus hier im Südburgenland ist, dass wir seit 30 Jahren ein Geheimtipp sind“, sagt Jürgen mit einem Schmunzeln. Das einst von seinen Großeltern gegründete Gasthaus liegt nahe der ungarischen Grenze, eines von nur 53 Häusern im Dorf.

© Iris Milisits
Gasthaus Csencsits - Irgendwo im Nirgendwo
Perfekt im Doppelpack. Jürgen und Melanie Csencsits sind das perfekte Gastgeberduo, und die Gerichte spielen auch optisch alle Stückln.
© Iris Milisits
Gasthaus Csencsits - Irgendwo im Nirgendwo
„Mit dem Gasthaus und dem Restaurant sind wir schon ein bisschen so etwas wie das Schaufenster der Region.“
Jürgen Csencsits, GASTHAUS CSENCSITS

2. Lurgbauer – Mariazellerland, Steiermark

© Mirco Talierco
Lurgbauer - Irgendwo im Nirgendwo

Im Lurgbauer, einem mit drei Hauben ausgezeichneten Almbauernhof im Mariazellerland, kocht Max Leodolter Rindfleisch von der eigenen Aberdeen-Angus-Herde – sichtbar von der Terrasse aus, zusammen mit den Hochbeeten vor der Tür.

„Zufällig verirrt sich selten jemand zu uns. Wir werden ganz bewusst von Menschen angesteuert, die Ruhe suchen und etwas Gutes, Hochwertiges zu essen wollen“, sagt Max.

„Die Menschen wollen runterkommen in der Zeit, in der sie bei uns sind“, sagt Max – sei es auf der Terrasse oder beim Blick durch die Fenster auf Rinderherde und Hochbeete.

© Mirco Talierco
Lurgbauer - Irgendwo im Nirgendwo
Das grüne Herz der Steiermark. Hat man erst einmal hingefunden, ist der „Lurgbauer“ im Mariazeller Land eine unvergessliche Adresse.


3. Trautentalwirt – Geistthal-Södingberg, Weststeiermark

© Ingo Pertramer
trautentalwirt - Irgendwo im Nirgendwo

Familie Rainer führt den Trautentalwirt, eine 450 Jahre alte Gaststätte in der Weststeiermark, mit Wild, Milchprodukten und Kernöl aus der Region.

„Wir leben in einem Paradies und haben von Wild über Milchprodukte bis zum Kernöl wahre Schätze vor der Haustür“, sagt Wirt Johann Rainer. „Unsere Gäste schätzen, dass wir nicht nur auf hohem Niveau, sondern in guter alter Wirtshaustradition echt und ehrlich mit dem kochen, was die Region hergibt.“

Johann sah den Slow-Travelling-Trend kommen: „Ich habe immer gesagt, so etwas wie die Sommerfrische kommt hundertprozentig zurück. Die Menschen wollen nicht mehr animiert werden, sondern sich in der Natur wieder erden – ohne Handy und Laptop.“

© Marint Rainer
trautentalwirt - Irgendwo im Nirgendwo
Echt, ehrlich, steirisch. Die Küche im „trautentalwirt“ nennt sich mit voller Berechtigung Wohlfühlküche.

4. Restaurant Broadmoar – Oisnitz, St. Josef in der Weststeiermark

© Restaurant Broadmoar
Broadmoar - Irgendwo im Nirgendwo

Patrick Faist kocht im Restaurant Broadmoar, das 2026 erstmals einen Michelin-Stern erhielt, mit alten, wiederentdeckten Gemüsesorten von einem engmaschigen Netz an Produzentinnen und Produzenten.

„Vom einen kriege ich acht oder neun Sorten Tomaten, dafür macht mir ein anderer drei Sorten Bohnen, und einer setzt mir wilden Brokkoli an oder versorgt mich mit Flower Sprouts“, erzählt Faist. Sommelière Birgit Preschan ergänzt das Service.

„Man hat als Koch seine Basisrezepte, aber irgendwann spricht das Produkt für sich – und da kriegt Regionalität für mich die Tiefe“, so Faist. Von der Terrasse blickt man auf die Pferdekoppel des gleichnamigen Gestüts mit rund 60 Pferden.

© Restaurant Broadmoar
Broadmoar - Irgendwo im Nirgendwo
Kulinarik mit Stern. Die Küche im exzellenten Restaurant Broadmoar wurde 2026 erstmals mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Und das hochverdient.

