Dieser Artikel porträtiert zehn Landwirtinnen und Winzerinnen aus Österreich, die Landwirtschaft innovativ, ökologisch und wirtschaftlich tragfähig gestalten. Sie zeigen, wie Biodiversität, Kreislaufdenken und handwerkliche Qualität jenseits von Schlagworten und Bio als bloßem Label gelebt werden.
Österreichs Landwirtschaft befindet sich im Wandel – und ein wichtiger Teil dieser Bewegung sind Frauen, die mutig neue Wege gehen. Ob in Marktgärtnereien, Biohöfen oder Weingütern: Sie alle verbinden ökologische Verantwortung, Biodiversität und Ressourcenschonung mit hoher handwerklicher Qualität. Nachhaltige Landwirtschaft endet für sie nicht beim Bio-Zertifikat: Sie denken Kreisläufe zu Ende, fördern alte Sorten und stärken den direkten Kontakt zwischen Erzeuger:innen und Konsument:innen.
Zehn Porträts zeigen, wie Landwirtinnen und Winzerinnen in Österreich Nachhaltigkeit praktisch machen: mit Biodiversität, Kreislaufdenken, Direktvermarktung und handwerklicher Qualität – jenseits von Schlagworten und Bio als bloßem Label. Der Fokus liegt dabei auf konkreten Praktiken, nicht auf Idealen.
Sie arbeiten mit statt gegen den Boden und beleben alte Arbeitsweisen wieder. Ihr Wirken macht sichtbar, wie Umweltschutz, Genuss und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen und Landwirtschaft gleichzeitig zukunftsfähig, vielfältig und inspirierend sein kann.
Internationales Jahr der Bäuerin 2026
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. Ziel ist es, die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft sichtbarer zu machen – für Ernährungssicherheit, Biodiversität und den Erhalt ländlicher Räume.
Weltweit leisten Frauen einen wesentlichen Teil der landwirtschaftlichen Arbeit, sind jedoch oft mit schlechterem Zugang zu Land, Ressourcen, Ausbildung und Entscheidungspositionen konfrontiert.
Das Schwerpunktjahr soll Anerkennung schaffen – und strukturelle Veränderungen anstoßen.
Ulrike Bubenicek-Meiberger
Manchmal ist ein Blick Gold wert für die Zukunft. Ulrike Bubenicek-Meibergers Geschichte ist der beste Beweis: Aus einem überlieferten Rezept ihrer tschechischen Vorfahren entstand zunächst ein Bio-Sauergemüse, das sich rasch zu einem vielfältigen Sortiment entwickelte. Mit der Übernahme des Familienbetriebs war der Umstieg auf biologische Bewirtschaftung für sie selbstverständlich.

Statt auf Massenproduktion setzt der Hof auf Direktvermarktung und -verarbeitung sowie auf einen rund um die Uhr geöffneten Selbstbedienungs-Hofladen, der gemeinsam mit regionalen Partner:innen ein breites Angebot bündelt und Wege spart. Landwirtschaft wird hier als regionales Versorgungssystem gedacht, nicht als Einzelbetrieb.
Ulrike Bubenicek-Meiberger denkt die Landwirtschaft am Biohof in Zwerndorf ganzheitlich – ein Beispiel ist ihr Energiekonzept: Eine eigene Biogasanlage verwertet Erntereste, erzeugt Strom und Wärme für Haus und Gewächshäuser und schließt den Nährstoffkreislauf. Und so verbindet sie Tradition, Umweltbewusstsein und handwerkliche Qualität zu einem zukunftsfähigen Betrieb.
Martina Galler
Auf dem Biohof in Baierdorf setzen Martina Galler und ihre Mitstreiterinnen Nina Neuner und Andrea Gruber auf regenerative Landwirtschaft – mit Fokus auf Bodenaufbau und Vielfalt statt Ertragmaximierung. Mit rund 35 verschiedenen Gemüsesorten in Mischkulturen versorgen sie lokale Haushalte und die Spitzengastronomie, wobei jede Pflanze vollständig genutzt wird.

Ihr Ansatz geht über Bio hinaus: Bodenpflege, Vielfalt und saisonale Kreisläufe stehen im Mittelpunkt, und sie geben dem Boden mehr zurück, als sie entnehmen. So wollen sie nicht nur gesunde Lebensmittel produzieren, sondern auch Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft und die Chancen einer ökologischen Transformation schaffen.
Katharina Gessl
Weingut Katharina Gessl
Katharina Gessl war vor einigen Jahren so etwas wie der Shootingstar in der österreichischen Weinszene. Inzwischen hat sie sich mit ihren Weinen längst etabliert, führt ihr Weingut im Weinviertel kompromisslos biologisch und legt den Fokus auf Traubenqualität, Bodenpflege und Biodiversität. Ihr Ansatz kombiniert puristische Weinbereitung mit ressourcenschonendem Arbeiten, minimalen Kellerinterventionen und Respekt vor natürlichen Rhythmen.

Nachhaltigkeit bedeutet für sie nicht nur Bio-Zertifizierung, sondern ein regeneratives Bewusstsein: dem Boden mehr zurückgeben, Vielfalt fördern und Weine erzeugen, die Charakter zeigen und die Natur widerspiegeln – lokal verwurzelt, international verständlich. Eine Herangehensweise, die sich auch in der Benennung ihrer Weine wie „Hawara“, „Gspusi“ und „Barawara“ widerspiegelt.
Jahwezi Graf
BIOsain
Am Wachtberg im Waldviertel wird Landwirtschaft als lebendiges Zusammenspiel von Boden, Pflanzen und Menschen verstanden. Mit BIOsain haben Jahwezi Graf und ihr Partner Tristan Toe aus sandigem, nährstoffarmem Boden durch Humusaufbau und bodenschonende Bewirtschaftung ein funktionierendes Ökosystem entwickelt. Gearbeitet wird biologisch, mit viel Beobachtung und Geduld, um Pflanzen an Standort, Klima und Anbaumethoden anzupassen.

Rund 70 verschiedene Kulturen – von Gemüse und Kräutern bis zu Blumen und Faserpflanzen – wachsen hier in großer Vielfalt, ausgewählt nach Geschmack, Vitalität und Widerstandskraft. Nachhaltigkeit zeigt sich bei BIOsain auch im Weitergeben von Wissen: Lehrlingsausbildung, Lernprogramme und offene Formate. Landwirtschaft wird hier bewusst als lernbares Handwerk vermittelt.
Clara Heinrich
Clarence Gärten
Clara Heinrich verbindet im Burgenland Kunst, Schreiben und nachhaltige Landwirtschaft: Auf 2.200 m² baut sie farbenfrohes Wintergemüse, von violettem Kohl bis Radicchio, ausschließlich aus selbst vorgezogenem Saatgut.

Dabei achtet sie auf Sortenvielfalt, Saisonalität und ökologische Verantwortung, nutzt Netzwerke mit anderen Marktgärtnereien für Erfahrungsaustausch und fördert so die lokal resilient aufgebaute Gemüseproduktion. Ihr Betrieb zeigt, wie kleinstrukturierte Marktgärtnerei regionale Versorgung resilient machen kann.
Verena Kietreiber
Grünzeug vom Feld
Auf ihrem Acker in Maria Jeutendorf setzen Verena Kietreiber und ihr Mann Michael auf nachhaltige, saisonale Landwirtschaft: Auf rund 2.500 m² bauen sie über 120 Kulturen an, darunter alte Sorten wie Hirschhornwegerich und vielfältige Paradeiser, die sie direkt an Markt und Ernteanteil-Kistln verkaufen. Verena legt großen Wert darauf, dass die Kund:innen verstehen, wie Lebensmittel wachsen und welchen Einfluss Saisonalität und Biodiversität auf die Qualität haben.

Mit Exoten wie Ingwer, Zitronengras oder Kurkuma probieren sie aus, wie man mit der Natur arbeitet statt gegen sie – ein Grundsatz, der Vielfalt, Geschmack und Umweltbewusstsein vereint.
Ursula Kujal
Bio-Feigenhof
Am Bio-Feigenhof in Wien zeigt Ursula Kujal, wie mutige Ideen und ökologische Prinzipien zusammenfinden können. Gemeinsam mit ihrem Partner Harald Thiesz belebte sie den Standort in Simmering neu und entschied sich bewusst für eine Kultur, die hier niemand erwartet hätte: Feigen. Die winterharte, vergleichsweise pflegeleichte Frucht erwies sich als ideal für den biologischen Anbau ohne Heizung – ein zentraler Nachhaltigkeitsgedanke des Betriebs. Was mit rund 30 Sorten begann, ist heute eine Sammlung von etwa 350 Feigenvarianten, ergänzt durch eine große Vielfalt an Gemüse-, Obst- und Kräuterraritäten in Mischkultur.