5. Lounge 81 – Steinbach, Bad Gleichenberg

© florphotography
Lounge 81 - Irgendwo im Nirgendwo
Kunst und Kulinarik. Künstler Thomas und Küchenchefin Christina machen die „Lounge 81“ zu einem Gesamtkunstwerk.
© florphotography
Lounge 81 - Irgendwo im Nirgendwo

In der Lounge 81 in der Südoststeiermark gibt es keine Speisekarte – Christina Luger überrascht ihre Gäste in der offenen Schauküche, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Thomas Rauch.

„Wir haben keine Karte, und das finde ich schön. Erstens gehören für mich die Neugierde und das Überraschungsmoment zu einer kreativen Kulinarik dazu, und zweitens ist es ein schöner Vertrauensbeweis, wenn sich die Gäste darauf einlassen“, sagt Christina.

Jeder Tisch wird pro Abend nur einmal vergeben. „Viele Gäste wollen gar nichts von uns erzählen, weil sie sagen, das ist ihre verborgene Insel.“

„Viele Gäste wollen gar nichts von uns erzählen, weil sie sagen, das ist ihre verborgene Insel.“
Christina Luger, LOUNGE 81
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Lounge 81 - Irgendwo im Nirgendwo

6. Genusswirtschaft Mailberg – Weinviertel, Niederösterreich

© Genusswirtschaft Mailberg
Genusswirtschaft - Irgendwo im Nirgendwo

In der Genusswirtschaft Mailberg, einer alten Dorfgreisslerei im 600-Einwohner-Ort Mailberg, bezieht Koch Christoph Schüller 90 Prozent seiner Produkte aus der Region – auf Rind, Schwein und Kalb verzichtet er bewusst, gekocht wird mit Wild und Kleintieren.

Die mit drei Hauben ausgezeichnete Küche lässt sich vor Ort auch übernachten. „Die Gäste kombinieren Essen, Trinken und Schlafen“, erzählt Verena Schüller. „Und wenn sie bei einem Spaziergang durch die Kellergassen keine anderen Menschen getroffen haben, überrascht sie das zwar, aber es stört sie nicht.“

„Manche können in der ersten Nacht fast nicht schlafen, weil es bei uns so ruhig ist“, sagt Christoph.

© Genusswirtschaft Mailberg
Genusswirtschaft Mailberg
„Manche können in der ersten Nacht fast nicht schlafen, weil es bei bei uns so ruhig ist“, sagt Christoph Schüller von der Genusswirtschaft.

7. Schützenwirt – St. Jakob am Thurn, bei Salzburg

© Schützenwirt
Schützenwirt - Irgendwo im Nirgendwo

Der Schützenwirt liegt an einem idyllischen Weiher in St. Jakob am Thurn, unweit von Salzburg – geführt von Andrea Breitenthaler und Robert Rübsam, die selbst Holunder und Bärlauch aus der Umgebung sammeln.

„Wenn man zu uns kommt, soll man sich Zeit nehmen. Wenn man keine hat, sind wir nicht das passende Restaurant“, sagt Robert. Von der Salzburger Festspielzeit ist hier wenig zu spüren: „Der typische Urlauber ist gar nicht so unsere Klientel.“

„Wir sind abgelegen, aber deshalb auf keinen Fall aus der Welt.“
Robert Rübsam, SCHÜTZENWIRT
© Schützenwirt
Schützenwirt - Irgendwo im Nirgendwo
Streng saisonal. Andrea und Robert sind perfekte Gastgeber im „Schützenwirt“ nahe Salzburg, der nachhaltigen „Genuss mit gutem Gewissen“ propagiert.
© Schützenwirt
Schützenwirt - Irgendwo im Nirgendwo

8. Seebauer am Gleinkersee – Roßleithen, Oberösterreich

© Ingo Pertramer
Seebauer am Gleinkersee - Irgendwo im Nirgendwo

Der Seebauer am Gleinkersee in Oberösterreich bedient im Sommer bis zu tausend Badegäste – und kocht trotzdem zu hundert Prozent bio. Eine Fritteuse gibt es bewusst nicht.

„Dadurch unterscheiden wir uns von fast allen, die so etwas betreiben“, sagt Klaus Dutzler. Seine Frau Gunda, die das Gasthaus von ihren Eltern übernahm, ergänzt: „Schnitzel gibt es bei uns nur, wenn wir Zeit haben, und zwar aus der Pfanne.“

„Wir wollten immer ein Gasthaus machen, in das wir auch selbst gehen würden und das eine sinnvolle Wertschöpfung für die Produzentinnen und Produzenten der Region generiert.“

© Jana Sabo
Seebauer am Gleinkersee - Irgendwo im Nirgendwo
Bergsee-Idyll. In 800 Metern Höhe gelegen, ist der Gleinkersee trotzdem einer der wärmsten Badeseen Österreichs und entsprechend beliebt.

9. Stiegl-Gut Wildshut – St. Pantaleon, Oberösterreich

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Stiegl-Gut Wildshut - Irgendwo im Nirgendwo

Auf dem Stiegl-Gut Wildshut bei St. Pantaleon kocht Haubenkoch Stefan Sigl mit Rindfleisch aus der betriebseigenen Herde, während die Salzburger Stieglbrauerei hier ihre Spezialbiere herstellt.

„Zu uns kommen natürlich die Bierliebhaberinnen und -liebhaber und die Kulinarikreisenden“, sagt Leiter Herbert Stranzinger. Rund 30 Prozent der Gäste sind gezielte Genussurlauberinnen und -urlauber, die mehrere Tage bleiben.

„Es ist ein Umgang, der respektvoll und demütig ist, der den Dingen die Zeit gibt, die sie brauchen“, so Stranzinger.

© Marco Riebler
Stiegl-Gut Wildshut - Irgendwo im Nirgendwo
Das erste Biergut Österreichs. So etwas findet man kein zweites Mal im Lande: Biergut, Bio-Landwirtschaft, Haubenküche sowie Experimentierfeld für außergewöhnliche Biere und Lebensmittel – …
© Bi Unique
Stiegl-Gut Wildshut - Irgendwo im Nirgendwo
… – all das vereint sich im „Stiegl-Gut Wildshut“. Übernachten kann man nach einem erlesenen Mahl dort natürlich auch.

FAQ: Slow Travelling und abgelegene Bio-Gastronomie in Österreich

Was versteht man unter Slow Travelling? Slow Travelling bezeichnet einen Reisetrend, bei dem Individualität, bewusster Genuss und Zeit für sich selbst im Vordergrund stehen – als Kontrast zu durchgetaktetem Alltag, oft verbunden mit unberührter Natur und nachhaltiger Gastronomie.

Welche der 9 Restaurants sind mit Hauben oder Sternen ausgezeichnet? Der Lurgbauer trägt drei Hauben, die Genusswirtschaft Mailberg ebenfalls drei Hauben, und das Restaurant Broadmoar wurde 2026 erstmals mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Welches Restaurant bietet eine hundertprozentige Bio-Küche? Der Seebauer am Gleinkersee in Roßleithen, Oberösterreich, setzt trotz bis zu tausend Badegästen im Sommer konsequent auf hundertprozentige Bio-Küche – unter anderem ganz ohne Fritteuse.

In welchen Bundesländern liegen die vorgestellten Lokale? Die 9 Orte verteilen sich auf das Burgenland (Gasthaus Csencsits), die Steiermark (Lurgbauer, Trautentalwirt, Broadmoar, Lounge 81), Niederösterreich (Genusswirtschaft Mailberg), Salzburg (Schützenwirt) und Oberösterreich (Seebauer am Gleinkersee, Stiegl-Gut Wildshut).

Cover Magazin 3
© Gaumen Hoch

Ein Artikel aus unserem neuen
Kulinarikmagazin.

Mit dem Magazin Gaumen Hoch hält eine kulinarische Stimme Einzug, die Genussmenschen und Bewusste gleichermaßen inspiriert und informiert. Hier trifft intellektuelle Neugier auf die Freude am guten Essen: Das Magazin lädt ein zu einer Entdeckungsreise durch die Welt gesunder, saisonaler und biologisch-regionaler Lebensmittel. Es stellt Pionier:innen vor, die mit Leidenschaft Wandel gestalten, und bietet Orientierung im Dschungel der Nachhaltigkeitslabels. Ob inspirierende Rezepte, kluge Einblicke in aktuelle Entwicklungen oder Porträts engagierter Persönlichkeiten: Gaumen Hoch verbindet Wissensdurst mit Lebenslust und macht nachhaltigen Genuss zum Erlebnis für Kopf und Gaumen.

Die Ausgabe liegt kostenlos in allen Gaumen Hoch-Mitgliedsbetrieben auf (solange der Vorrat reicht). Hier kannst du das Magazin online lesen.

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