Diese Vielfalt stärkt das Ökosystem und macht den Hof widerstandsfähig. Verarbeitet und verkauft wird direkt ab Hof, im Online-Shop und in enger Zusammenarbeit mit der Spitzengastronomie. Für Ursula Kujal ist der Bio-Feigenhof damit nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb, sondern ein lebendiger Ort, an dem Biodiversität, Genuss und Umweltbewusstsein mitten in der Stadt zusammenkommen.
Manuela Trieb
Johann und Manuela Trieb
Am Hof in Passail werden Tierhaltung und Landwirtschaft als langfristige Verantwortung verstanden. Manuela Trieb hat sich gemeinsam mit ihrem Mann Johann bewusst für Mutterkuhhaltung mit Charolais-Rindern entschieden – ruhige, robuste Tiere, die viel Zeit auf der Weide verbringen und für hochwertiges Fleisch stehen. Der Betrieb ist seit 2014 biozertifiziert, zunächst aus pragmatischen Gründen, doch mit den Jahren wuchs daraus eine klare Haltung: weg von Überdüngung und industriellem Futter, hin zu Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und echter Bodenpflege.

Für Manuela wurde Bio zur Lebensphilosophie, auch mit Blick auf die nächste Generation. Neben der Tierhaltung baut sie einen vielseitigen Marktgarten auf, legt Streuobstwiesen mit alten Sorten an und entwickelt einen Hofladen, in dem möglichst viele Produkte aus eigener Hand stammen sollen – von Fleisch und Chutneys bis zu Brot aus künftig eigenem Bio-Getreide. Mit viel Herzblut verbindet Manuela Trieb Tierwohl, handwerkliche Verarbeitung und regionale Wertschöpfung zu einem Betrieb, der zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft Schritt für Schritt wachsen kann.
Birgit Wiederstein
Weingut Wiederstein
Birgit Wiederstein bewirtschaftet ihr Weingut in Göttlesbrunn biodynamisch und legt dabei größten Wert auf Bodenpflege, natürliche Rhythmen und das Zusammenspiel von Reben, Mikroorganismen und Ökosystem. Sie kultiviert seltene Sorten wie den Braunen Veltliner oder den Lindenblättrigen, produziert charakterstarke Weine und achtet darauf, dem Boden mehr zurückzugeben, als sie entnimmt.

Ihr Ansatz verbindet Nachhaltigkeit, Terroirbewusstsein und ressourcenschonende Weinbereitung. So zeigt die Niederösterreicherin, wie biodynamischer Weinbau natürliche Prozesse respektiert und gleichzeitig außergewöhnliche Weine, wie den Pinot Noir „große Diva“, entstehen lässt.
Else Zuschmann-Schöfmann
Weingut und Sekterei Zuschmann-Schöfmann
Denkt man an österreichischen Schaumwein, kommt man an Else Zuschmann-Schöfmann eigentlich nicht vorbei. Sie hat sich im Weinviertel bewusst dem Sprudel verschrieben und verbindet dabei Herkunft, Qualität und nachhaltige Bewirtschaftung. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter arbeitet sie auf 16 Hektar kalkreicher Böden, seit 2012 konsequent biologisch-organisch. Der Umstieg bedeutete mehr Handarbeit und geringere Erträge, schafft aber die Grundlage für gesunde Reben und hochwertige Grundweine – ein entscheidender Faktor, besonders für die zweite Gärung im Sekt.

Die Trauben werden händisch gelesen, im Keller ist Geduld gefragt: Viele ihrer Schaumweine reifen über Jahre, bevor sie beim Degorgieren vollendet werden. Prägend für den Betrieb ist der Grüne Veltliner, der die Region widerspiegelt und als Brut Nature der Großen Reserve zum „Sekt des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Mit klassischen Sekten und naturbelassenen Pet Nats zeigt Else Zuschmann-Schöfmann, wie ökologischer Weinbau und kompromisslose Qualitätsarbeit Schaumweine mit Tiefe und Frische hervorbringen.
Diese zehn innovativen Landwirtinnen zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft in Österreich kein Ideal ist, sondern gelebte Praxis – vielfältig, wirtschaftlich und tief im Boden verankert.

























